„Erbitterte Schuldzuweisungen“: Die soziale Unterseite des Rassismus-Problems

11. Juni 2016 at 3:23 am 16 Kommentare

„Erfreue dich dessen, was dir gewährt ist; entbehre gern, was dir nicht beschert ist! Dann kann Ahriman nicht an uns heran … das gibt die rechte Stimmung für den Esoteriker.“
– Rudolf Steiner, GA 266c, 177

Im letzten Artikel ging es um jüngere anthroposophische Sympathien für AfD und Co und die Kohärenz, mit der sich solche Positionen von den rassistischen und nationalistischen Phantasien Rudolf Steiners herleiten. Wie üblich gab es einige Reaktionen und selbstverständlich kreisten sie beinahe ausschließlich um meine Person, meine Motivation und die Gemeinheit, mich über diesen Zusammenhang auch nur zu äußern. Obwohl es inzwischen wirklich langweilig klingt, die uralte Gewissheit mitzuteilen: Bis heute wird die Verbindung von Anthroposophie und menschenfeindlichen Vorstellungen am liebsten denen zum Vorwurf gemacht, die sie aussprechen. Wie könne man nur sowas sagen? Das ist nicht verwunderlich (sofern die Anthroposophie als ultimative und unüberbietbar gute Position gesetzt ist), weist aber einmal mehr darauf hin, dass die eigentlichen Abstrusitäten dieses Milieus im Sozialen stattfinden. Rassismus, Nationalismus und Verschwörungswahn hin oder her. (vgl. Dass er Individualität und Freiheit fördert) Das letzte Urteil über die Steiner-Bewegung, ihren Erfolg und ihr Identifikationspotenzial wird sozialpsychologisch zu fällen sein, dieses wird die politischen Feindbilder der Anthroposophie jedoch einbeziehen müssen.

„Kritik ist ein schwieriges Feld im Waldorfbereich. Sie muss konstruktiv sein, Kritik um der Erkenntnis willen, um Missstände zu markieren, das gilt als wenig hilfreich, da es nicht unmittelbar Anleitungen für eine andere Praxis gibt. Wer also kritisiert, setzt sich dem Verdacht aus, nicht der gemeinsamen Sache dienen zu wollen und ungeheuer schnell greift die Unterscheidung in innen und außen, Freund und Feind, für uns und dagegen.“ (Valentin Hacken)

Die narzisstische Kränkung durch die Diagnose rechter Potenziale führt dementsprechend bloß dazu, die Diagnose abzuspalten und bequem mit dem Etikett „dagegen“ zu versehen. Diese Einordnung jeder beliebigen Aussage nach einem feindsematischen Schema hat ihr Gegenstück in der anthroposophischen Ideenpolitik: Geisteswissenschaft vs Materialismus, Erzengel Michael vs Ahriman, Mitteleuropa vs Angloamerika. Die „gemeinsame Sache“ ist der Volksorganismus, ihr Manichäismus die Urgeste des Antisemitismus (wobei Steiner eben nicht die Juden, sondern die englischsprachige Welt als das ganz Andere der eigenen Herrschaftsphantasien konzipierte, welche er bloß im imaginierten Feindbild zum Ausdruck brachte). Genau diesem bipolaren Reflex- und Reaktionsschema verdankt sich auch die Subsumierung von Anthroposophieforschern wie Christian Clement und Helmut Zander unter konspirationsideologische Geschichtspunkte. (vgl. Willy, Thomas und der Wolf im Schafspelz) Solche Schuldabwehr, die immer bloß 0 oder 1, immer bloß Angriffe oder aber konstruktive Beiträge zur eigenen Sippschaft zu registrieren in der Lage ist, ist zumindest so weit funktional, dass man sich die Fähigkeit zur politischen Reflexion abschneidet und eben beispielsweise bequem über diesen blöden Blog diskutiert statt über neurechte Anthroposophen und das Fortleben allzu alt-rechter Anthroposophie in der Gegenwart.

Im Sozialleben der anthroposophischen Institutionen sind natürlich komplexere Verdrängungs- und Projektionsmechanismen nötig, um mit den realen Problemen umzugehen, an Waldorfschulen zum Beispiel: Einerseits arbeiten fast alle professionellen Akteure aufgrund der Prämisse, dass man es mit der besten aller möglichen Schulen zu tun und sich im Zweifelsfall nicht genug in „die Menschenkunde“ Steiners vertieft habe, was die nüchterne Feststellung der tatsächlichen Lage erschwert. Der Schulspsychologe und Waldorf-Vater Gerhard Vilmar berichtete von einem Szenario, dass beinahe jeder Waldorf-Insider kennt, wie „sich Lehrer und Eltern … erbitterte Auseinandersetzungen mit wechselseitigen Schuldzuschreibungen“ liefern. Heiner Ullrichs jüngste Waldorf-Einführung erklärt die vorprogrammierten Konflikte als solche zwischen hochgradig „bildungsorientierten“ Eltern und dem gänzlich anders ausgerichteten anthroposophischen Habitus der Lehrkräfte. Hinzukommen dürften allerdings die üblichen Lagerbildungen, Machtkämpfe und ein gewisser Hang zur Selbstausbeutung mit den entsprechenden nervlichen Folgen, der für die ältere Waldorflehrergeneration geradezu sprichwörtlich ist.

Passend dazu hatte ich am 9. Juni 2016 das Vergnügen, in Minden einen Kurzvortrag zu Rudolf Steiners Rassenlehre zu halten. An der Mindener Waldorfschule wurde im letzten Jahr ein rechter Waldorflehrer vor die Tür gesetzt – aber erst, als der Waldorf-Dachverband („Bund der Freien Waldorfschulen“) drohte, die Schule andernfalls auszuschließen. Seine Kinder besuchen, wie mir erzählt wurde, die Schule wohl noch immer, was kein Argument für Sippenhaft sein soll, sondern anschaulich machen, wie akut die Konflikte und Konfliktlinien vor Ort weiterbestehen. Seit einem Jahr ist die Schule mit einer örtlichen Beratung gegen Rechtsextremismus im Gespräch, welche die gestrige Veranstaltung organisiert hatte. Nach zwei Vortrags-„Inputs“ standen zwei Vertreter der einschlägigen Waldorf-Landesarbeitsgemeinschaft vor einem schäumenden Saal von farbenfroh gekleideten Waldorfeltern Rede und Antwort und waren um Antworten teilweise durchaus verlegen.

Im Vergleich zu früheren Veranstaltungen konnte ich einmal mehr feststellen (vgl. Die Scheidung der Geister), dass sich die Rhetorik einiger (eben zumindest der anwesenden) Anthroposophen und Waldorf-Vertreter verschoben und transformiert hat. Früher hätte man nach dem ausführlichen Vorlesen auch noch der widerlichsten Steiner-Stelle diskutieren müssen, ob das nicht „aus dem Kontext gerissen“ sei oder sich diversen der erwähnten Feindbestimmungen ausgesetzt gesehen. Die in Minden kommunizierte Haltung war defensiv, man gestand, hier müsse „noch gearbeitet“ werden, ja man sei natürlich schon längst am arbeiten, verwies etwa auf die „Stuttgarter Erklärung“ und die „Reichsbürger“-Broschüre, interne Arbeitsgruppen seien gebildet worden, usw. Dieser status quo sagt zwar noch gar nichts, wie zahlreiche der Anwesenden mit Recht monierten, die sich konkretere Aussagen und Schritte wünschten. Diskutiert wurde sehr kontrovers, durch welche Strukturen man sich wenigstens rechte Lehrer vom Leib halten könne, ob Gesinnungstests für Lehrer überhaupt geboten oder nicht selbst Ausweis jenes Konformismus seien, den die Völkischen sich ja am sehnlichsten wünschen.

Doch überlagert wurde der Abend vom Schulklima: Eine ehemalige Schülerin meldete sich und erzählte mit scharfer Stimme, sie habe vorab auf den Hintergrund des Neonazi-Lehrers aufmerksam gemacht. Doch das Vertrauen der Kollegen war offenbar stärker. Eine Mutter meldete sich an anderer Stelle – laut eigener Aussage „mit geschwollenem Kamm“ – und erzählte, das sei doch alles Teil größerer Probleme: Eine Lehrkraft habe ihr als Alleinerziehender die Fähigkeit abgesprochen, ein Kind wirklich vollwertig erziehen zu können. Eine weit nicht auf einen rechten Lehrer reduzierbare Unzufriedenheit brach sich Bahn, und wieder die wechselseitigen Schuldzuweiseungen. Im Nachgang erzählte mir ein Elternpaar, das jüngste Kind hätten sie eben auf ein Gymnasium statt bei der Waldorfschule angemeldet. Hier wird deutlich, dass die Form der waldorfinternen Diskussionen das größte Problem darstellt, größer jedenfalls als der philologische Befund zu Steiners Rassebegriff. Die Formen der anthroposophischen Gemeinschaftsbildung und ihre Tücken werden dadurch jedoch nicht politisch progressiver. Ein Diskutant aus dem Publikum sprach gar von sich aus an, dass die ideologischen Probleme sich nicht auf Steiners Rassenlehren beschränken lassen: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, die Rhetorik des „ganzen Menschen“ und das organizistisch-romantische Denken sind starke und bislang recht zuverlässige Verbindungen von Anthroposophie und völkischen Sehnsüchten. Das alles sind Fragen, mit denen ein Klärungsprozess anheben müsste – die gestrige Veranstaltung jedoch war als Abschluss eines solchen Prozesses vorgesehen, wurde jedenfalls anfangs als solche vorgestellt, so dass man nicht so naiv sein sollte, anzunehmen, hier würden sich irgendwann Lösungen für die angerissenen Probleme ergeben. Wie auch – sie würden die Waldorfpädagogik sprengen: Sich kritisch mit dem ganzheitlich-organischen Ansatz zu befassen und die regressiven Implikationen zu realisieren, zu denen er (wie unfreiwillig auch immer) hintreibt, hätte die konzeptionelle Selbstzerstörung der Waldorfschulen zur Folge. Es sei denn, deren esoterische Subjektivität erlangte die Fähigkeit, die sie am meisten verabscheut: Die Widersprüche und deren Hässlichkeit auszuhalten und kritisch ins Bewusstsein zu tragen, ohne die Illusion, dass man das angestrebte heile Ganze bereits vor sich habe.

Allerdings zeigt sich, dass sich die Waldorfszene entwickelt, dass an wunden Punkten die alte apologetische Rhetorik nicht mehr funktioniert und eine der unumgänglichen Vergangenheitsbewältigung an ihre Stelle tritt. Die hat noch ganz andere Probleme, welche die deutsche Gesamtgesellschaft wiederum seit Jahrzehnten beschäftigen, aber immerhin. Waldorf-immanent betrachtet scheint ein gewisser Fortschritt stattzufinden. Konsens ist er nicht. Nachdem Henning Kullak-Ublick, Pressesprecher der Waldorfschulen, die Schulen im Juli 2015 davor warnte, rechte Demagogen einzuladen (das war akut mehrfach vorgekommen, vgl. Ein kosmisches Komplott, Hinter dem Mond hervor), erhob sich ein Sturm der Empörung – freilich nicht über rechte Demagogen, sondern Kullak-Ublick. Der berichtete kurz darauf von einem Treffen mit dem Verschwörungspabst Ken Jebsen, den er als engagiert, aber ein bisschen fanatisch erlebt haben will. Das zeigt, vor welchem Konsens sich eine Verschwörungsideologie-kritische Position im Waldorfbereich rechtfertigen muss, also: woher hier der politische Wind weht. Aber. In Minden und an einigen anderen Orten sieht das anscheinend etwas anders aus. Wer kein Zyniker ist, muss den aufschreienden Stimmen in dieser Bewegung Glück wünschen. Vorläufig lässt sich an der anthroposophischen Vergangenheitsbewältigung aber höchstens eines lernen: dass, wer sich den Problemen der Geschichte am weitesten enthoben glaut, umso unbewusster zu ihrem Vollstrecker macht.

Nachtrag: Einen weiteren Bericht zur Veranstaltung in Minden schrieb Michael Mentzel („Themen der Zeit“), und zwar mit einer nach meiner Erfahrung ganz ungewöhnlichen Sachlichkeit. Dort gibt er ausführlich die Positionen der beiden Waldorfvertreter wieder und geht auch auf den Vortrag von Karl Banghard („Freilichtmuseum Oerlinghausen“) ein, der am selben Abend sehr anschauliches Material zum „Germanen“-Kult von Nazis und Neonazis präsentierte. Mentzels Bericht gibt allerdings dem Publikum und der eigentlichen Diskussion wenig Raum, während er sich u.a. ausführlich zu meinem Vortrag ausbreitet. Das Vortragsthema, zu dem ich von den Organisatoren eingeladen worden war – Steiners Rassenlehre–, wird unter Mentzels Bearbeitung natürlich zu meiner ganz persönlichen Angelegenheit, die er deplatziert findet: „Martins wäre aber nicht Martins, wenn er nicht auch auf die Steinersche ‚Rassentheorie‘ zu sprechen käme und an dieser Stelle wird er vermutlich für die meisten Anwesenden recht kryptisch.“ Als wäre Steiner, der jeden Satz dreimal in unterschiedlichen Formulierungen wiederholt und jede Beschreibung öfter phänomenologisch umformt, unfähig, sich auszudrücken, als wäre es entsprechend unmöglich, ihn vorzulesen. Ebenso „kryptisch“ findet Mentzel aber auch, dass einer der anwesenden Waldorf-Vertreter die Wesensglieder-Lehre und die drei Körper-Systeme Steiners ansprach. Mentzel scheint also weniger die Rassentheorie als jeden klar angesprochenen Steinerschen Gedanken für kryptisch zu halten. Die Versuche des besagten Waldorfaktivisten und meiner Wenigkeit, Steiner zu paraphrasieren, belegt Mentzel mit dem Wort „salopp“. Vielleicht ist das ein weiteres Problem im oben angesprochenen Sinne: Steiner ist für viele Anthroposophen jemand, den man ausführlich und langsam im Hinterzimmer liest, mit gedämpfter Stimme bespricht, im Herzen trägt und tastend im Alltag bewährt. Er bleibt somit Arkanwissen, dessen öffentliche Diskussion gilt als heikel bzw. eben „kryptisch“ und „salopp“. Auch hier werden Anthroposophen andere Lösungen finden müssen. Steiners Zitate (so Mentzel über diejenigen, die ich in Minden vorlas) seien „schwer verständlich“, „hochproblematisch“ könnten  „Missverständnisse auslösen“. „Aus dem Kontext gerissen“ lässt grüßen. Doch selbst Mentzel verteidigt die entsprechenden Vorstellungen Steiners nicht. Selbst bei „Themen der Zeit“, wo Verschwörungsideologie boomt, will man die Rassenanthropologien offenkundig nicht mehr rechtfertigen. Das scheint mir das beste Argument dafür zu sein, Steiners Gedankengut weiter öffentlich darzustellen.

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„Hat was von Beuys“: Anthroposophie, AfD und die degenerierten Astralleiber der Asiaten Die reformpädagogischen Wurzeln der Waldorfschulen

16 Kommentare Add your own

  • 1. Bobby  |  11. Juni 2016 um 1:30 pm

    „….Wie üblich gab es einige Reaktionen und selbstverständlich kreisten sie beinahe ausschließlich um meine Person, meine Motivation und die Gemeinheit, mich über diesen Zusammenhang auch nur zu äußern….“

    Diese schlimmen Reaktionen habe ich im betreffenden Beitrag gar nicht gesehen! Haben Sie wahrscheinlich gar nicht veröffentlicht?

    „….weist aber einmal mehr darauf hin, dass die eigentlichen Abstrusitäten dieses Milieus im Sozialen stattfinden….“

    Ist in der Tat erschütternd. Bestätigt auch meine Erfahrungen im persönlichen Umkreis (Anthroposophen oder welche die sich als solche betrachten) der letzten Jahre. Da erlebt man schlimmes. Diese sind auch die Veranlassung meiner Beiträge in der letzten Zeit in diesem Forum.

    Wenn solche Verhaltensmuster weiter überhand nehmen (und so sieht es aus), dann wird die Luft eng um die Anthroposophie und die Waldorf-Bewegung.

    Aber da braucht man sich nicht wundern wenn „ganz normalen“ Anthroposophen sich heute verdeckt oder offen ausgesprochen, aber auch teilweise öffentlich zu rechtsradikale Bewegungen und Parteien bekennen. Auch das erlebe ich regelmäßig im Alltag.

    „….Allerdings zeigt sich, dass sich die Waldorfszene entwickelt, dass an wunden Punkten die alte apologetische Rhetorik nicht mehr funktioniert und eine der unumgänglichen Vergangenheitsbewältigung an ihre Stelle tritt….Waldorf-immanent betrachtet scheint ein gewisser Fortschritt stattzufinden. Konsens ist er nicht….“

    Das wundert mich nicht. Dieses würde auch nur funktionieren wenn tatsächlich einen Gesinnungswandel stattfindet. Der findet auch statt. Leider aber, bis heute, in der falschen Richtung!

    Wieso auch ein Gesinnungswandel.

    Wie ich im letzten Beitrag
    https://waldorfblog.wordpress.com/2016/06/06/hat-was-von-beuys-anthroposophie-afd-und-die-degenerierten-astralleiber-der-asiaten/#comment-5916
    schon erwähnte, ist das Ganze zusätzlich und dringend ein Gesamtgesellschaftliches Problem. Die Hinwendung zu den Rechtsradikalen Bewegungen und, damit verbunden, die extrem radikale Verrohung, Fanatismus und Verlogenheit in der sozialen Diskussion, ist an der Tagesordnung. Da braucht es nun wirklich nicht viel Aufmerksamkeit um das Tag für Tag festzustellen.

    Man lese nur einen beliebigen Artikel in einem beliebigen Nachrichten-Magazin mit den entsprechenden Leser-Kommentaren. Da wird es einem wirklich schlecht! (Wie übrigens auch in der Anthro-Presse). Dabei werden die schlimmsten Kommentare schon vorher herausgefiltert. Als stellvertretendes Beispiel aus vielen ein Spiegel-Online Kommentar von Bundesjustizminister Heiko Maas mit 243 entsprechenden Kommentaren (nach 6 Stunden wurde die Diskussion geschlossen):

    AfD: Im Geiste von Putin, Trump und Erdogan
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/heiko-maas-attackiert-afd-im-geiste-von-putin-trump-und-erdogan-a-1092187.html

    Das ist alles noch relativ harmlos im „Mainstream“-Bereich. Man muss sich aber auch hier nur vorstellen mit was für einen Shit, teilweise auch konkrete Bedrohungen, Journalisten sich auseinanderzusetzen haben.

    Schaut man sich dagegen die Extremrechten Presse an, und sie wird heute begeistert und massenhaft verfolgt (teilweise mehr als die sogenannten „Mainstream“ Medien), dann erlebt man sich wie wiedergeboren in tiefbraunen Zeiten!

    Antwort
    • 2. A.M.  |  11. Juni 2016 um 1:33 pm

      Die Reaktionen kamen hauptsächlich per Mail, aber wenn Sie Anschauungsmaterial suchen: Auch auf Holger Niederhausens Blog oder in der Yahoo-Mailinglist „Waldorf Critics“ sind die Diskussionen des Artikels genau so ausgefallen.

      Vielen Dank für diese Ausführungen, denen ich einmal mehr beinahe vollumfänglich zustimme.

  • 3. Bobby  |  11. Juni 2016 um 2:04 pm

    Ich danke für Ihre Reaktion.

    „Waldorf Critics“ lese ich sowieso und Holger Niederhausens Blog…

    …Heute ist einen schönen Samstag und das sollte auch so bleiben!

    Antwort
  • 4. Andreas Lichte  |  12. Juni 2016 um 8:34 am

    @ Ansgar Martins und alle Leser

    Michael Mentzel im O-Ton:

    „(…) Problemlos schafft er [Ansgar Martins] es an dieser Stelle, Steiner des Rassimus zu überführen, wenn er eines von Steiners Gedichten zitiert, in dem er über „der weißen Rasse Morgenrot“ spricht.

    Übrigens ein Gedicht zu einem Zyklus von Ansichtskarten eines mit Steiner befreundeten Künstlers aus Prag.

    Aus der „weißen Rasse Morgenrot und der „Seelenschwärze“, die sich durch die verstärkte Hingabe des Geistes gegenüber des Materialismus ergebe

    und weiteren Zitaten, die in der Tat nicht nur sehr schwer verständlich sind, sondern auch ohne weitere Probleme Missverständnisse auslösen können und schon deshalb hochproblematisch sind,

    konstruiert er m.E. allzu salopp bei Steiner eine Abneigung gegen farbige Menschen, denn von dort ist es sicher nicht mehr weit zu Steiners in der Tat eher seltsamen und aus heutiger Sicht absolut in Frage zu stellenden Worten über die Frauen, die durch das Lesen von „Negerromanen“ Mulattenkinder gebären könnten. (…)“

    Was ist das? Einmal mehr „alles nur ein Missverständnis“?

    Wer Steiner für einen Rassisten hält, ist selber ein?

    An dieser Stelle würde mich interessieren, was Sie bei Ihrem Vortrag – am besten im Wortlaut – gesagt haben. (Danke!)

    Ich bin fest davon überzeugt, dass die „Missverständnisse“ Mentzel-gemacht sind … wir kennen von ihm ja noch ganz andere geisteswissenschaftliche Höhenflüge:

    Michael Mentzel: Anthroposophie und Nationalsozialismus

    Antwort
    • 5. A.M.  |  13. Juni 2016 um 4:22 pm

      Ich habe frei und nur eine Viertelstunde gesprochen, hauptsächlich Zitate (von Steiner, Büchenbacher, Molau, Kullak-Ublick) Mentzel gibt das meiste schon soweit richtig wieder, soweit ich mich erinnern kann. Vorgelesen hatte ich noch die Imaginationen zu Weißen und Farbigen und ihrem „Kampf“ in GA 174b, 37f., das passt zu „Der Weißen Rasse neues Morgenrot“.

  • 6. Bobby  |  12. Juni 2016 um 9:34 am

    A.M.

    „….Vielen Dank für diese Ausführungen, denen ich einmal mehr beinahe vollumfänglich zustimme….“

    Man freut sich wenn es gemeinsame Gesichtspunkte in einer Sache gibt. Somit Dank für diese Anmerkung.

    Noch interessanter, spannender und lehrreicher ist es manchmal wenn man sich auch austauscht über Punkte wo Meinungen voneinander abweichen.

    Ich würde mich deshalb freuen, wenn Sie das in dieser Hinsicht noch etwas konkretisieren könnten!

    Antwort
  • 7. Bobby  |  13. Juni 2016 um 12:55 am

    A.M.

    „….Nachtrag: Einen weiteren Bericht zur Veranstaltung in Minden schrieb Michael Mentzel („Themen der Zeit“), und zwar mit einer nach meiner Erfahrung ganz ungewöhnlichen Sachlichkeit….“

    Da gibt es aber noch einen ganz aktuellen Bericht von Michael Mentzel, auch hier wirklich erstaunlich offen, kritisch und ausführlich zum allerneuesten, unerfreulichen Stand der Dinge. Das sieht wohl doch ganz übel aus.

    Alles klar auf der Andrea Doria?
    http://www.themen-der-zeit.de/content/Alles_klar_auf_der_Andrea_Doria.2049.0.html

    Antwort
  • 8. Gertrud Kiefer-Volkert  |  13. Juni 2016 um 9:23 am

    Wenn ich das also recht verstehe, gilt es für die Damen das kleine Schwarze aus dem Schrank zu nehmen und für die Herren Anzug und Krawatte oder geht auch Fliege?

    Antwort
  • 9. Rainer Herzog  |  13. Juni 2016 um 7:53 pm

    „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, die Rhetorik des „ganzen Menschen“ und das organizistisch-romantische Denken sind starke und bislang recht zuverlässige Verbindungen von Anthroposophie und völkischen Sehnsüchten“.

    Aufgrund obiger Aussagen kann ich mit der grundsätzlich notwendigen Anthrorassismusdebatte inzwischen nicht mehr allzu viel anfangen: Jetzt gilt bereits der medizinisch-pädagogische und seit langem im gesellschaftlichen Mainstream etablierte Terminus der „Ganzheitlichkeit“ als völkisch/rechts verdächtig. Und Novalis zu lesen ist also auch Nazimäßig?

    Antwort
    • 10. A.M.  |  13. Juni 2016 um 8:17 pm

      Dass Sie „inzwischen“ nicht mehr viel damit anfangen können, liegt bestenfalls daran, dass Sie zwischendrin offenbar nichts mitgekriegt haben. Das ist eine völlig normale und deskriptive Feststellung. Der entsprechende Konnex von völkischen und esoterischen Bewegungen ist gut bearbeitet und nennt sich „Lebensreform“, schlagen Sie halt mal ein Buch auf oder lesen Sie, von mir aus, was dazu Bodo von Plato sagt, der ja immerhin in Ihrem Vorstand sitzt:

      Dass (vereinzelte) heutige Anthroposophen derlei nüchtern konfrontieren können, dafür wird wohl 2011 eine (freilich diskutable) Äußerung Bodo von Platos Dämme gebrochen haben, nach der die Anthroposophie auf den „ganzen Menschen“ setze, worin man eine „Disposition für alle totalitären Systeme“ erkennen könne, so dass Anthroposophen „vielleicht besonders empfänglich“ gewesen seien und sich heute besonders kritisch mit dieser „anthropologischen Disposition“ beschäftigen müssten, darüber wurde hier bereits vor fünf Jahren berichtet. (vgl. Vielleicht besonders empfänglich, https://waldorfblog.wordpress.com/2011/06/23/vielleicht-besonders-empfanglich/)

  • 11. Gertrud Kiefer-Volkert  |  15. Juni 2016 um 11:48 am

    Das Schöne bewundern
    Das Wahre behüten
    Das Edle verehren
    Das Gute beschließen

    Es führet den Menschen

    Im Leben zu Zielen
    Im Handeln zum Rechten
    Im Fühlen zum Frieden
    Im Denken zum Lichte

    Und lehrt ihn Vertrauen

    Auf göttliches Walten
    In allem was ist
    Im Weltenall
    Im Seelengrund

    Rudolf Steiner

    Wie würden Sie diesen Duktus beschreiben?

    „Das einzig Gesunde ist doch, allen Einfluß auf den Willen des anderen Menschen nur durch Erkenntnis hindurch zu bekommen.
    Erkenntnis soll etwas sein, wodurch sich die eine Seele mit der anderen verständigt.“

    GA 131 Von Jesus zu Christus (Vortrag vom 5.10.1911, S. 47)

    „Kein äußerer Name kann >> mich <> Ich bin, der ich Ich-bin! <<
    Es gibt keine Möglichkeit, woanders den Namen des Sonnengeistes als in dem Menschen. Das, was als Ich im Menschen lebt, das ist das Christus-Wesen."

    (GA 109 Das Prinzip der spirituellen Ökonomie, Vortrag vom 31. Mai 1909, S. 152)

    Antwort
    • 12. A.M.  |  15. Juni 2016 um 4:10 pm

      Wenn Sie meinen.

  • 13. Rainer Herzog  |  16. Juni 2016 um 5:12 pm

    @ Frau Kiefer-Volkert

    Selbstverständlich ging es Steiner in all den Jahren seines öffentlichen Wirkens immer um das „wahre, schöne, gute“ eines jeden Menschen – egal welcher Nationalität, Herkunft, Geschlecht, usw.

    Schlägt man irgendeines seiner etwa 370 Bücher auf, findet man ziemlich schnell, direkt und unmissverständlich entsprechende Passagen.

    Die fragwürdigen (Rasse-) Passagen hingegen muss man lange suchen; innerhalb der umfangreichen GA nehmen sie nicht nur einen sehr minimalen, äußerst überschaubaren Raum ein, sie sind zudem innerhalb der Anthroposophie eher unwichtig (Im Vergleich zum Schulungsweg, Christologie, PhdF) – ein Überbleibsel aus der theosophischen Phase Steiners (Atlantis, usw.).

    Diese Dinge wurden bereits Anfang der 90er von den „Flensburger Heften“ und später im „Frankfurter Memorandum“ ausführlich diskutiert.

    Die jüngsten, bedenklichen politischen Ereignisse in D. (AfD), sowie die ein und andere ebenso bedenkliche (Einzel-) Meinung mancher Anthroposophen, ermuntern Menschen wie A.Martins natürlich, auf den Zug aufzuspringen und die alten Geschichten empört und anklagend aufzuwärmen.

    Mich langweilen solche Dinge inzwischen, die Essenz der Anthroposophie wird davon eh nicht berührt. Trotz des zugegebenermaßen anspruchsvoll sprachlichen Niveaus ist das Ganze mehr oder weniger eine eher oberflächliche Debatte (übrigends häufig bei ehemaligen Waldorfschülern, siehe z.B. den Info 3 Umkreis).

    Antwort
    • 14. Andreas Lichte  |  17. Juni 2016 um 5:13 pm

      @ Rainer Herzog

      … „mich langweilen“ inzwischen Anthroposophen wie Rainer Herzog, die seit Jahrzehnten nichts besseres zu tun haben, als Rudolf Steiners Rassismus zu leugnen, zu relativieren.

      Zitat Rainer Herzog: „Die fragwürdigen (Rasse-) Passagen hingegen muss man lange suchen …“

      Da muss man gar nicht „lange suchen“, die hat man sofort gefunden, auch wenn man das gar nicht will, überhaupt nicht danach gesucht hat …

      folgendes Buch habe ich während meiner Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ gelesen, und war entsetzt:

      Rudolf Steiners rassistischer Science-Fiction-Trash: ‘Aus der Akasha-Chronik’

  • 15. Gertrud Kiefer-Volkert  |  21. Juni 2016 um 9:29 am

    Erst mal muss ich obiges korrigieren. Der vollständige Text lautet:

    „Kein äußerer Name kann >> mich <> Ich bin der Ich-bin! <<! Es gibt keine Möglichkeit, woanders den Namen zu finden des Sonnengeistes als in dem Menschen. Das was als Ich im Menschen lebt, das ist das Christus-Wesen."

    (GA 109, Vortrag vom 31.5.1909, S. 152)

    Dass Rudolf Steiner polarisierte wie kein anderer, finde ich auch.
    Neben tiefer christlicher Esoterik finden sich zahlreiche verbrecherische Anleitungen, die verboten gehören. Und so unterstelle ich auch vielen Anthroposophen unverantwortliches Handeln.

    Herr Herzog, sie brauchen mich nicht zu beraten, denken tu´ ich selber.

    Antwort
  • 16. Bobby  |  21. Juni 2016 um 12:26 pm

    @ Rainer Herzog

    „….Aufgrund obiger Aussagen kann ich mit der grundsätzlich notwendigen Anthrorassismusdebatte inzwischen nicht mehr allzu viel anfangen….“

    Das ist zu bedauern!
    Dann ist aber vielleicht doch zu vermuten, dass es mit der von Ihnen angeblich gesehene grundsätzliche Notwendigkeit einer Anthrorassismusdebatte nicht allzu weit her sein dürfte?

    „….Die jüngsten, bedenklichen politischen Ereignisse in D. (AfD), sowie die ein und andere ebenso bedenkliche (Einzel-) Meinung mancher Anthroposophen, ermuntern Menschen wie A.Martins natürlich, auf den Zug aufzuspringen und die alten Geschichten empört und anklagend aufzuwärmen….“

    Die ein und andere bedenkliche (Einzel-) Meinung mancher Anthroposophen?
    Leider gibt es da manche Anthroposophen, die sich (das eine und das andere Mal?) darauf berufen im Einzelfall (?) nichts gesehen und auch nichts gewusst zu haben!

    Da stellt sich übrigens auch noch die Frage auf welchem Zug und von wem hier in Wirklichkeit aufgesprungen werden sollte und wo dieser Zug anschließend hinfährt.

    Der Orient-Express vielleicht: Zurück in die Zukunft der 1920er? Das wäre doch sehr passend, wäre gut vorstellbar. Oder, manche sehen es auch so: Endstation ist Moskau, vor den Toren des Kremls. Da ist die Wirkungsstätte unser großer Heilsbringer und Retter der Menschheit.

    Es leuchtet der Osten. Nichts wie weg von der Demokratur der vom bösen Westen verwalteten BRD!

    Deshalb: Glück auf. Aber bitte nur mit einfacher Fahrt und auf nimmer Wiedersehen!

    Mutige Pioniere die uns das vor leben:
    https://archive.is/hsDny

    Antwort

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Hallo allerseits,
Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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Mit Urteil vom 12.Mai 1998 hat das LG Hamburg entschieden, dass mensch durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der verlinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann, so das LG, nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert.

Da ich dieses Risiko gerade bei den bekannten Verstiegenheiten anthroposophischer Websites nicht eingehen will, distanziere ich, Ansgar Martins, mich hiermit vorsorglich von ausnahmslos allen Gestaltungen und Inhalten sämtlicher fremder Internetseiten, auch wenn von meiner Seite ein Link auf besagte Internetseite(n) gesetzt wurde.

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