Steiner und die Prügelstrafe

30. August 2009 at 7:01 pm 8 Kommentare

Neulich hatte ich endlich mal wieder ein sehr produktives Gespräch zur Waldorfpädagogik. Das streifte dabei auch die Frage, „wie das denn jetzt eigentlich“ mit „Steiner und der Prügelstrafe“ sei. In der Tat ist auch dieses Thema bisher ungenügend behandelt. Im Folgenden der Versuch einer kurzen Zusammenstellung von Ereignissen und Zitaten. 

Prügel an der Waldorfschule? 

Gewalt von LehrerInnen gegenüber ihren SchülerInnen ist erschreckenderweise kein jahrzehnte zurückliegendes Phänomen, ja, an manchen heutigen Schulen ein hochaktuelles Thema (stern.de). Auch die „heile Welt“ der musisch-künstlerischen Waldorfschulen wird gelegentlich von solchen Vorfällen erschüttert, wie 2008 der „Stern“ berichtete (a.a.O.):  

„Zum Beispiel an der Waldorfschule in Hamburg-Wandsbek, wo seit vergangenem Jahr drei Fälle von Gewalt gegen Schüler zu Strafanzeigen führten: Lehrer sollen dort Schülern ganze Haarbüschel herausgerissen haben oder Kinder so hart geohrfeigt haben, dass diese zu Boden gingen. Auch in Kempten im Allgäu standen 2006 acht Lehrer wegen ähnlicher Taten vor Gericht, drei von ihnen wurden zu Geldstrafen verurteilt.“ 

Zwar gehörte die Waldorfschule Kempten nicht zum „Bund der Freien Waldorfschulen“, aber auch Berichte über andere, ähnliche Vorfälle haben sich über die Jahre angehäuft. So berichtete der den Waldorfschulen durchaus wohlgesonnene Peter Brügge („Die Anthroposophen“, Spiegel/ Rowohlt-Verlag, Reinbek 1984, S. 94f.) berichtete in den 80ern über zwei ehemalige Waldorfschüler, einer aus München, die von LehrerInnen geschlagen worden sein sollen, eine wurde gegen einen Heizkörper geschleudert, der andere berichtete, gleich mehrere LehrerInnen ihn und Klassenkameraden geohrfeigt hätten. Jüngst sorgten diverse Berichte über eine prügelnde Heimleiterin in der KJHE „Alte Ziegelei Rädel“ für Aufsehen (vgl. etwa OpenPR, NWA), gegen die WaldorfvertreterInnen wie so oft gerichtlich vorgingen. 

Zuletzt hat Michael Grandts „Schwarzbuch Waldorf“ das Thema aufgegriffen und gründlich in den Sand gesetzt – als er etwa Äußerungen Steiners über den sagenhaften Kontinent „Lemuria“, der nach theosophischer Vorstellung vor Jahrmillionen in einer Feueratmosphäre „schwimmende“ Menschenvorfahren eine Art „Heimat“ geboten haben soll, Bedeutung für dessen Strafvorstellungen zumaß. Ähnlich stümperhaft waren Ausführungen der Antiesoteriker Claudia und Colin Goldner, die sich auf verfälschte Zitate und Quellen beriefen (die sich wiederum bis zu einer Berichterstattung des RBB über die Vorfälle in der KJHE Rädel zogen… vgl. Hardorp: „Gewalt an Waldorfschulen?“, in: „Erziehungskunst“ 1/ 2009, S.60ff. sowie „Ohrfeigen für Steiner“)

Wie so oft ( vgl. Zander als Gewährsmann, Versteinerung und Innovation) sind diese Debatten in derartigen Details festgefahren. WaldorfvertreterInnen kehren solche Vorfälle oft möglichst unter den Tisch, krallen sich an falsche Berichterstattungen mancher WaldorfkritikerInnen oder schleppen diese vor Gericht, auch, weil sich WaldorfkritikerInnen und -gegnerInnen nicht selten ebenfalls zu unsachgemäßen Polemiken und Unterstellungen diesbezüglich hinreißen. Klar ist: Der „Bund der Freien Waldorfschulen“ distanziert sich selbstverständlich immer deutlich von Körperstrafen (vgl. z.B. Prügel für einen Popanz), hat aber keine Aufarbeitung der Vorfälle vorgelegt – und keine Aufarbeitung der Position Rudolf Steiners. 

Der dozierte über Pädagogik freilich in den 20er Jahren, als „Prügel“ oft noch legitimes Erziehungsmittel galten, erst 1973 wurden in der BRD Körperstrafen zur Gänze abgeschafft. Trotzdem, so manche WaldorfvertreterInnen (etwa Hardorp, a.a.o., S.63), habe Steiner solche Strafen rundherum abgelehnt und die „Schädlichkeit von Gewaltanwendung“ stets betont. Die selektive Wahrnehmung nur heute positiv zu wertender Äußerungen Steiners kennt mensch ja leider aus anderen Zusammenhängen.

Äußerungen Steiners 

In Steiners Vorträgen zur Waldorfpädagogik finden sich über (gewaltsame) Strafen Unterrichtsmethoden folgende Aussagen, die ich hier chronologisch anordne und die ein eher ambivalentes Bild ergeben. Ein Urteil kann wohl jedeR selbst finden.

Im 3. Schulungskurs vor angehenden WaldorflehrerInnen im Spätsommer 1919 hielt Steiner Strafen allgemein nicht für sehr sinnvoll: 

Ein schematischer Schullehrer wird dahin kommen, die ganze Klasse zu bestrafen. Aber ich hoffe, Sie werden bis morgen eine etwas rationellere, das heißt wirksamere Methode herausbringen. Denn diese alte Art zu strafen, führt dazu, dass der Lehrer in eine schiefe Stellung kommt. Bei Schlagen und Nachsitzen bleibt immer etwas zurück. Es ist nicht gut, wenn etwas zurückbleibt. (GA 295, S. 48) 

Es handelt sich hier vor allem um Hervorrufen von Gefühlen, die bewirken, dass man zurückkommt von der Sache. Ein rohes Bestrafen seitens des Lehrers würde ja nur Furcht und ähnliches bewirken. Es werden da nicht die Gefühle hervorgerufen, die zur Besserung führen. Es wird schon der Lehrer möglichst gelassen bleiben und sich dann objektiv verhalten müssen. (Ebd., S. 57)

 Im Protokoll einer LehrerInnenkonferenz an der ersten Waldorfschule 25.9.1919 brach aus Steiner hervor:

Ich bin jetzt erst seit Stunden wieder da, aber ich habe schon so viel Geschwätz gehört, wer eine Ohrfeige gekriegt hat und so weiter; es geht schon ins Grenzenlose, dieses Geschwätz durch die Leute hindurch, dass es mir schrecklich war. Nicht wahr, wir brauchen uns nicht zu kümmern, wenn es durch alle möglichen unrichtigen Fugen herauskommt. Da sind wir harthäutig dagegen; aber tragen wir nur ja nicht selber dazu bei. Schweigen wir über alles das, was wir handhaben in der Schule. Halten wir uns an eine Art Schulgeheimnis. Reden wir nicht zu den Außenstehenden, außer zu den Eltern, die mit Fragen zu uns kommen, und da wiederum immer nur über die eigenen Kinder, dass nicht zu Geschwätzen Veranlassung gegeben wird. (…) Das ist ja leider besonders in Stuttgart, dass viel in anthroposophischen Kreisen geklatscht wird. (GA 300a, S. 73)

In der selben Konferenz wird die Frage gestellt: „Wie weit geht man mit der Bestrafung der Kinder?“ Steiner antwortete:

Das ist natürlich ganz individuell. Am besten wäre es ja, wenn man so wenig wie möglich zu bestrafen brauchte. Man kann es vermeiden, Strafen herbeizuführen. Aber unter Umständen kann es auch einmal notwendig sein, dass man sogar ein bisschen prügelt. Aber man soll doch das Ideal befolgen, es zu vermeiden. Eigentlich sollte man die Ansicht haben, dass man die Dinge selber als Lehrer herbeiführt, dass weniger die Zöglinge sie herbeiführen als der Lehrer. Trotzdem gebe ich Ihnen zu, dass Rangen da sind, aber die Rangenhaftigkeit wird durch Strafe nicht besser. Das kann nur dadurch besser werden, dass man allmählich einen anderen Ton in die Klasse hineinkriegt. Dann werden die Rangen nach und nach auch wirklich verwandelt, wenn der Ton in der Klasse ein guter wird. Jedenfalls versuchen Sie, in der Bestrafung nicht zu weit zu gehen. (GA 300a, S. 83f.) 

In einer LehrerInnenkonferenz 8.3.1920 schlug Steiner aus unerfindlichen Gründen folgende Strafe für Kleptomanie vor: 

 

Bei Kleptomanie wirkt es auch gut, wenn das Kind zum Beispiel während einer Viertelstunde sitzen und die eigenen Füße, die Zehen mit der Hand halten muss, als Strafe. Das ist auch vom Gesichtspunkt der Willensstärkung ein Mittel gegen Kleptomanie. Es gibt nun aber auch Kinder, die sich schlecht erinnern können, die am folgenden Tage nicht mehr wissen, was sie am Tage vorher getrieben haben. Da muss man das Erinnerungsvermögen, das Gedächtnis stärken durch rückwärts vorstellen lassen. (GA 300a, S. 124)

Im selben Jahr, am 23.6. hatte Steiner sich auch ein Strafmittel für Zuspätkommen ausgedacht – allerdings gleichfalls für LehrerInnen wie für SchülerInnen. In einer Diskussion hielt das Protokoll fest: 

Ich glaube, man kann mit solchen Dingen, wenn irgend die Strafe mit dem Verbrechen zusammenhängt, gut wirken, wenn man sie stehen lässt an irgendeiner besonders unbequemen Stelle. Die Großen werden sich dann hüten, dass sie zu spät kommen. Man könnte eine Anzahl von kleinen Stockerln kaufen, dann werden sie auch nicht zu sechst zu spät kommen. Unter Umständen bekommen sie einen kleinen Krampf in den Beinen. Die Stockerln, die kann man auch im Handfertigkeitsunterricht machen. 

EinE LehrerIn fragt: Was soll geschehen, wenn Lehrer zu spät kommen? 

Steiner: Dann wird man die Schüler veranlassen, dass sie die Lehrer auf die Stockerln stellen. – Wichtig ist es auch, dass man in solchen Dingen differenziert. Ich würde es im Winter weniger streng ahnden als im Sommer. Im Augenblick, wo die Kinder merken, dass in den disziplinären Maßregeln Vernunft ist, sehen sie es ein. (GA 300a, S. 159)

Haarsträubend abstrus wirkt ein Dialog aus einer Konferenz vom 15.3.1922:

Die Sprachlehrerin sagt etwas von Ohrfeigen. 

Dr. Steiner: Wenn Sie schon Ohrfeigen geben, so müssen Sie es so machen wie Dr. Schubert.

Schubert: Hat sich jemand beklagt? 

Dr. Steiner: Nein. Sie geben doch immer Ohrfeigen.

Schubert: Wann habe ich denn das getan? 

Dr. Steiner: Ich meine astrale Ohrfeigen. Man gibt physische und astrale Ohrfeigen. Es ist eigentlich gleich, welche man gibt. Aber Ohrfeigen darf man nicht sentimental geben. 

Die Klasse ist ein Spiegelbild unserer Gedanken. Sie müssen selbst bestimmter in Ihren Gedanken werden. Wenn ich in Ihrer Klasse darinnen wäre, würde ich es genau so machen. Ich würde ganz entschieden unartig sein. Ich kenne mich nicht aus. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Man muss bestimmter denken. (GA 300b, S. 73) 

Am 6.2.1923 verurteilte Steiner die Prügelstrafe, als ihm ein gewisses Gerücht an die Ohren kam, und zwar…

Es gäbe auch in der Waldorfschule Lehrer, welche hauen, Ohrfeigen geben und dergleichen. Ich würde das gern im Privatgespräch behandeln. Es kommt vor, dass gesagt wird, Waldorflehrer hauen. Nun haben wir oftmals über diese Haufrage gesprochen. Es ist so, dass man durch das Prügeln nicht die Disziplin hebt, sondern sie verschlechtert. Das ist etwas, was man berücksichtigen muss. Nun ist die Frage, vielleicht wird niemand darüber Auskunft geben können, ist das eine bloße Legende, wie sich überhaupt verleumderische Legenden verbreiten? Oder ist etwas daran, dass in der Waldorfschule Ohrfeigen vorkommen? Denn man verdirbt dadurch doch in der Schule sehr viel. Es müsste das Ideal sein, auszukommen ohne das. Es wird auch bessere Disziplin sein, wenn man auskommt ohne das. (GA 300b, S. 272) 

1923 hielt Steiner auch Vorträge über Pädagogik in Oxford, im sechsten Vortrag hieß es u.a.

Unser humanes Zeitalter hat, mit Recht selbstverständlich, ein sehr gebräuchliches Erziehungsmittel der früheren Zeiten abgeschafft: das Prügeln, das Schlagen. Aber unsere Zeit – es soll mir niemand den Vorwurf machen, daß ich etwa für die Prügelstrafe in diesem Vor- trage eintrete -, unsere Zeit hat gerade deshalb das große Talent gehabt, die Prügelstrafe im Unterrichtswesen zu entfernen, weil ja dieses Zeitalter auf Äußerlichkeiten gut eingestellt ist, weil dieses Zeitalter die Schädlichkeiten der Schläge für den physischen Organismus und die moralischen Konsequenzen, die aus dieser Schädigung des physischen Organismus beim Prügeln hervorgehen, ganz gut einsehen kann.
Aber in der Kindererziehung ist gerade in diesem Zeitalter, das so sehr orientiert ist auf das Physische, Sinnliche und wenig orientiert ist auf das Geistige und Seelische, eine furchtbare Prügelei eingezogen, eine Prügelei, von der man sich allerdings keine Vorstellung macht, weil man heute eben allzuwenig auf den Geist hin orientiert ist. (GA 307, S. 113)

Einen Tag später sah Steiner sich genötigt, das nochmal aufzugreifen, weil es offenbar doch einige BefürworterInnen der Prügelstrafe im Publikum gab:

Ich bitte um Verzeihung, daß ich gestern in einer, wie ich gehört habe, nicht ganz vollrichtigen Weise über die Prügelstrafe gesprochen habe, indem meine Worte, wie es scheint, so aufgefaßt worden waren, als ob ich meinte, daß überall die Prügelstrafe schon abgeschafft worden wäre. Ich sagte nur, die Humanität, die humanitären Beziehungen in der Zivilisation wollen die Prügelstrafe abschaffen. Es ist mir nämlich mitgeteilt worden, daß in England die Prügelstrafe noch voll in Blüte sei, und ich mit meinen Worten nicht ganz das Richtige getroffen habe. Aber die Sache ist so, daß, wenn wir richtig erziehen wollen, wir durchaus nicht zwangsmäßig die Autorität heranbilden sollen, namentlich nicht durch Strafen, sondern auf eine selbstverständliche Weise durch dasjenige, was wir sind. Und wir sind mit Geist, Seele, Körper der richtige Lehrer, wenn wir richtige Menschenbeobachtung aus Menschenkenntnis heraus entwickeln können. (GA 307, S. 34f.)

In einer weiteren LehrerInnenkonferenz am 8.3.1923 fragt Lehrer „X“ Steiner nach der richtigen Behandlung eines als „ängstlich und verprügelt“ wirkenden Kindes. Steiner riet sehr knapp: 

Sie geduldig behandeln. (GA 300b, S. 306)

1924 rechtfertigte Steiner Prügel von den Eltern als „karmisches“ Phänomen: 

Wenn Sie jetzt einem Menschen, einem jungen Menschen hier auf der Erde sagen, er habe sich seinen Vater gewählt, so könnte er ja unter Umständen immerhin einwenden: Wie aber, einen Vater, der mich so geprügelt hat, den soll ich mir gewählt haben? – Er hat sich ihn wirklich gewählt, weil er einen anderen Gesichtspunkt hatte, bevor er zur Ende heruntergestiegen ist. Da hatte er nämlich den Gesichtspunkt, daß die Prügel ihm sehr gut tun werden. Es ist das tatsächlich gar keine lächerliche Sache, es ist absolut tiefernst gemeint. Und so wählt sich der Mensch auch seine Eltern nach der Gestalt. Er hat das Bild für sich selbst vor sich, seinen Eltern ähnlich zu werden. (GA 235, S. 89)

Zwei Monate später versuchte Steiner Arbeitern beim Goetheanumbau mit einem Bild über den „Astralleib“ Prügelstrafen als schädlich darzustellen:

Denken Sie, Sie erziehen einen Men­schen dadurch, daß er, sagen wir, fortwährend geprügelt wird. Es ist nämlich merkwürdig, wie verbreitet noch dieses Prügelerziehen ist. (…) Sie können ganz genau einen verprügelten Hund von einem liebevoll aufgezogenen Hund unterscheiden. So ist es aber auch beim Menschen. Beim Menschen ist es auch so, daß wenn er als Kind verprügelt wird – das spätere Leben mag ihn ein bißchen coura­gierter machen, aber sein astralischer Leib bleibt verprügelt das ganze Leben hindurch, weil der noch auf der tierischen Stufe steht. Ja, sehen Sie, da werden Sie aber gewahr, wie in diesen astralischen Leib nicht nur die physischen Prügel hineingehen. Die physischen Prügel erzeugen höchstens Striemen. Der physische Eindruck ist es nicht, der den astralischen Leib verprügelt macht, sondern der moralische Eindruck. In diesem astralischen Leib tragen wir unseren moralischen Eindruck vom ganzen Erdenleben mit. Und es ist schon so: Der eine ist verprügelt worden in der Kindheit; er hat später einen astralischen Leib wie ein verprügelter Hund. Der andere hat seinen Erzieher verprügelt – es gibt ja auch solche -, der hat einen astralischen Leib wie ein Löwe. Man schaut innerlich so aus -, man könnte auch sagen, seelisch, sagen wir astralisch, weil seelisch schon ein ganz abstraktes Wort geworden ist und die Leute sich nichts mehr dabei denken -, man wird innerlich astralisch so, daß man die eine oder die andere Gestalt bekommt, je nachdem man moralische Eindrücke im Leben gehabt hat. (GA 349, S. 167)

Mein persönliches Fazit

 Wie so oft war Steiner zu verschiedenen Zeitpunkten widersprüchlich. Er stand Strafen generell und der Prügelstrafe im Besonderen kritisch gegenüber, hat letztere bisweilen deutlich verurteilt, manchmal aber auch hingenommen, gebilligt oder über die historische Distanz unerträgliche Strafen vorgeschlagen. Diese historische Distanz darf aber bei allem nicht vergessen werden! Sowohl bei WaldorfkritikerInnen, wenn Sie versuchen, die Relevanz solcher Äußerungen für Waldorfschulen heute zu bemessen, als auch -BefürworterInnen, die diese Schnitzer oder hahnebüchenen Ausführungen Steiners zugeben und sich davon lossagen sollten, statt nur wie so oft die KritikerInnen anzugreifen.

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Von „nicht vergehender“ Vergangenheit Der Zug ist (noch!!!) nicht abgefahren

8 Kommentare Add your own

  • 1. zooey  |  30. August 2009 um 9:26 pm

    I’ll comment in English, hope you excuse me (II’m too lazy, even though I know I need to practice my German).

    I have the feeling that the real problem is, not necessarily so much what Steiner said, but that 1) waldorf folks don’t distance themselves enough from certain Steiner passages or „indications“, and 2) this provides a justification for those teachers who should not be teachers at all.

    I mean, waldorf teachers read Steiner more reverently than ordinary teachers read their source material (and usually teachers don’t read stuff that is 100 years old like that at all–if they read it at all, they do so critically). Then they take to heart what they wish–and we, outsiders/parents/children, can’t guess which aspects.

    Personally, when I was in waldorf, I encountered a number of teachers and other staff members who had anger issues. People who probably shouldn’t have been teachers, it wasn’t for them. But they were anthroposophists, thus teaching in waldorf was a–maybe sometimes the only–career option available to them. I never saw anyone manhandle a child, even though I saw teachers and other adults behave badly. Manhandling of children has been prohibited by law since the mid 70s in Sweden, which may (partly) explain it. (They certainly did not interfere when children beat up other children… I even got the feeling that they relied on that to avoid solving a problem themselves.) *If* there had been tendencies to treat children in such a way before, they were probably sort of aware of changing requirements of the law.

    Nonetheless, I know of several instances of quite severe abuse. From sources I deem highly trustworthy.

    Myself, I was never beaten, but I was handled violently by waldorf staff (and neglected when I was badly treated by other children, but that’s another story). The physical level is one thing–the psychological another. Psychological abuse is worse–because it can go on every day, and „nobody“ sees it.

    But your blog post wasn’t about psychological abuse, rather about physical, so I’ll stop there 😉

    -z

    PS. n.b! I had a class teacher who was neither physically nor psychologically abusive. Neglectful, perhaps. Just want to say this, because I know people tend to misunderstand certain things, and I try to avoid it.

    Antwort
  • 2. Cardinal  |  31. August 2009 um 7:41 pm

    Eieiei lieber Ansgar. Du arbeitest ja gnadenlos jedes Thema ab^^ Bin mal gespannt was noch kommt. Guter Artikel, abgedrehte Zitate, nur die Frage: Stehen die wirklich in einem Zusammenhang zu den oben benannten Vorfällen? Oder waren die Lehrer einfach affektiert? – was sie sicher nicht entschuldigt!

    Antwort
  • 3. CAS  |  24. September 2009 um 10:21 pm

    Tja, glaube das ist ein Kapitel, da geht man nicht so gerne dran von WS Seite. Es scheint auch die Eltern nicht zu interessieren. An der WS auf der ich war gab es (BW, 80er Jahre) unter den Lehrern die mich unterrichtet haben 4-5 die geschlagen haben. Ich weiß nur von einer Konsequenz: unsere Englischlehrerin (bei der gabs öfter ‚mal was an die Backe) wurde an eine andere WS „versetzt“.
    Naja, wenn man bloßstellen vor der Klasse wg. z.B. Strähnchen i.d. Haaren od. T-Shirt auf links drehen, weil ET darauf abgebildet war als psychische Gewalt ansehen will, dann gab es auch das.
    Bei einem Cousin an einer etwa 30km entfernten WS gab es auch ‚mal „Haue“ und von Freunden aus Hessen weiß ich, dass dort Seife in den Mund bei „Fluchen“ angesagt war.
    Das ist ja nun schon eine ganze Weile her und ich will über die möglichen Gründe nicht spekulieren. Heute würden solche „Rädelführer“ sicher ganz schnell Konsequenzen zu spüren bekommen…
    Meine Cousine, die aktuell „meine“ ehemalige WS besucht, erzählte mir vor längerer Zeit, beim Hausaufgaben machen, dass ein Mitschüler im Mathestoff vorgearbeitet hatte und dies stolz der Klassenlehrerin mitteilte, worauf diese ihn darob vor der Klasse tadelte, das habe er zu unterlassen. Ich fühlte mich an meine Schulzeit erinnert.
    Das ist sicher nicht repräsentativ aber es sind auch nicht bloße Einzelfälle.
    Vielleicht sollten doch aktuelle Forschungsergebnisse aus der Pädagogik und Psychologie mehr und Steinersche Erklärungen weniger Gewicht bekommen?
    Für mich als Vater ist die WS – nicht nur aus diesen Gründen – keine Option (mehr).

    Antwort
  • […] solche Gegenstände in den Weg geführt werden, die ihm Widerstand entgegensetzen.“ (vgl. Steiner und die Prügelstrafe?) „Das melancholische Kind ist nicht leicht zu leiten. (…) Das Mitfühlen mit dem […]

    Antwort
  • 5. Gertrud Kiefer-Volkert  |  28. Dezember 2009 um 4:47 pm

    Als ausgestiegene Waldorflehrerin darf ich aus Erfahrung sprechen: Statt auf Konfliktlösungsstrategien für schwierige Schulsituationen wird man als Waldorflehrer vor allem auf karmische Zusammenhänge und den anthroposophischen Schulungsweg verwiesen, falls etwas „schief läuft“.
    Als typisch anthroposophische Antwort möchte ich folgenden Text zu den Grundsteinmeditationen aufzeigen: „Der Grundstein kann in das Ätherherz des Menschen gelegt werden; die innere Arbeit mit der Meditation lässt diesen Ätherkeim wachsen, und die Rhythmen bringen ihn durch die Verbindung mit dem Ätherkosmos zum Erblühen.“
    Durchaus ein schönes Bild – nur wem hilft es? Und wie lange dauert es, bis sich Lösungen einstellen? Wem nutzen fromme Phantasien? Qualifizierte pädagogische Konzepte sind da wohl wirksamer als diese anthroposophische Art des Gesundbetens.

    Antwort
  • […] 2008 recht breit diskutierten Vorfällen von körperlicher Gewalt an FWSen auseinandergesetzt hat (Steiner und die Prügelstrafe), wird sich vielleicht zunächst besorgt gefragt haben, wie der „Bund der Freien […]

    Antwort
  • […] Aussagen (vgl. „Masern werden von Waldorfschule zu Waldorfschule übertragen…“, Steiner und die Prügelstrafe) ist es erstmal eine naheliegende Option, Steiner einfach für verrückt zu halten. Oft beruht […]

    Antwort
  • […] seine Temperamentenlehre (vgl. Typen, Themen, Temperamente), „Karma und Strafe“ (vgl. Steiner und die Prügelstrafe) oder das verklemmte Verhältnis zur Sexualität (vgl. den Anhang zum Artikel Missbrauch und […]

    Antwort

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