„Dass er Individualität und Freiheit fördert“. Tücken im Verhältnis von Anthroposophie und völkischer Religiosität – noch einmal

25. Juni 2015 at 4:42 pm 6 Kommentare

„Darin besteht das konkret Nationale deutschen Wesens, dass es durch das Nationale über die Nation hinausgetrieben wird in das allgemeine Menschentum hinein.” – Rudolf Steiner, 1915 (GA 174a, 72)

Wolf-Dieter Schröppe, ein Lehrer der Waldorfschule Minden, hatte offenbar über Jahrzehnte Kontakte ins extrem rechte Milieu und hat sich dort fleißig umgetan: die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ beehrte er ebenso mit seiner Gegenwart wie den Verlag „Hohe Warte“, der Ludendorff’schen Ideen verpflichtet ist. In der „Hohe Warte“-Zeitschrift „Mensch und Maß“ hat Schröppe publiziert und sitzt nach Medienberichten von 2014 dem Trägerverein der „Ahnenstätte Conneforde“ vor, wo sich gern Nazis bestatten lassen. Auch im „Bund der Unitarier“ soll der 1990 aus Argentinien nach Deutschland zurückgekehrte Schröppe bis 2005 Mitglied gewesen sein. Zwei Schülerinnen der Mindener Waldorfschule haben den Fall laut taz bekannt gemacht. Ein Gutachten der „Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold“ belegt die Kontakte zu völkischen Organisationen – gestritten wird erstaunlicherweise darüber, ob der Lehrer selbst deren Gedankengut vertrete oder vertreten habe. „Der Lehrer hat sich über Jahrzehnte ab Mitte der 90er Jahre bis Mitte 2000 in extrem rechten Strukturen und Netzwerken bewegt – nicht als Mitläufer, sondern Organisator“, so ein Mitarbeiter der Beratungsstelle. Der Bund der Freien Waldorfschulen distanziert sich eindeutig: Schröppe sei nicht mehr tragbar. Die „Schulversammlung“ der Mindener Waldorfeinrichtung soll sich am 24.6.2015 allerdings dafür ausgesprochen haben, dass Schröppe vorerst an der Schule verbleiben darf. Schon vorher stellte sich das Mindener Kollegium hinter den Lehrer, von verschiedenen Seiten war zu hören, dass er auf demokratischem Boden stehe. Schröppe versicherte das auch in einer persönlichen Erklärung. (vgl taz, PM des BdFWS, radio bremen, WDR, Osnabrücker Zeitung, Lippische Landeszeitung, Lotta-Magazin, Blick nach rechts)

Das Argument klingt seltsam bekannt, nicht nur, aber auch aus anthroposophischen Kreisen: Zwar habe Schröppe Kontakte zu rechten Organisationen gehabt, seine Publikationen zeigten allerdings keine entsprechende Gesinnung. Online findet man zum Beispiel einen „Mensch und Maß“-Beitrag Schröppes zu einem Relief an den Externsteinen – einer Pilgerstätte für Esoteriker, Neuheiden und Rechte. Der Artikel diskutiert in der Tat weder Rassentheorien noch offene Germanennostalgien, sondern widmet sich Details der Deutung des angegebenen Reliefs – das allerdings primär völkisch-religiöse Schreiberlinge zu interessieren scheint (so fing sich Schröppe etwa auch Kritik auf der Seite „GOD – Glaubensgemeinschaft – ODING – Deutschland“ ein). Einen Beitrag lieferte Schröppe auch für den Sammelband „1848 – Erbe und Auftrag“, im „Aula-Verlag“ herausgegeben von den rechten Politikern Otto Scrinzi und Jürgen Schwab. Schröppes Aufsatz dreht sich um Heinrich von Fallersleben und berichtet über die Macht der Rotschilds bzw. der „Hochfinanz“. In einem Eintrag über das Buch auf der Seite des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes wird Schröppe als deutscher Experte „in Sachen völkischer Okkultismus, Referent u. a. beim Kulturwerk Österreich“ vorgestellt.

Nach Michael Mentzel von der anthroposophischen Seite „Themen der Zeit“ sprachen sich auf der Schulversammlung „17 Schüler für eine Entlassung aus, 12 waren für eine Beurlaubung für 3 Monate, in denen ein Prozess der Aufarbeitung stattfinden soll und 31 plädierten für ein Weiterarbeiten des Pädagogen. Von den Lehrern waren 5 für die Entlassung, 16 für eine Beurlaubung und 5 für die Weiterbeschäftigung. Bei den Eltern waren es 28, die für eine Entlassung stimmten, 33, die für die Beurlaubung und 42, die für die Weiterbeschäftigung waren. Es obliegt jetzt der Schulführungskonferenz, am heutigen Nachmittag eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen.“ Mentzel sieht wohl zurecht bei einer Weiterbeschäftigung das Verbleiben der Mindener Waldorfschule im Waldorfbund gefährdet.

Der völkische Aktivist Schröppe wird nach einem gerade erschienenen taz-Artikel als einer der „besten Lehrer“ der Schule verteigt. „Der Lehrer ist in der Schule nie mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen. Im Gegenteil: Er war dafür bekannt, dass er die Individualität und Freiheit fördert“, sagte laut WDR der Sprecher der Mindener Waldorschule – und wird es wissen: Schröppe war dort immerhin 20 Jahre angestellt. Ähnliches wurde auch berichtet, nachdem 2004 der Waldorflehrer Andreas Molau sich als NPD-Kader entpuppte: An der Schule hatte man ihn für linksliberal gehalten. Wieder einmal deutet sich die gefährliche politische Naivität an, die große Teile der im weiteren Sinne anthroposophischen Szene seit deren Entstehen begleitet. 2014 präsentierte der neue Geschäftsführer der Waldorfschule Rendsburg „Reichsbürger“-Ideen auf einer Vorstandssitzung und musste die Schule verlassen, als seine Kontakte zu reichsideologischen Organisationen dokumentiert wurden. Nach seinem Weggang zerstritt sich die Rendsburger Schule: Eltern beklagten innere Machtkämpfe in einer hierarchisch organisierten Einrichtung. (vgl. SHZ) Arfst Wagner, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und langjähriger Rendsburger Eurythmielehrer, hat die Schule inzwischen als Teil des neuen Landesvorsitzes der Schleswig-Holsteinischen GRÜNEN verlassen. Zur öffentlich gewordenen „Krise“ seines alten Arbeitgebers hat Wagner sich nicht geäußert – nur so viel sei gesagt, dass er sich gegen die umtriebigen Reichsideologen in der Region Rendsburg-Eckenförde engagierte, 2014 aber die von ihm gegründete „Bürgerinitiative Bedingungsloses Grundeinkommen Schleswig-Holstein“ verließ, weil sie von „Reichsbürgern“ unterwandert sei. (vgl. Anthroposophen und „Reichsbürger“-Bewegung) Schröppe, der inzwischen aus der rechten Szene ausgestiegene Molau und der Rendsburger Ex-Mitarbeiter mögen wenig miteinander gemeinsam haben. Der erste jedoch, der im Waldorfmilieu sowohl völkische Verschwörungstheorien vertrat als auch enthusiastisch Individualität und Freiheit fördern wollte, war dessen Initiator Rudolf Steiner.

Heute erscheinen Artikel von Verschwörungstheoretikern wie Udo Ulfkotte oder Daniele Ganser in anthroposophischen Periodica und erfährt ein Buch wie Markus Osterrieders „Welt im Umbruch“ große Resonanz unter Steiner-Fans. Trotzdem irrt sich, wer derlei umstandslos als rechts einstuft. Vielmehr setzt sich in den politischen Auseinandersetzungen des weiteren zeitgenössischen anthroposophischen Diskurses ungebrochen das „left-right crossover“ fort, das Peter Staudenmaier diagnostiziert hat. Die Spuren der 68er-Bewegung tragen im anthroposophischen und Waldorf-Kontext viel zur Reproduktion verschwörungstheoretischer Kapitalismus“kritik“ bei. Die in anthroposophischen Kontexten artikulierten einseitigen Sympathien für die aggressive Politik Russlands spiegeln die gesamtgesellschaftlichen Schnittmengen zwischen links und rechts befindlichen Putin-Fans und US-Verächtern. Natürlich kann man die Vorfälle nicht umstandslos auf die anthroposophische Weltanschauung oder ihren pädagogischen Flügel schieben: Der „Hohe Warte“-Verlag etwa zählt zu den Verbreitern von Ideen Erich und Mathilde Ludendorffs, die Steiner energisch bekämpft hatten. Die Externsteine als vermeintlicher uralter ‚germanischer‘ Kultort wären für Steiner überdies weit weniger bedeutsam als die moderne geistige Mission des von Erzengel Michael betreuten, transnationalen deutschen Volksgeistes.

Während sich die dubiosen politischen Affiliationen im anthroposophischen Umfeld seit Steiners Zeiten halten und unter wechselnden politischen Voraussetzungen erneuern, bezieht der sonst eher zurückhaltende Bund der Freien Waldorfschulen in letzter Zeit deutlicher Position: Die Mindener Waldorfschule wird aufgefordert, sich von dem Kollegen zu trennen. Vor einem halben Jahr veröffentlichte der „Bund“ eine kritische Broschüre zu den alle möglichen alternativgesellschaftlichen Projekte unterwandernden „Reichsbürgern“. Das ist ein erster und freilich noch kein hinreichender Schritt: Durch beginnendes Problembewusstsein werden die Anschlussmöglichkeiten der Anthroposophie an eine völkische Ökumene nicht gebannt. Aber die fraglichen politischen Verbindungen scheinen sich eher an den einzelnen Schulen zu finden. Lokal kommt es immer wieder zu Streitigkeiten und Machtkämpfen zwischen Lehrern und Eltern an einzelnen Schulen. (Stichwort: Davis-Methode) Sieht man sich die Abschirmung Schröttes durch seine Schule an und vergleicht dies mit den Hierarchiekonflikten in der Waldorfschule Rendsburg, lässt sich das aber sicher auch auf generelle Waldorf-Strukturprobleme zurückführen, die der ehemalige Schülervertreter Valentin Hacken am prägnantesten ausformuliert hat:

„Die vielen, teils massiv ausgetragenen Streitigkeiten zeigen eben, dass fast alles persönlich ist in diesem Kontext und schnell existentiell – niemand macht hier nur einen Job. Was positiv sein kann, zeigt da seine Kehrseite. Das hat zum einen dazu geführt, dass sich eine geradezu parasitäre Beraterindustrie entwickelt hat, in der die Schulen und Verbände jedes Jahr hunderttausende Euro verbrennen und dazu, dass Feste wie Monatsfeiern eben dringend gebraucht werden für die Gemeinschaft, ein magischer Trick der Selbstvergewisserung, Umformung dessen, was man eigentlich nicht mehr glaubt. […] Entlasten könnte man die Kollegien, indem man die Kompetenzen des Bunds der Freien Waldorfschulen (BdFWS) massiv stärkt, eine verbindliche Qualitätskontrolle einführt, einen Blick von außen, eine Korrektur. Doch dagegen wehren sich die Schulen mit Händen und Füßen, weil sie ihre Freiheit in Gefahr sehen. Doch sie schützen damit Versagen, Überforderung, Ineffizienz, nicht die Freiheit, mit ihren Schülern zu arbeiten. […] Sobald eine Schule in den BdFWS aufgenommen ist, kann sie nahezu tun und lassen was sie will, solange sie ihre Beiträge zahlt, nicht gerade die Schüler geschlagen werden und die staatliche Schulaufsicht einschreitet.“ (Man kann doch nicht noch hundert Jahre davon leben, dass man irgendwie nicht allzu schlecht ist)

Andererseits wurde in Rendsburg von Eltern das Eingreifen des Bundes als Fortsetzung der hierarchischen Organisationspolitik wahrgenommen, wie die SHZ berichtet:

„Jetzt schaltet sich sogar der Bund der Freien Waldorfschulen (Bund) ein. Die Vereinigung, in der deutschlandweit 234 Waldorfschulen organisiert sind, schickt drei externe Mitarbeiter nach Rendsburg, um den Schulvorstand abzulösen und einen Neuanfang an der Nobiskrüger Allee möglich zu machen. […] der Bund will keinesfalls von einer Entmachtung sprechen. Hüttig: „Es geht darum, dass die Schule handlungsfähig bleibt. Ziel ist es, dass die Schule nach zwei Jahren wieder selber einen Vorstand bildet.“ Dieser soll auch wieder aus Eltern und Lehrern bestehen – ohne Nachhilfe von außen. Es sei ein grundlegender Waldorf-Gedanke, dass Eltern und Lehrer gemeinsam Schule machen, so Hüttig. Genau das sei aber schon in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen, berichtet ein Vater, der anonym bleiben möchte. Über die Köpfe hinweg wurden Entscheidungen getroffen, die Einsicht in Unterlagen verwehrt, das Wort in der Öffentlichkeit verboten. „Hier herrschen hierarchische Strukturen und alles andere als Demokratie“, sagt er. All das entspräche nicht dem Sinn einer Waldorfschule. Viele Eltern überlegten bereits, ihre Kinder von der Schule zu nehmen, so auch der besorgte Familienvater. „Das ist nicht mehr die Schule, in die ich mein Kind gegeben habe.“ Mit der Einmischung des Bundes sieht er keine Chance, die Schule wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Ganz im Gegenteil: „Dadurch wird die hierarchische Struktur noch mehr unterstützt.“ (Freie Waldorfschule in tiefer Krise)

Offensichtlich kann man die Rendsburger Krise nicht verallgemeinern: In Minden scheint ja die Schule relativ geschlossen hinter Schröppe zu stehen. Andererseits wäre das wohl kaum zum öffentlichen Streitfall geworden, wenn die Reihen tatsächlich geschlossen wären. Viele im anthroposophischen Kontext kommentieren die immer wieder aufflammenden Verbindungen von Anthroposophen oder Waldorfianern nach rechts inzwischen nur noch genervt. Dazu passt der Ton, in dem Jens Heisterkamp, Chefredakteur der anthroposophischen Zeitschrift Info3, eine wenig spannende Ausstellung „Künstler und Propheten“ schilderte, die bis vor kurzem in der Frankfurter „Schirn“ zu sehen war:

„Barfuß oder auch ganz wie Gott uns schuf, in wallende Gewänder gekleidet und mit reichlich Pathos ausgestattet galt es (auch) damals, die Welt zu retten. Von einigen künstlerisch ernstzunehmenden Ausnahmen abgesehen bekommen es die Besucher mit einer geballten Ladung aus Selbstüberschätzung, Sendungsbewusstsein und Kitsch zu tun. Wie durch ein Wunder ist Rudolf Steiner diesem Ausstellungs-Panoptikum entgangen, dafür hat es aber Joseph Beuys („Die Revolution sind wir“) erwischt. Man verlässt die Ausstellung nachdenklich: Denn nicht nur da, wo die frühen Visionäre ganz offensichtlich ins nationalistische oder rassistische Fahrwasser kippten ist Vorsicht geboten, sondern ganz grundsätzlich gilt esoterischen Heilsversprechen gegenüber Zurückhaltung.“ (Stelldichein der schrägen Vögel)

Ebenso wie heute Michael Mentzel, der nicht unbedingt zu den kritischen Anthroposophen zählt, ohne weitere apologetische Ausfälle über Minden berichtet, steht auch Heisterkamps ernüchterte Berichterstattung dafür, dass die esoterischen Wege nach rechts sich kaum mehr verdrängen lassen. Unklar ist, wie Esoteriker mit gegenläufigen Absichten dem beikommen können. Dass in letzter Zeit über die vielfältigen politischen Verschränkungen anthroposophischer Milieus verstärkt diskutiert wird, aber auch die Kompetenzen des Waldorfbundes kritisch hinterfragt werden, zeigt, dass die oft benannten Waldorfprobleme keineswegs der Vergangenheit angehören. Es zeigt aber auch die nicht zu unterschätzenden aktuellen Transformationen des anthroposophischen Komplexes. Alte Selbstverständlichkeiten und Hierarchien werden disponibel. David-Marc Hoffmann etwa, der vormals den Basler Schwabe-Verlag und inzwischen die Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung leitet, wird vom verschwörungsgläubig-orthodoxen Lager aufgrund seiner sauberen philologischen Arbeit angegriffen. Dass Steiners Schriften, auf die sein sakrales Charisma nach seinem Tod in gewisser Weise übergegangen ist, inzwischen in einer Kritischen Ausgabe beim renommierten Stuttgarter frommann-holzboog erscheinen, wird unter Steiner-Gläubigen als ernsthaftes Theologumenon erhitzt debattiert. Die Desintegrations- und Zerfallsbewegungen des ehemals nach außen eher geschlossenen (wenn auch schon immer streitfreudigen) anthroposophischen Milieus ins 21. Jahrhundert haben gerade erst angefangen. Für dieses Jahrhundert gilt allerdings ungebrochen, dass, wer Deutschen ganzheitliche Erziehung verspricht, früher oder später auch Parteigänger deutschtümelnder Dominationen anzieht.

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Entry filed under: Albert Schmelzer, Bund der Freien Waldorfschulen, Reichsbürger, Waldorf & Rechtsextremismus.

Zwischen Anthroposophie und Scientology? Streit um die „Davis-Methode“ im Waldorfmilieu Waldorfschule Filstal: Schüler-Projekttage mit Ken Jebsen abgesagt

6 Kommentare Add your own

  • 1. Andreas Lichte  |  26. Juni 2015 um 9:12 am

    Im Artikel heisst es:

    „Die Externsteine als vermeintlicher uralter ‘germanischer’ Kultort wären für Steiner überdies weit weniger bedeutsam als die moderne geistige Mission des von Erzengel Michael betreuten, transnationalen deutschen Volksgeistes.“

    In Rudolf Steiner, „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“, heisst es:

    „Wie wirkte jener Erzengel, der einstmals mit den nordischen Völkern, den skandinavischen Völkern heraufgeschickt worden ist in dieses Gebiet, und von dem aus die verschiedenen Erzengelwesen Europas – namentlich West-, Mittel- und Nordeuropas – die Inspirationen bekamen? In der außenstehenden Welt kann es nur als Narretei gelten, wenn geradezu hingewiesen wird auf jenen Punkt des europäischen Kontinentes, von dem einst die größten Impulse nach allen Seiten ausgestrahlt sind, auf jenen Punkt, der der Sitz erhabener Geister war, bevor der keltische Volksgeist als keltisches Erzengelwesen in der Hochburg des Grals ein neues Zentrum errichtet hatte. Von jenem Punkte, der in alten Zeiten Zentrum war für die Ausstrahlung der Geistigkeit Europas, ist auch ausgestrahlt dasjenige, was zunächst der nordische Volks-Erzengel als seine Mission erhalten hat. Für die Außenwelt muß es, wie gesagt, als Narretei erscheinen, wenn wir als den Punkt, von dem ausstrahlt, was nach den verschiedensten germanischen Volksstämmen hinwirkt, dasjenige Gebiet bezeichnen, das heute über Mittel-Deutschland liegt, aber eigentlich über der Erde gelegen ist.

    Wenn Sie etwa eine Kreislinie zögen, so daß in diese Kreislinie hineinfallen würden die Städte Detmold und Paderborn,

    so kommen Sie in die Gegend, von der ausströmte die Mission der erhabensten Geister, welche nach Nord- und West-Europa ihre Mission ausdehnten. Weil dort das große Inspirationszentrum war, deshalb ging später die Sage, daß Asgard eigentlich an diesem Punkte der Erdoberfläche gelegen habe. Es lag aber da das große Inspirationszentrum in uralter Vergangenheit, das Zentrum, welches dann später seine Hauptwirksamkeit abgegeben hat an das Zentrum des heiligen Gral.“

    Antwort
    • 2. Andreas Lichte  |  28. Juni 2015 um 1:14 pm

      … mit dieser Aussage:

      Wenn Sie etwa eine Kreislinie zögen, so daß in diese Kreislinie hineinfallen würden die Städte Detmold und Paderborn

      „umkreist“ Rudolf Steiner die Externsteine.

      Die Externsteine, die der „rechte“ Waldorflehrer Wolf-Dieter Schröppe in seinem Artikel „Die Irminsul am Externstein“ bei „Mensch und Maß“ bespricht, siehe:

      http://www.hohewarte.de/MuM/Jahre/Inhalt2000.html

      Kann mir bitte jemand erklären, wie sich der „Bund der Freien Waldorfschulen“ _glaubhaft_ von einem „rechten“ Waldorflehrer distanzieren kann, wenn er sich nicht auch von Rudolf Steiner distanziert?

  • 3. Andreas Lichte  |  26. Juni 2015 um 9:17 am

    die Diagnose “left-right crossover” ist falsch:

    wenn das Selbstbild „links“ sagt, bedeutet das nicht, dass man von außen betrachtet auch „links“ ist

    die im Artikel beschriebenen Vorgänge in den verschiedenen Waldorfschulen sind eindeutig „rechts“

    Antwort
  • 4. C.Unger-Leistner  |  2. Juli 2015 um 10:58 am

    Auch die Lebensreformbewegung der Jahrhundertwende hatte sehr rechtlastige Ausleger und die ökologische Bewegung unserer Zeit bekommt immer wieder Zulauf aus der rechtspopulistischen oder sogar -extremen Szene, siehe z.B. die rechten Communities in Ostdeutschland.

    Woran das liegen mag, was genau die Schnittmengen sind, kann man bei Ken Wilber nachlesen, z.B. in A Short History of Everything. Dort kritisiert er, dass vieles, was sich in der alternativ-spirituellen Szene selbst als bewusstseinsverändernd einstuft, dies nicht ist, weil es sich – so die Terminologie von Wilber – um prärationale Begrifflichkeiten und Bestrebungen handelt anstelle von transrationalen. Diese bleiben dann in einer mystisch-altertümlichen Weltsicht befangen, die anschlussfähig ist auch für rechtslastige Geistsucher. Nach Wilber geht es darum, das Denken der Industriegesellschaft dadurch zu überwinden, dass man es einschließt, seine positiven Aspekte nutzt und es so transzendiert. Reiner Anti-modernismus führt von daher ziemlich konsequent in die Vergangenheit.

    Hinzukommt noch, dass die rechte Szene inzwischen anders auftritt und sich der bürgerlichen Mitte anzunähern versucht, die prolligen Skinheads gehören der Vergangenheit an.

    Die von Wilber für die New-Age-Bewegung beschriebene Thematik ist für die Entwicklung spirituell-alternativen Denkens und der damit verbundenen Bestrebungen und Bewegungen offenkundig ziemlich wichtig – wie die aktuellen Krisenfälle an den beiden Waldorfschulen zeigen. Es wäre zu begrüßen, wenn jemand das Thema einmal zum Gegenstand einer soliden Forschung machen würde.

    Rückgriffe auf die Vergangenheit helfen da aus meiner Sicht nur bedingt. Es geht ja um die postmoderne Gesellschaft und wie sie zu einem neuen Denken kommt, da bewegt man sich schon auf einer anderen Ebene als z.B. in den 20er oder 30er Jahren, die Menschen heute sind ja auch anders.

    Dschungelfee

    Antwort
  • […] Juni forderte der Bund der Freien Waldorfschulen erfolglos die Entlassung eines Lehrers an der Waldorfschule Minden, der über 20 Jahre lang in extrem rechten Kreisen agierte. Der nächste Fall kommt aus Göppingen […]

    Antwort
  • 6. A.M.  |  10. August 2015 um 8:13 pm

    http://taz.de/!5221843/

    Antwort

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Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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Da ich dieses Risiko gerade bei den bekannten Verstiegenheiten anthroposophischer Websites nicht eingehen will, distanziere ich, Ansgar Martins, mich hiermit vorsorglich von ausnahmslos allen Gestaltungen und Inhalten sämtlicher fremder Internetseiten, auch wenn von meiner Seite ein Link auf besagte Internetseite(n) gesetzt wurde.

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