Epochenunterricht zwischen Idee, Wirklichkeit und individualisierender Neukonzeption

23. Oktober 2009 at 4:44 nachmittags 22 Kommentare

Zu den zentralen Wiedererkennungswerten der Waldorfschulen gehört der Unterricht in sog. “Epochen”: In einem mehrwöchigen Zeitraum wird die ersten beiden Unterrichtsstunden (ca. 100 Minuten) ein bestimmtes Fach unterrichtet. So erhält mensch beispielsweise vier Wochen lang  jeden Tag zwei Stunden Biologieunterricht.

Auch der künstlerisch-praktische Unterricht an FWSen wird in solchen “Epochen”, die dann allerdings weit länger dauern, unterrichtet. Ziel des Ganzen: Dieses Themengebiet kann in einer solchen “Epoche” natürlich sehr intensiv erarbeitet werden. Mensch bleibt im Stoff und kann sich ausführlichen Projekten und Versuchen widmen.

Epochenhefte

Eins davon etwa das berühmtberüchtigte “Epochenheft”: Da das Lernen mit Schulbüchern an FWSen vielen auch heute noch als stupide und zu un-individuell gilt (und das ja nicht zu Unrecht), legen die SchülerInnen zu den in der Epoche behandelten Themen selbstgestaltete Hefte an, in die auch Hausaufgaben und Aufsätze eingetragen werden müssen. Hier zwei waldorfklischeehafte Bilder aus einem Epochenheft meiner unschuldigen Kindertage:

Seite 3 in meinem Epochenheft zur Urgeschichte

Seite 3 in meinem Epochenheft zur "Urgeschichte"

Seite 4 meines Epochenhefts zur Urgeschichte

Seite 4 meines Epochenhefts zur "Urgeschichte"

Während die einen das sehr schön finden, erleben andere gerade bei Epochenheften, die ohne größeren Aufwand grenzenlos kreativ gestaltet werden könnten, das genaue Gegenteil: als ein “Zettelchaos von schlechten Kopien und mehr oder weniger fehlerlosen Tafelabschriften. (…) Welche Ausgangsbasis für ein Abitur!” (Sibylle-Christin Jakob/ Detlef Drewes: Aus der Waldorfschule geplaudert, Alibri 2004, S. 139). 
 

Chancen und Probleme in der Praxis

In Deutschland hat diese zyklische Unterrichtsmethode außerhalb des Waldorflagers nicht sonderlich viel Nachahnmung erfahren, in Teilen der USA hat sie aber dafür einige Verbreitung erfahren: “In den Nort Carolina stieg die Anzahl der Schulen, an denen ‘block-scheduling’ praktiziert wird, zwischen 1992 und 1997 von 2 auf 65 Prozent.” (Johannes Grebe-Ellis: Zeit und Lernen. Epochenunterricht – eine Recherche,Erziehungskunst 10/2009, S.32)
 
Über die Praxis in Waldorfschulen selbst sind die Meinungen einigermaßen geteilt. In der WaldorfabsolventInnenstudie von Barz/Randoll 2007 hoben die meisten ehemaligen WaldorfschülerInnen den Epochenunterricht als positiven Aspekt des Unterrichts hervor (Absolventen von Waldorfschulen, S. 211f.), aber
“gelegentlich wird Kritik an der Kontinuität des Lernprozesses geübt: ‘Acht Wochen und dann ist es weg.’ (Erzieherin *1940). Andererseits werden die Vorteile der Konzentration auf ein Themengebiet hervorgehoben (…) positiv sei zu bewerten, ‘dass man sich intensiv beschäftigt’…” (Absolventen von Waldorfschulen, S. 285).
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich beide Positionen nachvollziehen. Mir persönlich ging es so, dass ich Inhalte wie Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Geographie in Epochen-Dosierung sehr passend dargeboten fand, während ich mir gerade in Naturwissenschaften und Mathematik stärkeres kontinuierliches Üben gewünscht hätte. Vielleicht geht es aber Menschen mit naturwissenschaftlichen Begabungen andersrum?
 

Ursprünglich viel weiter gedacht?

Die Wurzeln dieses Unterrichts liegen in den ersten Monaten, in denen Waldorfurvater Rudolf Steiner seine Schulgründung, angeregt durch reformpädagogische Praktiken (vgl. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland, II, S. 1372, Vandenhoeck & Ruprecht 2007, S. 1372), gegen die Abläufe des herkömmlichen Schulwesens aufbaute:

Der junge Mensch geht in die Schule zur ersten Schulstunde des Morgens. In dieser ersten Schulstunde ist [er] vielleicht angesetzt aus den Bequemlichkeiten des Lehrerkollegiums heraus, sagen wir, Mathematik, Rechnen. Dann folgt vielleicht Latein, dann folgt vielleicht eine weitere Stunde religiösen Unterrichts. Und dann folgt vielleicht Musik oder Gesang, oder vielleicht nicht einmal das, sondern es folgt vielleicht Geographie darauf. Man kann das mensch­liche Gemüt von Grund auf nicht stärker ruinieren, als wenn man in dieser Weise bei dem jungen Menschen dafür sorgt, daß seine Konzentrationskraft auf das allergründlichste zerstört wird. Dasjenige, wo angefangen werden müßte, auf dem Gebiete des Unterrichts zu sozia­lisieren, das ist vor allen Dingen der Stundenplan, diese Mördergrube für alles dasjenige, was wahrhafte Pädagogik ist. Der Stundenplan, (…) ist dasjenige, was heute zuallererst bekämpft werden muß. (Steiner: GA 192, 1964, S. 182)

Steiners Gegenansatz war gewissermaßen logische Konsequenz: Das lernende Kind müsse sich “ohne durch anderes fort­während gestört zu werden, eine gewisse Zeit seines Lebens hindurch sich auf eines [ein Schulfach, ein Lernthema -A.M.] konzentrieren. (…) Es handelt sich nicht darum, nun etwa wiederum die Seele zu erfüllen mit irgend­einem Lehrstoff, sondern darum, die ganze Entwickelung so einzu­richten, daß die Seele von selbst sich in einer bestimmten Lebensepoche auf eines konzentrieren kann, (…) dann muß diese Lebensepoche damit abschließen, dass das junge sich entwickelnde Kind das Gefühl haben kann: Jetzt habe ich in dieser Sache etwas erreicht. – Dann darf erst zu einem an­deren sogenannten Gegenstand übergegangen werden. (GA 129, S. 129f.)

Diese Version von Epochenunterricht schließt ein ganz anderes Verständnis von “Epoche” ein, das weit über das heute an FWSen gepflegte hinausgeht: Epoche als Lebensabschnitt, in dem ein bestimmtes Thema für ein Leben förderlich ist – ein gewichtiges Motiv. (vgl. Vollgas mit Handbremse 5)

Aber der gute Steiner kam denn doch nicht ohne seine esoterische Entwicklungslehre aus. So verkündete er gleich im Anschluss: “Man müßte aus wirklicher pädagogisch-psychologischer Anthropologie heraus zum Beispiel sich klar sein darüber, in welchem Lebensalter dem Menschen beizubringen ist irgend etwas Arithmetisches.” Das ist geradezu das das Gegenteil von dem, was Steiner vorher gefordert hat. Nur findet hier die Fremdbestimmung durch stereotype Entwicklungs”psychologien”, nicht durch Fächeraufteilungen statt. Niemand kann vorhersehen, in welchem Alter Kinder generell ein bestimmtes Themengebiet begreifen können und auch wollen. (zu dieser Entwicklungslehre als “bürgerliche Ausgestaltung des pädagogischen Moratoriums  (…), die heute zwischen dem traditional-modernen und dem fundamentalistisch-modernen Kindheitsmuster zu lokalisieren wäre” vgl. Heiner Ullrich: Pädagogik für die obere Mittelschicht, in: Erziehungskunst Oktober 2009, S. 64f. – dass solche Töne im Zentralorgan des Bundes der Freien Waldorfschulen zugelassen werden, ist übrigens neu und erfreulich).

Ausgerechnet dieses Mythologem ist aber erhalten geblieben: Der heutige Waldorflehrplan setzt sich genau aus diesen Zuordnungen Steiners zusammen – wenn er auch nur in skizzenhaften Anrgeungen bestehen soll. (vgl. zu einer weiteren Dimension Vollgas mit Handbremse 1) An der Überwindung von Stundenplänen und Rahmenfächern war auch schon Steiner selbst gescheitert:

“Der Konvention seiner Zeit folgend, hat Steiner seine didaktischen Hinweise entlang der klassischen Aufteilung der Unterrichtsstoffe in Fächern gegeben.” (Rüdiger Iwan: Die neue Waldorfschule, Rowohlt 2007, S. 73)

Nie wirklich umgesetzt…

Die Aufhebung der Fächergrenzen auf ein Thema hin ist auch seitdem an sehr wenigen Waldorfschulen bisher auch nur partiell umgesetzt worden. Auch in den Gründerjahren nicht.

“…Generationen von Waldorfschülern haben Lehrer erlitten, die die gut eineinhalb Stunden ausnutzten, um zu dozieren. Und nach dem Hauptunterricht wird ja doch wieder im Dreiviertelstundentakt unterrichtet. Die Kernfrage ist so aktuell wie zu Steiners Zeiten: Wie kann ich anregen, dass die Aktivität vom Schüler ausgeht?” (Schüler sind keine leeren Säcke, die man füllt”)

Nicht erst der bereits oben und gerade wieder zitierte Waldorfpädagoge Rüdiger Iwan versucht in seinem Buch “Die neue Waldorfschule”, dieses Prinzip gänzlich neu zu interpretieren. Dabei übersieht er leider komplett, dass Steiner die Idee der “Epoche” mit seiner typisierten Entwicklungslehre verschmolz. Nichtsdestominder sind die Grundansätze, die Iwan liefert, überaus begrüßenswert, weil die Epochenidee radikal individualisiert wird. Da heißt es…

“…dass in jedem heranwachsenden Menschen zu verschiedenen Zeiten ein jeweils individuelles Thema darauf wartet, erwachen und sich ausleben zu dürfen. (…) Die Kunst (…) im Heranwachsenden das innere Thema im Heranwachsenden zu erkennen und zuzulassen.” (S. 64)

Iwan diskutiert Praxisvorschläge für dies Ideen – und die finden sich keineswegs im Waldorflager, sondern einer Hauptschule in Alting. Dort hat sich die Idee eines “Projektunterrichts” durchgesetzt, in dem SchülerInnen ein bestimmtes Thema ausführlichst behandeln (Iwan nimmt als Beispiel ein Projekt zum Thema Schwäbische Alp)

Weil die Fächer Monate zuvor auf ihre Bezüge zur Projektidee abgeklopft werden, können sie sich im Projektverlauf aufeinander zubewegen. (…) Die Fächer im Jahresverlauf bewegen sich inhaltlich und methodisch aufeinander zu, die Trennwende zwischen ihnen schwinden und entfallen zuletzt. In der aktiven Phase des Projektes bilden sie einen Stundenpool, der für die Arbeit zur Verfügung steht. (…) Dann geben sich die beteiligten Lehrer (…) nur mehr die Klinke in die Hand. Ihr Wechsel muss die Schüler jetzt nicht mehr aus ihrer Konzentration reißen. Und darauf kommt es an (…) als Wertschöpfung entlang der Fächer im Brückenschlag zum Leben kann die Projektmethode dem Lernen einen Sinn geben, den es in getrennten Fächern allein im 45-Minuten-Takt fast zwangsläufig verlieren muss, und kann so die Koordination des Lernens und der Schule neu bestimmen helfen…” (S. 72 -80)

Wie leider so oft hat Waldorf im “Epochenunterricht”, wie er vorliegt, große Ideen in kleinliche Formen gegossen. Im Modell der Jahresarbeiten – 1960 in Bochum zum ersten Mal durchgeführt – , bei denen SchülerInnen wirklich über ein Jahr ein bestimmtes, selbstgewähltes Thema bearbeiten schimmert dieses Thema am ehesten durch, vielleicht auch in der an einigen Waldorfschulen mittlerweile erprobten Portfolio-Methode. Von gesellschaftlicher und sozialer Seite versucht das Projekt Captura ähnliche Motive in viel tiefergehender Dimension aufzuziehen – von pädagogischer Breitenwirkung allerdings wieder weiter entfernt.

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Freiheit, Dummheit und Schule – Rückblick auf die 14. WaldorfSV-Tagung in Berlin Und sie bewegt sich doch – Die Anthroposophie und das Judentum

22 Kommentare Add your own

  • 1. CAS  |  2. November 2009 um 2:51 vormittags

    Geehrter Ansgar Martins,

    gestatten Sie mir zu Ihrem Artikel einige Anmerkungen.
    Sie begehen leider – jedenfalls fasse ich den Satz so auf – den Fehler, den man gerne liest und hört, dass Steiner der Schulgründer der WS wäre (“…seine Schulgründung,…”) was aber nicht der Fall ist.
    Wenn man so will war es eine Auftragsarbeit von Molt und nur IHM ist es anzurechnen, dass es überhaupt zur WS kam – trotzdem wird der “Ruhm” Steiner zugerechnet. Ähnliches gilt auch für den Epochenunterricht der bei Steiner lediglich ein Plagiat ist!
    Wie bei anderen Themen auch, hat Steiner sich in “seiner” Pädagogik bei anderen (bedeutenderen Personen) bedient bzw. deren Ideen geklaut. Der Epochenunterricht wurde bereits etwa 100 Jahre vor Steiner von Herbart (einem Begründer der “Pädagogik als Wissenschaft”) “erdacht”, war also so neu nicht (es finden sich übrigens erstaunliche Parallelen in den Lebensläufen von Herbart und Steiner).
    Auch mit der Frage: “Wie kann ich anregen, dass die Aktivität vom Schüler ausgeht?” hat sich Herbart bereits beschäftigt (200 Jahre vor Iwan, der immerhin gut 25 Jahre gebraucht hat, bis ihm die Mißstände so auffällig schienen, dass er sie in Buchvorm veröffentlichte). Herbarts Idee/Antwort findet sich heute bei Montessori im: “Hilf mir es selbst zu tun”.
    Gesteht man eine individuelle Entwicklung und ein individuelles Lerntempo auf Schülerseite zu, dann taugt auch der Epocheunterricht nicht, denn dann kann es nur eine individuelle Stoffaneignung geben und die müsste allein oder in Kleinstgruppen erfolgen. Schließlich wird auch im Epochenunterricht
    das Themengebiet vorgegeben ob der Schüler das jetzt gerade behandeln will oder nicht.
    Eine andere Möglichkeit wäre den Schülern zu ermöglichen sich ihre Unterrichtsinhalte aus einer Art Kursprogramm auszuwählen, so dass altersgemischte Interessengruppen für ein jeweiliges Fach entstehen. Letztlich lässt sich ein gänzlich individueller Unterricht aber nicht mit vertretbarem Aufwand erreichen.
    Vernetzter oder Fächerübergreifender also themenbezogener Unterricht findet sich u.A. an der Bodenseeschule, die nach dem Marchtaler Plan unterrichtet oder bei Jenaplan (Petersen).
    Um zu sehen, was möglich ist, empfehle ich den Film Treibhäuser der Zukunft von R. Kahl.

    Was Epochenhefte angeht, kann man geteilter Meinung sein. Ich halte sie nicht für sonderlich brauchbar, man schaut selten nochmal hinein. Es geht außerdem zum einen viel Zeit mit der Anfertigung verloren und es erfolgt zum anderen keine Durchsicht der “Fakten”. Es verwundert daher nicht, wenn gleich mehrere Fehler in Ihrem Heft auf der Doppelseite 3 zu finden sind. Soweit ich weiß war erst der Sauerstoff und dann das Ozon vorhanden; Pilze betreiben m.W. keine Photosynthese (das ist schon ein ziemlicher Schnitzer) und die Zeitlinie ist auch etwas ungenau (Bakterien gab es bereits 500Mio Jahre früher). Von daher könnte man die Kritik der Autoren Jakob/Drewes durchaus gelten lassen.
    Man kann Schulbücher für unindividuell und stupide halten aber sie haben durchaus Vorteile, in Vergleich zu den Epochenheften – oft z.B. einen höheren Informationsgehalt und genauere Fakten.
    Meine Epochenhefte habe ich jedenfalls größtenteils weggeschmissen der Inhalt war teilweise absolut unerträglich.

    Wie so oft fehlt es bei Epoche und Epochenheft (und nicht nur da) an der Evaluation der Methoden. Halten die Methoden wirklich was man ihnen von WS-Seite nachsagt oder muss man sich davon verabschieden – zumindest kritisch hinterfragen, verbessern? Es mag ja sein, dass man sich in einer Epoche besonders intensiv mit einem Thema auseinandersetzen kann nur habe ich das in der Praxis nicht erlebt. Dozierend stand der Lehrer vor der Klasse, Eigeninitiative war nicht gefragt – wurde auch nicht gefördert.
    Wenn man die Absolventenstudie von Barz/Randoll heranzieht, derzufolge nahezu die Hälfte der WSchüler Nachhilfe benötigt, dann MUSS man die Methoden doch empirisch überprüfen und sich die Frage gefallen lassen ob hier nicht Versagen auf WS-Seite vorliegt.
    Ebenfalls gehört evaluiert, ob Kreativität an der WS tatsächlich besser gefördert wird als an öffentlichen Schulen oder ob das nur angeblich der Fall ist.
    WS behaupten viel aber belegt wird auch nach 90 Jahren noch immer wenig.

    Nur am Rande: eine Quelle wie “Erziehungskunst” (gilt auch für Info3) kann ich nicht für voll nehmen, wenn ich darin Interviews mit Naturgeistern oder Berichte über Lichtnahrung oder Channeling lese. Es gibt Waldorfpädagogen, die glauben das wirklich – erschreckend.
    Als Wissenschaftler sollte man sich genau überlegen, wo man etwas veröffentlicht, das kann sonst der Reputation schaden – auch bei Erziehungswissenschaftlern.

    Antwort
  • 2. Ansgar  |  2. November 2009 um 9:01 nachmittags

    Hallo,

    Ich freue mich über jede Rückmeldung, gerade auch so anregende wie diese! Aber – und das wird dir Andreas bestätigen ;) – Steiner ist bei aller Achtung vor Molt derjenige, der die ganze Geschichte entscheidend prägte. Seine Vorstellungen versuchte mensch umzusetzen. Ohne Molt wäre es selbstverständlich zu nichts davon gekommen und ohne die LehrerInnen der Gründungseneration auch nicht, aber inhaltlich ist Steiner sehr zentral.

    Wenn man die Absolventenstudie von Barz/Randoll heranzieht, derzufolge nahezu die Hälfte der WSchüler Nachhilfe benötigt, dann MUSS man die Methoden doch empirisch überprüfen und sich die Frage gefallen lassen ob hier nicht Versagen auf WS-Seite vorliegt.

    Jup. Aber warens wirklich so viel? Krass.

    Zu den reformpädagogischen Mitteln: Wer immer da zuerst auf was kam, ich halte Epochen für ein kleineres Übel gegenüber vielen anderen Unterrichtsmethoden. Auch die Hefte finde ich sinnvoll.

    Dozierend stand der Lehrer vor der Klasse, Eigeninitiative war nicht gefragt – wurde auch nicht gefördert.

    Da hatte ich auch ein paar Fälle, aber auch viel Gegenteiliges. Wann bist du zur Waldorfschule gegangen?

    Wie so oft fehlt es bei Epoche und Epochenheft (und nicht nur da) an der Evaluation der Methoden. Halten die Methoden wirklich was man ihnen von WS-Seite nachsagt oder muss man sich davon verabschieden – zumindest kritisch hinterfragen, verbessern?

    Tausend Küsse und Pralinen für diese Antwort =)

    Es verwundert daher nicht, wenn gleich mehrere Fehler in Ihrem Heft auf der Doppelseite 3 zu finden sind…

    Wie lustig.^^ Wobei ich das heute meinen Notizen aus dieser Stunde anlasten würde, ich hab sie vor dem Fotografieren der Heftseite mal überflogen und kann schlicht nichts mehr lesen, zusätzlich zu Pfeilen, Kritzeleien und Randnotizen. Ästhetisches Schriftbild fördert Waldorf offenbar nicht so…

    Eine andere Möglichkeit wäre den Schülern zu ermöglichen sich ihre Unterrichtsinhalte aus einer Art Kursprogramm auszuwählen, so dass altersgemischte Interessengruppen für ein jeweiliges Fach entstehen. Letztlich lässt sich ein gänzlich individueller Unterricht aber nicht mit vertretbarem Aufwand erreichen.

    Jap. Meine Gesellschaftsutopie würde sich über eine Auflösung der Schule als solcher freuen. Stattdessen eine Art “Haus der Lernens”, zu dem jedeR jeden Alters hingehen kann und einerseits anbiten, andererseits hören was er/sie will. Jaja…

    Oberste Priorität bis dahin muss m.E. nach eine streng basisdemokratische (SchülerInnen einbeziehende!) Organsiation von Schule, deren Verwaltung und Unterricht sein! Wo ja gerade Waldorf alles andere als Vorreiter wäre…

    Um zu sehen, was möglich ist, empfehle ich den Film Treibhäuser der Zukunft von R. Kahl.

    Der ist schön, ja. =)

    Als Wissenschaftler sollte man sich genau überlegen, wo man etwas veröffentlicht, das kann sonst der Reputation schaden – auch bei Erziehungswissenschaftlern.

    Ich kann diese Haltung verstehen, sehe das aber anders. JedeR sollte nach seinem Gewissen veröffentlichen können, ohne dann vor einem mentalen Straftribunal zu stehen. Ob das ein protestantisches Blatt ist, ein islamisches oder eines über New Age. Er ist für das zu kritisieren, was er schreibt. Und wenn z.B. Ullrich in der Erziehungskunst schreibt, überträgt das doch nicht die Kritik an der Erziehungskunst auf ihn. Ich finde es vielmehr erleichternd, dass seine Meinung dort abgedruckt wird. Ebenso bin auch ich froh, dass ein Artikel von mir in info3 abgedruckt wurde (und jetz übrigens von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Religionen und “Sekten” nachgedruckt wird). Ich bin zumindest was die Anthroposophie angeht immer erleichtert, wenn kritische Stimmen gedruckt werden.

    Und generell halte ich EsoterikerInnen-Hetzjagd für genauso unrichtig wie die Verurteilung von AtheistInnen oder antijudaistische und antiislamische Stereotype.

    Antwort
  • 3. CAS  |  5. November 2009 um 1:52 vormittags

    Werter Ansgar Martins Martins,

    zur Frage, wann meine Schulzeit war, antworte ich ‘mal mit einer Umschreibung.
    R. Iwan hat etwa zur gleichen Zeit wie ich an der Schule begonnen, diese jedoch etwa 3 Jahre vor mir verlassen. In der Dekade, die den Hauptteil der 13 Jahre die ich dort war ausmachte, etablierte sich langsam eine neue Partei, wurde Helmut Schmidt gestürzt und durch einen Dilettanten abgelöst, lag der Nato Doppelbeschluss, war Nena sehr bekannt, Colt Seavers top aktuell, die Olympischen Spiele in LA Schwarzenegger noch Conan, Waldsterben so bekannt wie heute die Schweinegrippe und am Ende gab es auch im Osten des Landes Bananen.
    Auf diese Schule geht mittlerweile meine Cousine – viel geändert hat sich leider inzwischen nicht.
    Nun, da ich einen kleinen Hinweis gegeben haben dürfte es nicht sonderlich schwer fallen zu eruieren wann und wo meine WS-Zeit war.
    Zurück zum wesentlichen.
    Natürlich ist RS der prägende Faktor, auch wenn “seine” Ideen nicht (immer) das Ergebnis seiner “Geisteswissenschaft” waren und er doch einen gewissen Eklektizismus an den Tag gelegt hat also lange nicht so originell war wie gerne behauptet wird. Gleichzeitig ist m.E. genau die Fixierung auf RS eines der größten Probleme an den WS in Bezug auf die Weiterentwicklung. Irgendwo hat Iwan ‘mal geäußert (R. Kahl hat das auch schon vor Iwan ganz allgemein auf Schule bezogen geäußert – meine ich), dass die WS sich nicht darin von der Regelschule unterscheidet, den kleinen, neugierigen Forschern und Entdeckern eben den Wissensdrang auszutreiben.
    Leider sehe ich aber auf Seiten der WS keine Anstrengungen dem entgegenzuwirken und vielleicht ‘mal etwas auszuprobieren was RS völlig widerspricht (Klassengrenzen aufheben).
    Was mich bei “Treibhäuser der Zukunft” beeindruckt hat war die Bodenseeschule und wie deren Konzept – offensichtlich – funktioniert. Das selbständige Lernen, mit freier Stillarbeit, finde ich höchst interessant. Auch die gezeigten Rückzugsmöglichkeiten für Schüler in einer anderen Schule (ich meine da ging es um kreatives Schreiben – wenn ich recht erinnere) oder die Übertragung von “Lernkontrollen” auf einen jeweils verantwortlichen Schüler fand ich toll.
    Ich habe den Eindruck dass die “Reformpädagogik” längst an anderer Stelle gemacht wird.
    Im “Bunker” in der Schweiz jedenfalls scheinen die Ideen nicht gerade zu sprudeln – na ja, die haben ja auch ganz andere Probleme.
    Es gibt durchaus Alternativen zum Epochenunterricht, der mitunter ja auch sinnvoll sein kann wenn er gut gemacht wird. Warum wir z.B. einen Haufen Zeit mit Parzival oder Faust in Epochen “verschwendet” haben leuchtet mir nicht ein, da wäre weniger mehr gewesen.
    Das Problem der fehlenden Wiederholung bei Epochen muss auch erstmal gelöst werden.

    Zu den Fehlern im Epochenheft will ich noch anmerken, bei entsprechenden Begleitmaterialien wäre das vermutlich nicht passiert und das spricht dann eben schon gegen ein Epochenheft – wobei die doch eigentlich am Ende der Epoche lehrerseitig durchgesehen werden?! Da hat dann wohl die Kontrollinstanz versagt. Erfolgskontrolle scheint mir auch nötig bei “Gerade und Krumme” wenn dann am Ende doch kein schönes Schriftbild rauskommt, noch nicht ‘mal eine leserliches, dann tut Methodenprüfung wirklich Not ;-)

    Übrigens ein “Haus des Lernens” gibt es schon. Nennt sich m.W. “Volkshochschule” ;-)
    An den Hochschulen kann zwar nicht jeder “Lehrveranstaltungen” anbieten (im Sinne der Qualitätssicherung ist das auch nicht die schlechteste Lösung) aber dort kann i.d.R. jeder an den Vorlesungen Teilnehmen – immerhin.

    WS und Basisdemokratie bezüglich Schülerbeteiligung? Ja wozu das denn? Wenn die Pädagogik vom Kinde ausgeht, ist das doch völlig unnötig! ;-)
    In der Tat wäre mehr Schülerbeteiligung bei den verschiedensten Entscheidungen bitter nötig. Da hat sich wohl die letzten 20 Jahre auch nicht viel getan – tja, aber immer von Erziehung zur Freiheit faseln.

    Zu meiner Aussage betreffend Reputation und “Erziehungskunst” muss ich noch präzisieren, was ich meine bzw. wo meine Bedenken liegen.
    Es ist zwar richtig, dass es nur auf den Inhalt von Beiträgen ankommen sollte aber das Niveau spielt schon auch eine Rolle und das ist für die Reputation u.U. schädlich.
    Nach meinem Empfinden ist das Niveau sowohl von “Erziehungskunst” als auch von “Info3″ sehr bedenklich und da wäre ich als Wissenschaftler vorsichtig. Insbesondere erfahren solche Zeitschriften dadurch eine Aufwertung, die dem nächsten Unsinn der darin veröffentlicht wird eine Glaubwürdigkeit verleihen können, die völlig unberechtigt ist, schließlich hat ja der Herr Professor… Darin sehe ich ein Problem.
    Wer für sein Seelenheil den Sinn des Lebens oder für ein Gefühl der Erhabenheit oder was auch immer Esoterik, Religion oder sonstwas benötigt – weil das wirkliche Leben nicht spannend genug ist oder die faszinierenden Rätsel und Phänomene welche die Natur für uns als bisher ungelöst bereit hält zu profan sind – dem sei es herzlich gegönnt. “Mensch” muss das aber nicht fördern und dem Irrationalismus und der Wissenschaftsfeindlichkeit Vorschub leisten. Die zahlreichen Herausforderungen der Zukunft werden – wenn überhaupt – nur durch Aufklärung und Wissen gelöst werden können, nicht aber durch Unsinn.
    Das hat mit Hetzjagd nichts zu tun sondern eben mit Aufklärung, kritischem Hinterfragen, Wissen und Bildung.

    Antwort
  • 4. Andreas Lichte  |  5. November 2009 um 10:57 vormittags

    Ullrich ist Opportunist, wie Barz. Die unterstützen die Zitat: “Lifestylesekte mit dem Etikett >Waldorfpädagogik<", um die eigene Karriere zu pushen.

    Quelle Zitat: http://www.ruhrbarone.de/wie-gut-sind-waldorfschulen/#comment-32014

    Nicht nur deswegen gebe ich "CAS" einmal mehr voll und ganz Recht:

    "Nur am Rande: eine Quelle wie „Erziehungskunst“ (gilt auch für Info3) kann ich nicht für voll nehmen, wenn ich darin Interviews mit Naturgeistern oder Berichte über Lichtnahrung oder Channeling lese. Es gibt Waldorfpädagogen, die glauben das wirklich – erschreckend."

    Antwort
    • 5. Ansgar  |  5. November 2009 um 9:30 nachmittags

      Lieber Andreas,

      Ullrich ist Opportunist, wie Barz.

      Nur weil dir deren Perspektive fremd ist, musst du sie nicht wieder gleich verteufeln. Ich verteufel dich ja auch nicht, obwohl ich deine für einseitig halte und mcih hast du zumindest bisher ja auch nur als naiv bezeichnet.

      Ullrich hat eben an einer FWS hospitieren dürfen, gute Eindrücke davongetragen und arbeitet jetzt mit Sachen wie der Integrativen WS Emmendingen etc. zusammen. Glaubst du, wenn er um eine angebliche Menschenfeindlcihkeit oder sonstwas der Waldorfpädagogik wüsste, würde er das trotzdem machen? (Frage ist rhetorisch, du glaubst das offenbar, aber es ist eben überdreht).

      Und ich halte euch beide für zu klug, um zu übersehen, dass es etwas ungewöhnliches ist, wenn der Jahrsiebtezyklus in der “Erziehungskunst” als “traditionalistisch-fundamentalistisch” bezeichnet wird. Und das in einer Ausgabe, die theoretisch jedes Elternhaus erhält. (was natürlich nochmal was völlig anderes als eine tatsächlcihe Umorientierung ist…)

      Lieber CAS,

      „Mensch“ muss das aber nicht fördern und dem Irrationalismus und der Wissenschaftsfeindlichkeit Vorschub leisten. Die zahlreichen Herausforderungen der Zukunft werden – wenn überhaupt – nur durch Aufklärung und Wissen gelöst werden können, nicht aber durch Unsinn.

      Aber der Mensch ist eben nicht nur Rationales, sondern auch unsinniges, irrationales, psychisches Wesen. Religiöser Irrationalismus ist nur die offensichtlichste Form. Auf den Ebenen von Politik, gesellschaftlichen Normen oder Wirtschaftskonzepten treibt sich da aber auch einiges rum…

      Wer für sein Seelenheil den Sinn des Lebens oder für ein Gefühl der Erhabenheit oder was auch immer Esoterik, Religion oder sonstwas benötigt – weil das wirkliche Leben nicht spannend genug ist oder die faszinierenden Rätsel und Phänomene welche die Natur für uns als bisher ungelöst bereit hält zu profan sind – dem sei es herzlich gegönnt.

      Diese Behauptung ist unfair. Es wäre so, wie wenn mensch jemandem seinen/ihren Musik- oder Kunstgeschmack als minderwertig bezeichnete. Außerdem muss das nicht auf Wissenschaftsfeindlichkeit hinauslaufen (wenn es das auch oft tut).

      Übrigens ein „Haus des Lernens“ gibt es schon. Nennt sich m.W. „Volkshochschule“
      An den Hochschulen kann zwar nicht jeder „Lehrveranstaltungen“ anbieten (im Sinne der Qualitätssicherung ist das auch nicht die schlechteste Lösung) aber dort kann i.d.R. jeder an den Vorlesungen Teilnehmen – immerhin.

      Das ist zwar angenehmer als so manche Schule, aber meilenweit von “meinem” “Haus des Lernens”.^^ Und dann käme da noch der ganze Bologna-Kram obendrauf…

      Zu den Fehlern im Epochenheft will ich noch anmerken, bei entsprechenden Begleitmaterialien wäre das vermutlich nicht passiert und das spricht dann eben schon gegen ein Epochenheft ?!

      Oh, die gab und gibt es. Ich glaube größtenteils Kopien aus dem dtv-Atlas zur Weltgeschichte oder so… Es waren jeden Epochentag zwei Blätter mit Quellentexten (wie sie dann auch in der Abschlussarbeit waren” bzw. Erläuterungen, Graphiken und Bilder… Könnte ich auch mal fotographieren, hielt ich jetzt aber nicht für notwendig.

      – wobei die doch eigentlich am Ende der Epoche lehrerseitig durchgesehen werden

      Wurde dieses auch. Ohne Anmerkungen an dieser Stelle…

      Es gibt durchaus Alternativen zum Epochenunterricht, der mitunter ja auch sinnvoll sein kann wenn er gut gemacht wird. Warum wir z.B. einen Haufen Zeit mit Parzival oder Faust in Epochen „verschwendet“ haben leuchtet mir nicht ein, da wäre weniger mehr gewesen.

      Das würde ich so unterschreiben. =) Dabei Faust in allen Ehren (ich finde Goethes Reime immer toll, abgesehen von der Handlung in Faust I, an der mir überhaupt nichts gefällt), aber der Parzival von Wolfram…

    • 6. Andreas Lichte  |  6. November 2009 um 7:51 vormittags

      @ CAS und Ansgar

      Die Fehler im Epochenheft passieren doch vor allem deshalb:

      http://www.ruhrbarone.de/wie-gut-sind-waldorfschulen/#comment-34241

      und

      http://www.ruhrbarone.de/wie-gut-sind-waldorfschulen/#comment-34243

  • 7. CAS  |  6. November 2009 um 2:38 vormittags

    Bester Ansgar Martins,

    “Ich glaube größtenteils Kopien aus dem dtv-Atlas zur Weltgeschichte oder so… Es waren jeden Epochentag zwei Blätter mit Quellentexten (wie sie dann auch in der Abschlussarbeit waren“ bzw. Erläuterungen, Graphiken und Bilder…”

    Auch das noch, ob das erlaubt ist? Tststs ;-)
    Naja, Kopieren spricht ja nicht gerade für das Unterrichtsbemühen des Unterrichtenden aber davon abgesehen frage ich mich, warum dtv? Die wurden schon zu meiner Zeit im “Waldorflager” gerne gebraucht. Ich finde die eher sehr mager vom Gehalt aber – Ironie – dann passt es ja gut ins Konzept ;-)
    Trotz Begleitmaterialien solche “Schnitzer” im Epochenheft? Dem “Erziehungskünstler” nicht aufgefallen? Eieieieiei….
    Egal, die Epoche ist abgeschlossen und wer schaut – außer dem kontrollierenden Lehrer – schon nochmal ins Heft rein um was nachzuschlagen?

    Apropos Faust: wenn die Seele an den ahrimanischen Luzifer abgetreten wird, wie klappt es dann mit der Reinkarnation?

    Ja, der Mensch ist irrational, mitunter völlig unberechenbar und für allen möglichen Unsinn anfällig. Das ist halt so – aber ist das auch gut so? Dort wo es keine negativen Auswirkungen hat und keiner daran Schaden nimmt und zur Belustigung usw. ist das völlig in Ordnung. Wenn jemand Esoterik, Homöopathie, Religion oder was auch immer für sein Wohlergehen benötigt, ok, akzeptiert, geht in Ordnung, soll er oder sie doch. Wenn aber völlig unkritisch irrationale Dinge behauptet werden, die anderen Schaden zufügen können, dann ist das m.E. nicht unterstützenswert und falsch. Da wären z.B. obige Jahrsiebtzyklen, die können eine adäquate Förderung bei Kindern verhindern (ich finde es nicht gerade sensationell, wenn mehrere Dekaden nachdem es als Unsinn entlarvt ist schon von WS davon abgerückt wird – falls es denn so sein sollte) oder Lichtnahrung, das kann einen umbringen.
    Heilsteine, die Krebs oder andere Krankheiten heilen (nur durchs umhängen), Medikamente in denen nichts drin ist, die aber angeblich wirken (nur halt nicht wenn es entsprechend kontrolliert wird) usw. all das kann schaden, erfährt aber eine Aufwertung wenn z.B. ein Professor in einer einschlägigen Zeitschrift, die allen möglichen Unsinn in diese Richtung propagiert und veröffentlicht einen Artikel darin schreibt.
    Das sehe ich als problematisch, denn da wäre Aufklärung angebracht.
    Mal abgesehen davon ist es ‘mal wieder bezeichnend, wie die Impulse von außen kommen und sich an der “Innenfront” nichts tut – weil halt auch nichts in Frage gestellt wird.

    Antwort
    • 8. Ansgar  |  8. November 2009 um 3:23 nachmittags

      Auch das noch, ob das erlaubt ist? Tststs
      Naja, Kopieren spricht ja nicht gerade für das Unterrichtsbemühen des Unterrichtenden aber davon abgesehen frage ich mich, warum dtv?

      Wieder zu ungenau von meiner Seite. Er hatte das Buch nicht kopiert, sondern ähnliche Graphiken und Zeichnungen und eine ähnliche Auswahl an Quellentexten wie die, auf die dort verwiesen wurde. Die Überschneidungen sind mir aufgefallen, als ich das Buch mal durchgeblättert habe. Außerdem sind die Quellenangaben auf seinen Arbeitsblättern meist relativ exakt.

      Egal, die Epoche ist abgeschlossen und wer schaut – außer dem kontrollierenden Lehrer – schon nochmal ins Heft rein um was nachzuschlagen?

      Fürs Abi sind jedenfalls nur die Themen ab Wiener Kongress, v.a. Weimarer Republik relevant.

      Ja, der Mensch ist irrational, mitunter völlig unberechenbar und für allen möglichen Unsinn anfällig. Das ist halt so – aber ist das auch gut so? Dort wo es keine negativen Auswirkungen hat und keiner daran Schaden nimmt und zur Belustigung usw. ist das völlig in Ordnung.

      Ich finde, das Irrationale hat aber auch einen sehr befreienden und befriedigenden Aspekt. Die Reduzierung des Menschen auf ein denkendes Wesen ist mit das Traurigste, was in der Philosophiegeschichte (und mit ganz eigener Note auch in Steiners Frühwerken) passiert ist.

      Mal abgesehen davon ist es ‘mal wieder bezeichnend, wie die Impulse von außen kommen und sich an der „Innenfront“ nichts tut – weil halt auch nichts in Frage gestellt wird.

      Das ist eine Fage, eine weitere, wieviele WaldorflehrerInnen das einhalten und umsetzen ( nach dem Jahrsiebtezyklus wäre es ja nicht ratsam, Unterricht ab Klasse 4 wesentlich auf Referate von Kindern aufzubauen, was aber an vielen FWSen in Stunden wie Geographie und Biologie geschieht). Das Problem ist aber in der Tat und wie so oft gesagt, dass darüber waldorfintern wenig Dialog stattfindet.

  • 9. Andreas Lichte  |  6. November 2009 um 8:14 vormittags

    @ Ansgar und CAS

    ich sagte bereits, dass ich CAS einmal mehr voll und ganz Recht gebe. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt von CAS:

    “Wie bei anderen Themen auch, hat Steiner sich in „seiner“ Pädagogik bei anderen (bedeutenderen Personen) bedient bzw. deren Ideen geklaut. Der Epochenunterricht wurde bereits etwa 100 Jahre vor Steiner von Herbart (einem Begründer der „Pädagogik als Wissenschaft“) „erdacht“, war also so neu nicht …”

    Jetzt frage ich mich natürlich, woher CAS weiss, dass Herbart kopiert wurde. Ich weiss es von Klaus Prange, “Erziehung zur Anthroposophie”

    Das, was in der Waldorfpädagogik “praktisch” ist, wurde von Steiner geklaut. Von Steiner selbst ist nur die Anthroposophie, der ideologische Überbau der Waldorfpädagogik, der Irrationalismus, der alles in der Waldorfwelt durchdringt.

    Wer setzt das “W” in Waldorfschule? Steiner, Steiner!

    “W” wie Wahnsinn.

    Antwort
    • 10. Ansgar  |  8. November 2009 um 3:03 nachmittags

      Jetzt frage ich mich natürlich, woher CAS weiss, dass Herbart kopiert wurde. Ich weiss es von Klaus Prange, „Erziehung zur Anthroposophie“

      Sehr schön auch nebst den Übernahmen anderer pädagogischer Richtungen im von dir “preisgekrönten” Büchelchen Helmut Zanders nachzulesen, sowie:

      “Wie dieser Prozeß im einzelnen ausgesehen hat, ist noch ungeklärt. Dabei müßte man den Anregungen aus seinem Umfeld, insbesondere von einigen späteren Waldorflehrern, weit stärker nachgehen, als es in dieser Arbeit geschehen ist.

      Die Mischung von Reformpädagogik, Herbartianismus, Staatsschule und goetheanischem Denken, die heute die Waldorfschulen prägt, war zwar eklektisch, aber nicht willkürlich komponiert. Das regierende Zentrum der Waldorfpädagogik bildete die das theosophische Denken, das Steiner in seine Anthroposophie
      übernommen hatte.”

      Was ja deiner Aussage mit Ausnahme der Bezeichnung “Wahnsinn” im Wesentlichen entspricht.

    • 11. Andreas Lichte  |  8. November 2009 um 3:49 nachmittags

      Lieber Ansgar,

      das sind – falsche – Allgemeinplätze, die Zander da anbietet, und die du ungeprüft annimmst. Lies Klaus Prange, “Erziehung zur Anthroposophie”, dann weisst du, dass Waldorfpädagogik KEINE Reformpädagogik ist.

    • 12. Ansgar  |  8. November 2009 um 7:30 nachmittags

      das sind – falsche – Allgemeinplätze, die Zander da anbietet, und die du ungeprüft annimmst.

      Das ersiehst du aus welchen Beispielen? Wie ist zum Beispiel die hohe Übereinstimmung an Formulierungen und Schlagwörtern zu erklären?

  • 13. Andreas Lichte  |  6. November 2009 um 8:36 vormittags

    Von: Andreas Lichte
    Datum: 6. November 2009 09:25:26 MEZ
    An: Heiner Ullrich
    Betreff: Publikation in der “Erziehungskunst”

    Hallo Heiner Ullrich,

    auf dem “Waldorf Blog” des Waldorfschülers Ansgar Martins wird gerade diskutiert, wie ein Professor der Erziehungswissenschaften in der “Erziehungskunst” publizieren kann, siehe:

    http://waldorfblog.wordpress.com/2009/10/23/epochenunterricht-zwischen-idee-wirklichkeit-und-individualisierender-neukonzeption/

    .

    O-Ton eines Kommentators:

    “Nur am Rande: eine Quelle wie „Erziehungskunst“ (gilt auch für Info3) kann ich nicht für voll nehmen, wenn ich darin Interviews mit Naturgeistern oder Berichte über Lichtnahrung oder Channeling lese. Es gibt Waldorfpädagogen, die glauben das wirklich – erschreckend.”

    .

    Ich finde eine Publikation in der “Erziehungskunst” auch rufschädigend.

    Vielleicht können Sie uns auf dem “Waldorf Blog” kurz sagen, warum Sie Ihre akademische Laufbahn gefährden.

    .

    Danke!

    Andreas Lichte

    Antwort
    • 14. Ansgar  |  8. November 2009 um 2:55 nachmittags

      Lieber Andreas,

      Ich finde eine Publikation in der „Erziehungskunst“ auch rufschädigend.

      Vielleicht können Sie uns auf dem „Waldorf Blog“ kurz sagen, warum Sie Ihre akademische Laufbahn gefährden.

      Das wird jetzt allmählich lächerlich. Es ist nicht nur Herr Ullrichs ganz eigene Sache, noch wird es jmd schädigen, wenn nicht noch ein paar dutzend Leute diesen Faden weiterspinnen in Richtung “Heiner Ullrich ist in einer Sekte”.

      Und ganz abgesehen davon verbasolutierst du vom einen zum anderen Satz deine Meinung zum feststehenden Faktum.

    • 15. Andreas Lichte  |  8. November 2009 um 3:46 nachmittags

      Lieber Ansgar,

      warten wir es doch einfach ab, warten wir auf eine Antwort von Herrn Professor Heiner Ullrich, “freier” Mitarbeiter von Lorenzo Ravagi, Erziehungskunst.

      Im übrigen hättest du gerne selber Herrn Ullrich anschreiben können, e-mail-Adresse findest du im internet.

  • 16. Cardinal  |  8. November 2009 um 6:59 nachmittags

    Meine Erfahrungen mit Epochenunterricht (Vater) waren auch eher mäßig. Eineinhalb Stunden Blockunterricht am Morgen sind nicht so besonders oder effektiv. Andererseits gefallen mir die Neukonzeptionen, gerade Richtung Captura.

    Antwort
  • 17. Andreas Lichte  |  8. November 2009 um 11:28 nachmittags

    Lieber Ansgar,

    du schreibst: “[Zitat Lichte] das sind – falsche – Allgemeinplätze, die Zander da anbietet, und die du ungeprüft annimmst.

    [weiter Ansgar] Das ersiehst du aus welchen Beispielen? Wie ist zum Beispiel die hohe Übereinstimmung an Formulierungen und Schlagwörtern zu erklären?

    Das verstehe ich schlichtweg nicht. Ich habe gesagt, dass Waldorfpädagogik keine Reformpädagogik ist, was Klaus Prange in “Erziehung zur Anthroposophie” darstellt. Ein Buch, das ich dir vor Äonen zur Lektüre empfohlen habe.

    Antwort
  • 18. Michael Eggert  |  18. November 2009 um 8:37 nachmittags

    Also, an bestimmte Giftzwerge glaube ich in jedem Fall- sie kommentieren ja schliesslich in diesem Blog. Zur Bemerkung “ch habe den Eindruck dass die „Reformpädagogik“ längst an anderer Stelle gemacht wird.” in den Kommentaren so viel: Sicherlich. Es gibt heraus ragende Reformmodelle, heute staatlich als Projektschulen stark gefördert. Dazu empfehle ich: Sibylle Rahm, “Einführung in die Theorie der Schulentwicklung”. Systemisch gedacht, soll die Errichtung und Förderung solcher Modellschulen einen Input ins gesamte schulische System geben- auf dass der Impuls zur selbständigen Schule sich verbreite. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn diesen Impulsen nicht der systematische Verfall von ganzen schulischen Kulturen entgegen stünde. Damit ist nicht nur der Verfall der Hauptschule – mit Ausnahmen- gemeint. Interessant bei Rahm ist auch, dass sie aufweist, dass der Impuls zur selbständigen Schule in ganz Westeuropa wirkt und vor allem deshalb politisch gewollt ist, weil damit vor allem massive Einsparungen im Schulsystem verbunden sind. Die marode Lage der staatliche Kassen ist also letztendlich der Grund dafür, Schulen zumindest vom Kopf her zu reformieren.

    Antwort
  • 19. Raphael Ohlms  |  19. November 2009 um 5:12 nachmittags

    Sehr schöner blog, !!! ich fand Sie über die Egoisten verlinkt.

    habe gerade in der Nähe von Hannover etwas gelesen, beste Grüße nach Mainz!

    Gute Rest- schulzeit, ich war mal eine ganz kurze Zeit Wahl-Wiesbadener, mit Interesse der Mitarbeit am Erfahrungsfeld Schloss Freudenberg. Nette Gegend, Ihr Lebensort.

    ade

    Raphael Ohlms

    Antwort
  • 20. Gertrud Kiefer-Volkert  |  24. November 2009 um 10:50 vormittags

    Gut finde ich es, dass Waldorfpädagogik inzwischen öffentlich diskutiert wird.
    Wundern tue ich mich immer wieder, wenn ich höre, dass sich Waldorfschüler an ihre Kindergartenzeit nicht oder nur vage erinnern können – das ist bedenklich und stützt die These, dass dort zu wenig Begriffsbildung betrieben wird, zu wenig mit Kindern über die Realität ihres Alltags (und nicht über die Zwergen- oder die Märchenwelt) gesprochen wird, diese sozusagen “nicht stattfindet” und Kinder begrifflich nicht in die Gegenwart geführt werden. Gerade für Jungen, von denen erwartet wird, dass sie ihre Rolle in der Welt draussen finden,
    wirkt der Waldorfkindergarten vermutlich oft kontraproduktiv.
    Und Mädchen werden sich wohl selten ein Vorbild an ihren Erzieherinnen nehmen, wenn sie die Klischees der Waldorfpädagogik ausfüllen.

    Antwort
  • 21. Gertrud Kiefer-Volkert  |  3. Februar 2010 um 11:28 vormittags

    Die Debatte lässt sich meiner Ansicht nach begrifflich zusammenfassen:
    Es geht um die Besetzungen (der Begriff “Besetzung” geht auf die Psychoanalyse Sigmund Freuds zurück), die durch die Waldorfpädagogik vorgenommen werden. Das komplizierte Geflecht ihrer beachtlich differenzierten und aufwändigen Methoden sowie die tiefgründigen Inhalte der Waldorfpädagogik bauen ein Weltbild auf, das in vielem nicht in die Gegenwart passt und Besetzungskonflikte auslöst . Die immer wieder als erstrebenswert angeführte und geschätzte Persönlichkeitsbildung in der Waldorfschule ist in ihren qualitativen Zügen unabhängig davon zu betrachten.

    Antwort
  • [...] wir unser – jetzt ehemaliges – Klassenzimmer ausgeräumt, dabei alte Epochenhefte (vgl. hier zum Epochenunterricht), verstaubte „Kunstwerke“, Zeichenmappen unserer 12.Klassfahrt, jede Menge Lexika und [...]

    Antwort

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Hallo allerseits,
Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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Jeder Artikel kann kommentiert werden. Da ich aber bei Internetdiskussionen zu diesem Thema schon einiges an widerlichen Unterstellungen und Beleidigungen von pro- wie antianthroposophischen Seite gelesen habe, werden die Kommentare aber vor ihrer Veröffentlichung geprüft und ich behalte mir vor, sie ggf. zu kürzen oder nicht freizuschalten. Ich will damit niemanden "zensieren", sondern versuchen, eine faire und möglichst sachliche Diskussionskultur zu schaffen.

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Da ich dieses Risiko gerade bei den bekannten Verstiegenheiten anthroposophischer Websites nicht eingehen will, distanziere ich, Ansgar Martins, mich hiermit vorsorglich von ausnahmslos allen Gestaltungen und Inhalten sämtlicher fremder Internetseiten, auch wenn von meiner Seite ein Link auf besagte Internetseite(n) gesetzt wurde.

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