Steiners „Volksseelenzyklus“ in kommentierter Neuauflage erschienen

„…ohne einmal das Naturell der Amerikaner in Anschlag zu bringen, welches eine halb erloschene Lebenskraft verräth … Es gebricht den Eingebornen dieses Welttheils überhaupt an Vermögen und Dauerhaftigkeit.“
– Kant: Von den verschiedenen Racen der Menschen (1775)

Das sicher komplexeste und womöglich einflussreichste Buch aus dem Kanon anthroposophischer Völkerpsychologie und Rassenlehre ist nach zehnjähriger Überarbeitung wieder aufgelegt worden: Steiners sogenannter „Volksseelenzykus“. 2007 hatte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) das Buch unter Kommentarzwang gestellt, weil es „in Teilen als zum Rassenhass anreizend“ verstanden werden könne – worauf ich noch zurückkomme: Denn im neu aufgelegten Buch wird dieser Anlass der Neuauflage verschwiegen, der diskrimierende Charakter zurückgewiesen. Die Herausgeberschaft und Kommentierung für den Rudolf Steiner-Verlag übernahm Cornelius Bohlen. Der edierte Text basiert auf einer undurchgesehenen Vortragsmitschrift von 1910, die ein Jahr später veröffentlicht wurde. 1922 erschien eine von Steiner überarbeitete Neuauflage. So verfuhr der Hellseher nur mit ganz wenigen Mitschriften seiner zahlreichen Auftritte. Sie wurden anfangs überhaupt nur publiziert, weil unter den übereifrigen Steinerjüngern der Gründerzeit viele unautorisierte Fassungen kursierten. Steiner initiierte autorisierte Ausgaben, aber ihm fehlte schlicht die Zeit, sie vorher alle eigens durchzugehen. Nur ganz selten kam es, wie hier, tatsächlich zur nachträglichen Bearbeitung eines Vortragszyklus von seiner Hand. Die Auflage von 2017 macht erstmals die Unterschiede zwischen beiden Fassungen von 1910/11 und 1922 sichtbar und ist damit ein Unikat in der Edition des Anthroposophie-Gründers.

„Durchgehend unpolitisch“

Es geht um Steiners 1910 in Oslo gehaltene Vortragsreihe „Die Mission einzelner Volkseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ (im Folgenden: GA 121). Für die norwegischen Anthroposophen wurde dieser Vortragszyklus zu einer zentralen Quelle völkisch-mythologischer Inspiration. (vgl. Anthroposophie und Antisemitismus in Norwegen, Vidars Gefolgschaft) Im deutschsprachigen Raum übernahmen und expandierten zahlreiche anthroposophische Publizisten von Ernst Uehli zu Guenther Wachsmuth Steiners Ausführungen über kosmische Rassen-Geometrie. Diese Wirkungsgeschichte wird im Band weder bedacht noch dokumentiert. Das ist einerseits irritierend, weil die Herausgeberkommentare in der Neuauflage sich oft mit dem Thema auseinandersetzen, ob Steiner nun rassistisch zu verstehen sei. Die brisante Rezeptionsgeschichte hält dazu so eindrückliche wie eindeutige Lesarten parat, sie müssen in der heutigen Bewertung bedacht werden. Zweitens ist das Verschweigen der politischen Folgen auch deshalb irritierend, weil die Kenntlichmachung der zwei Auflagen den Blick auf diejenige von 1922 lenkt, die 1918 vorbereitet wurde: Der Anthroposophie-Gründer sprach dem Buch im Kontext seiner eigenen politischen Agitationen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs Relevanz zu, die ohnehin völkerpsychologisch unterlegt waren. (vgl. Nationalist Cosmopolitanism) Dass die Vorträge tagespolitisch aktuell seien, betonte Steiner immer wieder. 1918 hatte ihm Prinz Max von Baden eine Audienz gewährt, Steiner sandte diesem danach den „Volksseelenzyklus“ mit einer eigens verfassten Vorrede zu. Das erfährt man zwar in den Herausgeber-Kommentaren (GA 121, S. 219, 229f.), eine weitere Interpretation aber unterbleibt. Steiner positionierte den „Volkseelenzyklus“ 1918 und in den 20er Jahren in einem explizit politisch-interventionistischen Kontext. Das ist vielen seiner jüngeren anthroposophischen Interpreten ebenso entgangen wie vielen kritischen Kommentatoren. In der vorliegenden Edition heißt es gar: „Gewiss, der Zyklus ist durchgehend unpolitisch.“ (S. 234)

Der späte Steiner wollte den „Volksseelenzyklus“ dagegen konkret politisch verstanden wissen. Gewiss, nicht seine Ausführungen über „Neger“ und „Indianer“ waren politisch gemeint, an denen die überwiegend Zitat-induktionistisch geführte heutige Debatte hängengeblieben ist. Vielmehr sind diese „Ureinwohner“ für seine „mitteleuropäische“ Zeitdiagnose völlig unerheblich: Er hielt sie für exotische, physisch unvorteilhafte – aber kosmisch durchaus sinnvoll herleitbare – Nebenereignisse der menschlichen Evolution. Sie kommen (wenn überhaupt einmal) nur am Rande seiner eigenen Argumentation vor und es wird gelegentlich hastig versichert, via Reinkarnation hätten sie sicherlich auch Anteil an den eigentlich interessanten menschheitsgeschichtlichen Ereignissen. Ihnen wollte er sicherlich kein Haar krümmen, aber „die Neger“ sollten auch nicht nach Europa hineinkommen, wie etwa im Jazz. (vgl. „hat was von Beuys“) Die verschiedenen europäischen Einzel- und „Volksseelen“ dagegen waren als Avantgarde der Rassenevolution Rudolf Steiners spirituell-politisches Zielpublikum.

Trotz des politischen blinden Flecks ist die neue „GA 121“ ein Fortschritt: Die Nachweise zu den unterschiedlichen Auflagen und vor allem die Herausgeber-Kommentare sind im Einzelnen sehr erhellend. Dankbar liest man die Bemerkungen Bohlens zur Stellung des „Zyklus“ in der Entwicklung der Steinerschen Hierarchien-Lehre. Und auch die wenigen, aber grundsätzlichen Bemerkungen zur Beschäftigung Steiners mit der Ethnologie seiner Zeit sind Pionier-Arbeit, die weitere Anknüpfung verdient. (vgl. S. 237f.)

In Bohlens Kommentaren wird Steiners menschheitsumspannende Mission beschrieben, sein Pathos des Allgemeinen Menschentums. Bei den problematischeren Details hält der Kommentar sich eher nebenbei oder mit ganz, ganz großen Perspektiven auf. Stattdessen wird beispielsweise versucht, Steiners Polemik gegen andere Theosophen, denen er ein „chaotisches“, archaisches Hellsehen zuschrieb, als Warnhinweis in Richtung des Ersten Weltkriegs zu deuten. (S. 239 mit Verweis auf S. 206) Dabei hatte Steiner seine Warnung vor solchen „materialistischen“ esoterischen Irrlehren ausgerechnet mit dem Beispiel der sabbatianischen Kabbala illustriert. (S. 203) Hier liegt folglich eher eine antisemitische als eine antinationale Warnung vor, die sich gegen Konkurrenten auf dem okkulten Marktplatz, konkret wohl (Kontext: falscher Messias) gegen Besants Krishnamurti-Kult richtete. Behauptungen wie diese geben den Herausgeber-Kommentaren erneut einen schönfärberischen Charakter. Es ist bedauerlich, das festhalten zu müssen. Denn den Texten sind zugleich Anzeichen einer offenen Haltung eingestreut, die sich wie mühsam, aber unaufhaltsam aus dem üblichen anthroposophischen Duktus hervorringt: So positionieren sich Steiner-Verlag und -Nachlassverwaltung unmissverständlich zugunsten einer kritischen wissenschaftlichen Diskussion. Ein „Sonderhinweis zu Äußerungen über ‚Rassen‘ in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe“ verweist dabei auf einen Text Ralf Sonnenbergs, die beste anthroposophische Stellungnahme zu Steiners Rassismus bislang. Zurecht heißt es in diesem „Sonderhinweis“ darüber hinaus, dass der editorische Apparat nicht der Ort für letzte Worte ist: „Eigentliche Forschungsdiskussionen sind außerhalb der Gesamtausgabe zu führen.“ (S. 282) Unbestreitbar. Das Problem ist vielmehr, dass die Kommentare im Band trotzdem eindeutige Wertungen vorgeben, die von den „eigentlichen Forschungsdiskussionen“ nahezu unberührt sind.

Das „Aussterben“ der „Indianer“: Zur verschleiernden Funktion des Rassebegriffs

Die entpolitisierende jüngere Interpretation ist – trotz der inneranthroposophischen Wirkungsgeschichte – mitnichten verwunderlich. Zum einen, weil rassistische Anthroposophen nach Steiner weit weniger bekannt sind und diskutiert werden als ihr allseits beliebter Stichwortgeber. Zum anderen und vor allem, weil die Blickrichtung des Vortragszyklus – trotz seiner unmittelbaren nationalistischen Folgen im norwegischen Kontext – tatsächlich weitenteils un- bzw. metapolitisch ist, wenn man an der Oberfläche der Aussagen bleibt. Steiner interessiert sich für die engelhafte Architektur „des“ Menschen bzw. der Rassewerdung und legt eine theosophische Interpretation der nordischen Mythologie vor, was erst einmal ganz andere Probleme verursacht. Politische Ereignisse und kulturelle Errungenschaften werden vor dem Hintergrundpanorama kosmischer Intentionen unsichtbar gemacht und gnadenlos naturalisiert: „Nicht etwa deshalb, weil es den Europäern gefallen hat, ist die indianische Bevölkerung ausgestorben, sondern weil die indianische Bevölkerung die Kräfte erwerben musste, die sie zum Aussterben führten.“ (GA 121, 87f.) Oder: „Dadurch, dass auf unserem Erdenplaneten“ – aus dem Zusammenwirken differenter Menschheits- und Rasse-erzeugender Engelwesen – „einmal eine kaukasische Rasse geschaffen wurde, dadurch wurde der Grund geschaffen, dass ein Plato überhaupt werden konnte.“ (ebd., 93f.) Einerseits steht das Geistige im Menschenwesen für Steiner weit über der banalen Physis, andererseits drücken sich in letzterer die geistigen Kräfte aus.

In der Neuauflage kann man nun etwa nachschlagen, dass die zweite zitierte Stelle vor Steiners Bearbeitung ein anderes Verb enthielt: „überhaupt hervorgehen konnte.“ (S. 256) Fast alle Textänderungen Steiners betreffen einzelne Satzglieder und Formulierungsdetails, große inhaltliche Erweiterungen finden sich kaum, sondern eher sprachliche Präzisierungen. Wer sich gefragt haben mag, ob Steiners Überarbeitung die rassistischen Spitzen seiner Entwicklungslehre eher betont oder relativiert, findet kaum signifikante Indizien. Zu den „Indianern“ etwa hieß es in der Übertragung des Stenographen: „Dahin musste die Menschheit, um zu sterben.“ Daraus machte Steiner: „Nach Westen musste die Menschheit gehen, um als Rasse zu sterben.“ (S. 254 bzw. 88) Eine weitere Neuerung der Auflage besteht darin, dass die Herausgeber-„Hinweise zum Text“ partiell kritisch Position beziehen, etwa im genannten Fall:

„Die Ausführungen enthalten […] Zuspitzungen, die als belastend und diskriminierend erfahren werden können. Die postulierte Zuordnung zu den Lebensaltern wird mit Ausrottungen der Indianer durch Europäer zusammengestellt. An anderen Stellen in seinem Werk stellt Steiner öfter die brutale Ausrottung und das Zurückdrängen der indianischen Bevölkerung dar, wobei er mehrfach zugleich auf die hohe, alte Geistigkeit der indianischen Kultur aufmerksam macht […]. Andere Belegstellen im Werk bestätigen zugleich, dass Steiner im Rahmen der Menschheitsentwicklung in den Indianern eine ‚Rasse‘ mit einer Entwicklungstendenz zum Niedergang und Aussterben sieht […] die Äußerung [kann] in dem Sinne als besonders diskriminierend aufgefasst werden, dass hier das ‚Absterben‘ betont wird und überspitzt als schon geschehene Tatsache der Vergangenheit dargestellt wird.“ (S. 289)

Wer bezweifeln wollte, dass diese Aussage inneranthroposophisch (und zumal in der Steiner-GA) einer kleinen Revolution gleichkommt, sollte sich die apologetischen Worte anschauen, mit denen Bohlen Steiners „Indianer“-Tiraden noch vor über zwanzig Jahren rechtfertigen wollte. In diesem Rahmen bezeichnete er die kritische Dokumentation rassistischer Steiner-Stellen durch die linksanthroposophischen „Flensburger Hefte“ als „einen teilweise bedenklichen Unsinn“. Man müsse diese Stellen spirituell vertiefen, statt sie oberflächlich abzulehnen. (vgl. Cornelius Bohlen: Zum Rassismus-Vorwurf gegenüber der Anthroposophie, in: Joachim Müller (Hg.): Anthroposophie und Christentum, Freiburg (CH) 1995, S. 208) Die kritischer gewordene Positionierung ist zu würdigen, dennoch geht der zitierte Herausgeber-Kommentar zum „Absterben“ nicht weit genug: Der „diskriminierende“ Gehalt wird hier zwar festgestellt, aber sogleich auf eine hypothetische subjektive Erlebnisdimension reduziert („kann“ „als“ „belastend“ [!] „erfahren“ oder „aufgefasst“ werden). Das heißt: Objektiv sei da nichts diskriminierend.

Dabei liegt Steiners Zusammenhang mit der Tradition des europäischen Rassismus gerade bei der Vorstellung von vergreisten „Indianern“ auf der Hand: Dieses Stereotyp lässt sich lückenlos auf rassentheoretische Vorstellungen seit Kant (siehe oben), Blumenbach oder Linné rückbeziehen. All diese humanistischen Geister waren weit davon entfernt, die Ausrottung von Menschen zu predigen, sie alle aber konstruierten, wie Steiner, nachträglich deren Plausibilität im Rahmen der eigenen Theorieästhetik. Nach der Dezimierung der indigenen Völker Nordamerikas durch Verfolgung und eingeschleppte Krankheiten wanderten diese historisch-politischen Ereignisse in die Begriffsbildung der „indianischen Rasse“ ein. In diesem Begriff, dem, was er beschreiben sollte, ist die historische Tat geronnen. So bewusstlos wie funktional entlasteten die europäischen Rassetheoretiker den Genozid im Rückblick, indem sie jene „Rasse“ als besonders sterblich und schwächlich imaginierten. In dieser Rationalisierungsleistung zeigt sich, was Rassismus als Ideologie bedeutet: Ideologische Diskurse sind solche Rechtfertigungsdiskurse, die das Angesprochene zugleich benennen und mit einem falschen Schein umgeben. Sie sind politisch wie geschichtlich so bewusstlos wie, bewegt man sich in ihrem Einflussfeld, ausweglos. Steiner reproduziert ohne große Umstände das selbstapologetische kulturelle Gedächtnis und verleiht dem nur eine theosophisch-anthroposophische Pointe. Die rassistische Teleologie der „Wissenschaft vom Menschen“ um 1800 findet dabei eine Verschärfung im esoterischen Versuch um 1900, alles, was sowieso passiert, noch zur Manifestation des galaktischen Fortschritts zu verklären. Um den Zusammenhang von Gesellschafts- und Begriffsgeschichte zu verstehen, wäre es wichtig, das weite Feld zwischen politischer Verfolgung und ideologisch-idealisierender Begriffsbildung abzustecken und Steiner als Symptom zu lesen. Das ist von den Gesichtspunkten des Herausgeber-Kommentars weit entfernt. Trotzdem bleibt dieser kritische Kommentar innerhalb der Steiner-GA, wie gesagt, revolutionär. Dass es allerdings zur partiell kritischen Kommentierung kam, geht, wie jeder Fortschritt der inneranthroposophischen Rassismusdebatte, auf einen Anstoß von außen zurück.

Warum die neue Auflage?

Vor zehn Jahren nahm die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zwei Bände der Steiner-Gesamtausgabe in Augenschein: „GA“ 107 und eben 121. Das Bundesfamilienministerium hatte 2006 den Antrag gestellt, beide Bücher zu indizieren. Der enthusiastische Anti-Waldorflehrer Andreas Lichte und die Critical Whiteness-Theoretikerin Jana Husmann hatten diesen Vorgang wiederum mit zwei Gutachten angeregt. In anthroposophischen Kreisen wurde die institutionelle Ebene entsprechend ausgeblendet und das ganze Verfahren strikt als Agitation zweier „Gegner“ verharmlost. In der Tat ist es für das Verständnis von Steiners Zusammenhang mit dem europäischen Rassismus nahezu unerheblich, was irgendeine „Bundesprüfstelle“ (oder das vielzitierte Gutachten der niederländischen Anthroposophen) zum jugendgefährdenden Charakter bestimmter Textpassagen verlauten lässt. Rudolf Steiner-Archiv und Rudolf Steiner-Verlag nahmen jedoch mit einem ziemlich dummdreisten 51-seitigen Schreiben im Duktus eines Gegen-Antrags Stellung. Das ganze Verfahren sei missverständlich und unbegründet:

„Es wird daher beantragt, das Verfahren ohne weitere Prüfung einzustellen, auf eine Anhörung zu verzichten und den Antrag zurückzuweisen. […] Angesichts dessen, dass es ‚rassendiskriminierende Aussagen Rudolf Steiners‘ nicht gibt, kann keine Rede davon sein, dass – wie der Antragssteller behauptet – ‚Kinder und Jugendliche‘ damit in Berührung kommen, zumal dafür jeder Nachweis fehlt und auch nicht beigebracht werden kann.“ (Jonathan Stauffer und Walter Kugler für den Vorstand der Steiner-Nachlassverwaltung an die BPjM, 23. April 2007, Stellungnahme zu den Anträgen 782/06 u. 783/06, BMFSJ, 6.6.2006, S. 1, 3)

Dass Kinder und Jugendliche Steiner allen Ernstes lesen könnten, kam Stauffer und Kugler offensichtlich unwahrscheinlich vor. Dieses Urteil mag angesichts der seit Jahren rettungslos überalterten Anthroposophischen Gesellschaft überraschend realitätsgerecht sein. Dass eine Waldorfschullaufbahn dazu anregen kann, sich mit Steiner zu beschäftigen, ist dennoch evident. Obwohl im genannten Verfahren verschiedene weitere anthroposophische Institutionen ihren Einfluss geltend machten, Gutachter und Fürsprecher benannten, kam daher die BPjM zu folgendem Urteil:

„Der Inhalt des Buches ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen. […] Nach Auffassung des Gremiums finden sich im Vierten Vortrag vom 10.6.1910 (S. 68-85) sowie im Sechsten Vortrag vom 12.6.1910 (S. 104-119) Textpassagen, die aus heutiger Sicht als Rassen diskriminierend einzustufen sind, weil der Autor darin Menschen verschiedener ethnischer Herkunft aufgrund körperlicher Merkmale in unterschiedliche Wertungsstufen einteilt. […] Diejenigen Jugendlichen, die an Waldorfschulen unterrichtet werden, können aber sehr wohl ein Interesse an den Werken des Begründers und Namensgebers ihrer Schule entwickeln. Das Gremium sieht daher durchaus die Gefahr, dass gerade diese Jugendlichen die in den Texten enthaltenen negativen Bewertungen der nicht-europäischen Ethnien nicht kritisch hinterfragen […].“ (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Entscheidung Nr. 5505 vom 6.9.2077, Pr. 782/06)

„Das Gremium“ sah allerdings von einer Indizierung ab, da der Rudolf Steiner-Verlag zusicherte, die Bücher „nicht mehr in der vorliegenden Form zu veröffentlichen“, sondern mit kommentierten Neuauflagen zu versehen, so dass es sich um einen Fall „von geringer Bedeutung“ handelte. (vgl. ebd.) 2011 lag die Neuauflage für Band 107 der Steiner-GA vor, in der ein Vortrag umbenannt und schwiemelige Ausflüchte über den vermeintlich humanistischen Charakter der Steinerschen Rassenlehre hinzugefügt worden waren. (vgl. Die Rache des Steiner-Verlags) Nicht nur gegenüber diesem Band ist die Neu-Auflage des „Volksseelenzyklus“ begrüßenswert, sondern auch hinsichtlich der 2007 noch verteidigten Positionen. Im Hinblick auf unser Beispiel von den „aussterbenden Indianern“ hatte die oben zitierte Stellungnahme der  Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung noch offenherzig verlauten lassen, dass man den Gesichtspunkten des „Geistesforschers“ eigentlich nichts hinzuzufügen hatte:

„Aber das Anliegen Steiners ist hier nicht, die verbrecherischen Handlungen der Europäer an den Indianern zu verurteilen, sondern darauf hinzuweisen, dass die Handlungen der Europäer nur einen Aspekt des Verschwindens  der indianischen Bevölkerung darstellen. Der andere Aspekt ist der, dass in der indianischen Bevölkerung selbst eine Disposition lag, die sie gegenüber den europäischen Eindringlingen auch in physischer Beziehung wehrlos machte, nicht nur in technologischer Hinsicht. Im Hintergrund von Steiners Bemerkung kann auch ein solcher Gedanke wie der an die mangelnden Resistenzen gestanden haben.“ (Stauffer/Kugler a.a.O., 32f.)

Demnach waren Steiners Ausführungen zum Alter und „Aussterben“ der „indianischen Bevölkerung“ auf ihr Immunsystem bezogen. Glücklicherweise liegt die Verantwortlichkeit für Steiners Schriften inzwischen in anderen Händen.

„Erziehungskunst“ und Rassentheorie: „Weiterführende Literatur“ der Waldorf-Bewegung von 2016

Für aktuelle mögliche Kontaktflächen von anthroposopischem Rassismus und Waldorfschülern sind nicht die Steiner-Herausgeber in Dornach, sondern die Akteure der anthroposophischen Schulbewegung verantwortlich: Weit tendenziösere Literatur zu Steiners Rassebegriff wurde zuletzt im November 2016 in der Waldorf-Verbandszeitschrift „Erziehungskunst“ empfohlen. Dazu ist an Bohlens zitierte Feststellung zu erinnern, dass eine der problematischen Dimensionen von Steiners Rassebild darin liegt, „dass hier das ‚Absterben‘ […] als schon geschehene Tatsache der Vergangeheit dargestellt wird.“ (a.a.O.) Dagegen führte in der „Erziehungskunst“ Hans-Jürgen Bader ironischerweise die letztere Tatsache als apologetisches Argument an: „…dass Steiner nicht von der Gegenwart sprach, sondern von einer urfernen Vergangenheit…“, um über diese Zeiten anzudeuten:

„…als eine vorsintflutliche ‚weiße Rasse‘ den Übergang in die Zeit nach der Sintflut einleitete, indem sie sich mit anderen vermischte und aufhörte, zu existieren. Und ‚arisch‘ bedeutete bei Steiner nicht ‚weiß, blond, blauäugig, europäisch‘, sondern den gesamten nachatlantischen Zeitraum einschließlich der kommenden 6. und 7. Kulturepoche.“ (Bader: Rasse kann vieles bedeuten)

Der von Bader betonte Arier-Begriff entstammt der Indogermanen-Diskussion des 19. Jahrhunderts. „Arier“ sind für Steiner „die Weißen“ plus Iran, Indien und Naher Osten. Sie entwickeln über die bloße „Rasse“ hinaus „Kulturepochen“ und gelangen dadurch während der „nachatlantischen“ Zeit zu differenzierten Seelenqualitäten und Ich-Bewusstsein. Im Anschluss wird die Menschheit ohnehin wieder in leibfreie Daseinsformen übergehen. Steiner ging durchaus davon aus, dass die transparenten Weißen als erste aus dem physischen Dasein ausscheiden könnten, aber davon, dass diese in der Vergangenheit „aufhörte[n], zu existieren“, kann bei ihm keine Rede sein. Auch bei Bader wird Textdeuterei bloß zur Entpolitisierung und Entkonkretisierung von Steiners Konzept der „kaukasischen“ oder „weißen Rasse“ benutzt.

Die merkwürdige „geistige“ Einbettung der rassebiologischen Vorstellungen nimmt ihrem rassistischen Charakter nur in den Augen anthroposophischer Hofgeschichtsschreiber die Schärfe. Baders Text ist die Rezension zu einem Buch des US-Anthroposophen Robert Rose, der 2016 eine weitere hymnische Apologie der Steinerschen Mixtur von Individualismus und Ethnopluralismus vorgelegt hat. Als Übersetzer aus dem Englischen fungierte Lorenzo Ravagli, der mit Bader 2002 zwei Bücher mit dem gleichen Ziel und Inhalt publizierte. Roses Buch ist, wie inzwischen einige anthroposophische Versuche, wissenschaftliche Diskussionen zu beeinflussen, in einem „Berliner Wissenschaftsverlag“ erschienen. Es richtet sich gegen den Historiker Peter Staudenmaier, der 2010 eine Dissertation zur Rezeption der rassen- und völkerpsychologischen anthroposophischen Theorien 1933-1945 in Deutschland und Italien vorgelegt hatte. Davon liest man bei Rose allerdings kein einziges Wort, der bloß Steiners Rassebegriff vor Staudenmaier retten will – also die historische Problematik einmal wieder auf die Person des geliebten Gurus verkürzt. Gegen solche Versuche, diesen Rassebegriff in der Waldorf-Community lebendig und seinen Ruf unbeflekt zu halten, muss einem der knappe editorische Stil des neuaufgelegten „Volksseelenzyklus“ regelrecht sympathisch werden. Im reflexiven Problembewusstsein lässt Bohlens Kommentar die prominenter platzierten Äußerungen von Bader und Rose weit hinter sich. Bedauerlicherweise werden Kinder und Jugendliche wohl eher die letzteren beiden Texte zu Gesicht bekommen. Das Buch von Bader und Ravagli wird auf der Seite des Waldorf-Bundes nach wie vor offiziell empfohlen. In den (ausschließlich anthroposophischen) Literaturempfehlungen des Waldorflehrplans findet man 2017 kein einziges Lehrbuch zum Nationalsozialismus, dafür aber in der Liste „Weiterführende Literatur – Geschichte“ (Abruf am 21.3.2017) Karl Heyers „Studienmaterialien zur Geschichte des Abendlandes“, deren erster Band („Von der Atlantis bis Rom“) selbstverständlich mit der arischen Rasse beginnt. Viel haarsträubender ist die Liste „Weiterführende Literatur – Geographie“ (Abruf am 21.3.2017), wo unter anderen Herbert Hahns vier Bände „Vom Genius Europas. Wesensbilder von zwölf europäischen Völkern. Skizze einer anthroposophischen Völkerpsychologie“ empfohlen werden. Oder Christoph Göpferts „Das lebendige Wesen der Erde“. (vgl. dazu Jana Husmann: Schwarz-Weiß-Symbolik. Dualistische Denktraditionen und die Imagination von „Rasse“, Bielefeld 2011, S. 345-353) Schon diese beiden Publikationen zeigen die Bedeutung von Steiners „Volksseelenzyklus“ für den offiziellen waldorfpädagogischen Kanon der Gegenwart. Dass das nicht öfter in die Praxis einsickert, ist ein glücklicher historischer Zufall, auf den man sich aber nicht verlassen kann, so lange diese Bücher von den Intellektuellen der „Bewegung“ beworben werden. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Steiner-Verlag im jüngeren Katalysationsprozess dieser munteren Religionsgemeinschaft eine progressivere Entwicklung nehmen würde als die Literatur der Waldorf-Schulbewegung. Aber an beiden Stellen ist man offenbar ungeneigt, Steiners Rassentheorie den letzten Stoß zu versetzen.

21. März 2017 at 5:24 pm 9 Kommentare

Kontroverse Erlebnisse im Waldorfbürgertum: Zur Verfertigung postfaktischer „Wahrheiten“

Ein Gast-Beitrag von bobby*

(mit einem Nachtrag vom 3.3.2017)

In einen Kommentar zum Beitrag Waldorfschule Filstal – Schüler-Projekttage mit Ken Jebsen abgesagt von F. Rothacker am 9. November 2016 führt dieser aus:

„… Schade, dass hier Daniele Ganser und Ken Jebsen in einem Atemzug genannt werden. Zwischen den beiden Herren herrscht doch ein großer Unterschied!…

… Ganser ist in keinster Weise ein Verschwörungstheoretiker sondern in seinen Analysen einfach sehr kritisch – und nicht im „Mainstream“…Schade, dass der Bund der Freien Waldorfschulen hier selber auch nicht differenziert! …“

Der Kommentator hat nur teilweise Recht.

So wird Ken Jebsens primitive und pöbelhafte Art sofort augenfällig, wenn er seine kruden Botschaften ventiliert. So schreibt dieser schon während seiner Moderatoren-Tätigkeit beim Sender RBB an einer seiner Zuhörer:

„…ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffefreuds. bernays. in seinem buchpropaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten kriegesdeutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.…“
(Rechtschreibfehler im Original. Im vollen Wortlaut und Zusammenhang)

Trotzdem begeistern sich scharenweise Waldorfbündler für die widerwärtigen Agitationen des „Friedensaktivisten“, Verschwörungstheoretikers und ehemaligen Waldorfschülers Jebsen, der die Bürger versucht aufzuklären über die wahren Machenschaften der Eliten.

In Gegensatz zum „kultiviert“ auftretenden Daniele Ganser der, auf den ersten Blick, scheinbar Kompetenz und Zuverlässigkeit verbreitet. Entgegen der Vermutung des Kommentators ist „Friedensforscher“ Ganser, auch er war Waldorfschüler, aber weitaus gefährlicher, noch bösartiger und verlogener als Ken Jebsen. Doch dazu später mehr.

Zunächst zum Bund der Freien Waldorfschulen. Es stellt sich dabei in diesem Zusammenhang zunächst die Frage:

Könnte es sein, dass die mehr als auffälligen Verschwörungsgedanken von Personen wie Ganser und Jebsen auch entscheidend mitgeprägt worden sind von einer stark weltanschaulichen ausgerichtete Pädagogik in ihrer Schulzeit, sozusagen als Spätfolge einer Art von „Waldorfschädigung“?

Ein unmittelbarer, kausaler Zusammenhang zwischen Schulbildung und späterer Werdegang eines Menschen sollte gewiss immer skeptisch und unter großen Vorbehalten gesehen werden. Zumindest die Notwendigkeit einer solchen Fragestellung dürfte sich aber ergeben wenn man sich das Verhalten von Vertreter dieser Schulbewegung in der heutigen Auseinandersetzung um rechtsextreme Tendenzen vor Augen führt. „Da wird man wohl noch fragen dürfen!“

Beispiel: Die Waldorfbewegung und die Mosmann-Kontroverse

Henning Kullak-Ublick, Vorstand und Presseverantwortlicher des Bundes der Freien Waldorfschulen, hatte sich ursprünglich mit erfreulich deutlichen Worten mehrfach von extremistischen Tendenzen an Waldorfschulen distanziert. So auch am 10.07.2015 in einem Rundbrief an die Kollegien der Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen wo er unmissverständlich auf die Gefahr für Waldorfschulen hinweist die von Neurechten, Reichsideologen und Verschwörungstheoretiker wie Ken Jebsen ausgeht. Das Ergebnis war eine beispiellose Welle der Empörung anthroposophischen Wutbürgertums.

Kullak-Ublick schreibt dazu in einem Antwortschreiben an Heinz Mosmann, Geschichtslehrer an der Freien Waldorfschule Heilbronn in einem „offenen Brief“ vom 01.11.2015:

„…Ich habe mich in meiner Antwort bemüht, aus der Vielzahl von Zuschriften, die ich bekommen habe, einige wesentliche Aspekte herauszuziehen. Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass eine für mich bestürzend große Zahl von Zuschriften auf einem Niveau geschrieben wurden, das meine Besorgnis eher noch hat steigen lassen. Ich weiß jetzt nicht nur, dass ich der „Teufel aus dem Dreikönigsspiel“ bin, dazu „vollkommen Ich-los“ und eigentlich gar nicht Ken Jebsen gemeint habe, sondern in Wirklichkeit Rudolf Steiner verraten wollte. Über die persönliche Betroffenheit hinaus machen mich aber vor allem die Zuschriften nachdenklich, die jede diskursive Debatte hinter sich zurückgelassen haben. Die Heftigkeit, mit der hier „zurückgeschossen“ wurde, hatte nicht selten sektiererische Züge. Da in den Monaten, seit ich den Brief geschrieben habe, kein Tag vergangen ist, an dem ich mich nicht damit befassen musste, werde ich von weiteren Erklärungsversuchen absehen…“

In diesem Briefwechsel werden von Herrn Mosmann, beispielsweise beim Thema Verschwörung, mal wieder die Rollen und Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit verdreht und verstellt. Das ist so üblich und symptomatisch bei Verschwörungstheoretikern. Und dazu ganz im Sinne von Daniele Ganser und Ken Jebsen. Mosmann beschwert sich lautstark gegen den „unreflektierten und diskriminierenden Gebrauchs des Ausdrucks „Verschwörungstheoretiker““. Er sieht diejenigen die sich um „konstruktive und lebensfähige Sozialideen“ bemühen als Opfer einer „echten“ Verschwörung der sogenannten „bestehenden politischen Strukturen“. Gegen die Aufklärung zu suchen täte wahrlich not, so Geschichtslehrer (!) Mosmann. Gegen die „öffentlich manipulierte Meinung“, gegen die „gleichgeschaltete Presse“. Er wirft Herr Kullak-Ublick symptomatisch fehlendes Verständnis für den Sozialimpuls Rudolf Steiners vor aus Rücksicht auf offizielle Stellen und die öffentliche Meinung.

Im Vorspann zum selben Schreiben schwächt Kullak-Ublick die Vorwürfe gegenüber Ken Jebsen (seine Nähe zu rechten oder „reichsbürgerlichen“ Ideologien) nach einem persönlichen Gespräch mit ihm entscheidend ab und entschuldigt sich. Dabei ist zu erwähnen, dass der „Friedensaktivist“ Ken Jebsen überhaupt nicht friedfertig ist, wenn es um Gerichtsklagen gegen ihm missfällige Personen geht. Es wäre aber bösartig zu vermuten, dass dieses bei der Gemütswandlung von Kullak-Ublick evtl. einen Einfluss gehabt haben könnte.

Des Weiteren versucht er den Inhalt seines ursprünglichen Rundbriefes zu entschärfen, wo es nur geht. Es ist schon peinlich zu sehen, wie sehr er seine Meinung bis zur Unkenntlichkeit und bis zur Selbstverleugnung verbiegt. Nur Weniges wird ganz zaghaft versucht aufrecht zu erhalten. Der Waldorf-Mob hat seine Wirkung nicht verpasst.

Es muss leider festgestellt werden, dass von seinem ursprünglichen, erfreulich deutlichen Worten, wie im Inhalt des Rundbriefes, nur erschreckend wenig übrig geblieben ist. Jedenfalls dürfte Kullak-Ublick es in Zukunft schwer haben das Verhältnis der Bund der Waldorfschulen zum rechtsextremen Gedankengut glaubwürdig zu definieren.

So wurde der Bund der Freien Waldorfschulen mehr oder weniger einen Maulkorb verpasst. Das wird so geteilt, natürlich blütenreich verdeckt formuliert:

„…Die Auseinandersetzung…ist eine Chance, das Bewusstsein für zeitgemäße Meinungsbildungsprozesse und das Selbstverwaltungsideal der Freien Waldorfschulen zu schärfen… möge er Fruchtbares für die Entwicklung der Waldorfschulbewegung bringen…“

Es macht traurig folgern zu müssen, dass in der Schulbewegung bestürzend wenig Bereitschaft vorhanden ist, eigene abwegige Einsichten auch nur annähernd zu überprüfen oder gar ansatzweise in Frage zu stellen.

Ganz offen gesagt: Ich würde heute meine Kinder nicht einer Waldorfschule anvertrauen können, wo ein Lehrer wie Herr Mosmann Geschichte unterrichtet, wo Demagogen wie Ken Jebsen und Daniele Ganser agieren dürfen und wo mindestens von Teilen einer Schulgemeinschaft, Eltern und Lehrern, extremes Gedankengut offen und fanatisch umarmt wird. Vom Waldorf-Wutbürgertum möchte ich meine Kinder fernhalten.

Daniele Ganser, Verschwörung und Querfront

Herr Ganser muss als Verschwörungstheoretiker reinsten Wassers gesehen werden, der sich nicht scheut, in einer scheinbar sauberen, quasi-wissenschaftlichen Verpackung alles was krumm ist gerade zu biegen und vice versa. Er zeigt sich als Meister der Täuschung und Manipulation und versteht es bestens in geschickter Weise ein anti-westliches Weltbild voller Ressentiments mit dazu passenden Verschwörungstheorien als wissenschaftlich fundiert zu verkaufen. Ganz im Sinne Putinnaher Querfront-Netzwerke, die mittlerweile in unsere Gesellschaft ganz offen agieren. Womit sich Ganser heute aber, genau so offen, dazu immer häufiger und neuerdings auch ganz ungeniert, verbündet. In der Tat „sehr kritisch“ im anti-amerikanischen und anti-westlichen Sinne, vor allem aber auch offensichtlich wahrheitswidrig und natürlich weit, weit abseits vom sogenannten „verlogenen Mainstream“.

Nebenbei: Der mittlerweile äußerst populär-populistische Begriff „Mainstream“ beinhaltet eine sehr wirklichkeitsfremde Verallgemeinerung und Gleichschaltung der herkömmlichen Medien, die flächendeckend dämonisiert und tabuisiert werden sollen. Wie eine Neuauflage der sogenannten „Lügenpresse“ aus vergangenen Zeiten. Personen, die Verschwörungsgedanken verhaftet sind und sich dazu häufig in mehr oder weniger extremistische Kreise bewegen, definieren ihre radikalen Meinungen grundsätzlich als abweichend vom Mainstream. Als Gütezeichen. Diese Methode bedienen sich auch extreme Organisationen wie AfD, Pegida, NPD, Identitären, Reichsbürgerbewegung und vergleichbaren die heute ihr Unwesen in der Öffentlichkeit treiben und endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Leider ganz besonders auch in anthroposophischen Kreisen die sich von Herrn Ganser in ihrer Weltsicht geradezu bestätigt zu fühlen scheinen. Da passt manches wie maßgeschneidert zusammen zu den eigenen esoterischen Sichtweisen und Geschichtsschreibungen. Wo angeblich okkulte angloamerikanische Bruderschaften des Westens unter Führerschaft obskurer Hintermänner ihr Unwesen treiben und die Weltgeschicke zu bestimmen versuchen. Häufig in mehr oder weniger verdeckter Anlehnung an antisemitischen Verschwörungsthesen.

Es wäre aber eigentlich eine viel zu große Ehre, Gansers Ideen als ernsthafte Verschwörungstheorien zu bezeichnen. Theorien sollten wenigstens den Anspruch haben, unterbaut zu sein. Gansers Denken stellt sich dagegen zusammenaus einer Ansammlung von Spekulationen. Sie bilden eine durchaus gekonnt vorgetragene und publikumswirksame Mischung aus offensichtlichen Wahrheiten, Halblügen und Lügen. Seine Visionen leiden dazu chronisch und zwanghaft unter dem zweifelhaften Anspruch bisheriges, anerkanntes Wissen ständig in Frage stellen zu müssen. Dabei ist es aber vor allem Gansers Verschwörungsdenken, das schon nach einer etwas genaueren Überprüfung in sich zusammen fällt. Wie die WTC Türmen am 9/11. Da bleibt nichts übrig als Rauch und gähnende Leere. Und die Glaubensgemeinschaft fällt voll darauf rein.

Die Begriffe Verschwörungsphantasien oder Verschwörungsmythen wären deshalb bei Ganser angebracht und sollten in Zusammenhang zu ihm verwendet werden. Mehr dazu in den unbedingt lesenswerten und exzellenten Ausführungen von Irma Kreiten, die in einer sehr umfangreichen und gründlichen Analyse Gansers Wirken und seine Verbindung zur Querfront in allen Einzelheiten auseinandernimmt. In zusammengefaster Form auch hier.

Auch Ganser bestreitet mit empörter Vehemenz, Verschwörungstheoretiker zu sein. Auch hier muss festgestellt werden: Es ist das typische Verhalten von einem Verschwörungsphantasten, der passend zu seiner eigenen Vorstellungswelt den Vorwurf der Verschwörung abstreitet und an die bösartige und bedrohliche Außenwelt zurückspielt. Er macht der Außenwelt damit genau das zum Vorwurf, was er selbst unentwegt tut: Verschwörungsvorstellungen in die Welt zu setzen. Und lenkt so von der eigenen Verlogenheit ab.

Damit liegt Ganser ganz im Trend seiner Gesinnungsgenossen wie Ken Jebsen und sonstigen obskuren Ideologen die im Umkreis des Kopp-Verlages und des Compact-Magazins Jürgen Elsässers aktiv sind: Je hemmungsloser gelogen wird, desto grösser, radikaler und fanatischer ist die Anhängerschaft der Belogenen. Wenn die Lüge genügend oft und intensiv genug betrieben wird, verschwindet im Bewusstsein der Menschen immer mehr die Fähigkeit zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. „Alles ist nur relativ. Es wird eh nur gelogen…“ heißt es. Die Begriffe „Political Correctness“ und „Gutmenschen“ werden zum Schimpfwort einer perversen und Putin-verfallenen Leitkultur neuer Generationen von Wutbürger. Es schließt sich der Kreis des populistischen Wahnsinns. Die Schatten der Vergangenheit werden lebendig.

Neuerdings ganz eminent auch in den USA, wo Donald Trump unter vergleichbaren Voraussetzungen und mit vergleichbaren Methoden gerade zum Präsidenten gewählt worden ist. Mit unabsehbaren und, wie es sich immer mehr zeigt, dramatischen Folgen. Hinter diesem Machtwechsel darf man durchaus führende Hand des russischen Geheimdienstes annehmen. Die Sicherheitsdienste CIA, FBI und NSA sind sich mittlerweile einig, dass der russischen Geheimdienst, sogar Wladimir Putin persönlich, von Moskau aus die entscheidenden Cyberangriffe steuerte – mit der Absicht, den Wahlausgang zum Vorteil von Donald Trump zu beeinflussen. Neuerdings wurde außerdem ein USA-Elektrizitätswerk ebenfalls von Seiten der russischen FSB erfolgreich gehackt. Dadurch könnte im Ernstfall sogar jederzeit die lebenswichtige Stromversorgung des Landes außer Betrieb gesetzt werden. In Kontrast dazu einen Twitter-süchtigen Neu-Präsidenten, damit beschäftigt über dieses Medium Nettigkeiten zu Putin auszutauschen, statt dessen sich aber chronisch verweigert die Realität zu stellen und bis vor wenigen Tagen nicht einmal bereit war sich über die Ernst der entstandenen Sicherheitslage seinen Sicherheitsdiensten auch nur anzuhören.

Die ungeheuerliche Frage die weltweit für das Jahr 2017 gestellt werden muss: Welches Land ist das nächste Opfer russischer Einflussnahme?

Die Propagandawelle russischer Machart läuft bereits lautstark auf Hochtouren in den zahlreichen Medien der Putintreuen Netzwerke. Daniele Gansers Beitrag dazu ist offenkundig und wird frenetisch bejubelt. Zu seiner Entlarvung reicht eigentlich schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis der neuerdings von ihm veröffentlichten anti-amerikanische Hetzschrift „Illegale Kriege“. Da soll dem Leser offenbart werden, wer angeblich der große Kriegstreiber auf dieser Welt ist: Das Imperium Amerika… Aber ja, natürlich!

Es braucht nur ein wenig geschichtliches Grundwissen, einen Blick auf die Weltkarte und ein Mitverfolgen der Tagesaktualität (aber bitte nur die „Mainstream“ Medien!) um festzustellen wer gegenwärtig und in der Vergangenheit der neueren Geschichte nach Ablauf des Zweiten Weltkrieges, der wirkliche Imperial-Macht und Kriegstreiber ohnegleichen war und ist. Nur als Beispiel in der Aktualität sollten die massiven und menschenverachtenden Kriegsverbrechen des Kreml-Diktators in Syrien genannt werden. Zum Ausbau der russischen Machtposition weltweitund zur Destabilisierung und Auflösung der Bündnisse des verhassten Westens. Im Hintergrund steht dabei die Wahnvision eines von Russland gesteuerten Eurasien!

Genau diese Voraussetzungen der Allgemeinbildung fehlen offenbar weitgehend bei so manchen Vertreter des heutigen „homo anthroposophicus“. Sie werden dadurch zu unwissenden „Opfern“ und naiven Anhängern moderner Propaganda. Oder ist es tatsächlich eine ideologische Verblendung postfaktischer Art, heute ohnehin weit verbreitet, in einer unheiliger Allianz mit der altbewährten Arroganz und stramme Überheblichkeit der eigenen, von Verschwörungsmythen „durchgeistigten“ Weltanschauung? Wahrscheinlich trifft beides zu. Unwissenheit, Naivität verbunden mit einer Portion geistig verblendeter Überheblichkeit.

Auch die Kontroverse um den Geschichtslehrer Heinz Mosmann sollte gerade auch in diesem Zusammenhang gesehen werden! Verbunden mit ihrer Auswirkung auf Generationen von Waldorfschülern, die eine verzerrte Darstellung von Geschichte und Gesellschaft für ihren Lebensweg vermittelt bekommen!

Eine brandgefährliche Mischung braut sich da zusammen im postfaktischen Zeitalter des 21. Jahrhunderts. Fakten, Tatsachen, Argumente, alles was beiträgt zur Aufklärung, werden verdreht und verdrängt von dumpfen Gefühlen und teilweise offensichtliche Lügen von Heilsversprechungen neuer Verführer.

Nachtrag I: Das (Un)Wort des Jahres 2016 ist „Postfaktisch“

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat das am 9. Dezember 2016 bekannt gegeben. Die Jury, zusammengesetzt aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wählte aus rund 2000 Belegen zehn Wörter und Wendungen:

„…die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben. Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden. Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen »post-truth«, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« (»feel true«) führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg…“

Da haben uns anscheinend die Schatten der dunklen Hintermänner der angloamerikanischen Bruderschaften auch noch das postfaktische Zeitalter mit einem Trump(f) als „bad joker“ verpasst.

Daniele Ganser lässt grüßen!


Nachtrag II (3.3.2017)

Eklat in einer Arena – Entzauberte Verschwörungswelt eines Friedensforschers

Eine Dokumentation mit Kommentaren von bobby

Zu Daniele Ganser und Verschwörungen gab es in den letzten Tagen mehrere Medienartikel und 2 sehenswerten und vielsagende Sendungen im öffentlichen Schweizer Fernsehen.

Zur Information: Die Sendungen „Arena“ und „Einstein“ gehören zum Besten was die SFR zu bieten hat, mit entsprechenden Höchst-Einschaltquoten. Da ging es ums Ganze für Ganser vor einem Millionenpublikum.

Die Weblinks befinden sich weiter unten:

Watson, 25.02.2017:

„Nicht die Wahrheit“: Jonas Projer stellt Verschwörungstheoretiker Ganser bloß & Die Sendung dazu im Schweizer Fernsehen „Arena“: „Trumps Krieg“

Der Eklat um Daniele Ganser

Freitag, 24. Februar 2017, 22:25 Uhr

Dauer: 70:01 Minuten, mit Untertitel

„…Wie glaubwürdig sind die Medien? Trumps Kriegserklärung an die Pressevertreter war Anlass genug für die „Arena“, die Gretchenfrage zu stellen. Im Zentrum stand dann aber nicht der Zustand der Medien, sondern die Glaubwürdigkeit des umstrittenen Historikers Daniele Ganser.

Daniele Ganser wird sich gewünscht haben, niemals in diese „Arena“ gekommen zu sein. 20 Minuten alt war die Sendung, und der erste Pulverdampf nach dem Schlagabtausch zwischen den beiden Selbstdarstellern Claudio Zanetti (Nationalrat SVP und Twitter-Agitator) und Roger Schawinski (Radiopionier und Narzissmus-Experte) verzog sich langsam, als Moderator Jonas Projer den Historiker Daniele Ganser eiskalt erwischte: „Herr Ganser sagt nicht die Wahrheit…“

Ganser verstrickt sich hoffnungslos in Widersprüche, die der Historiker nicht auflösen konnte – und die ihm zum Verhängnis wurden. Widersprüche bezüglich seines persönlichen Mailverkehrs und seine Twitter- Äußerungen zu der Sendung „Einstein“ (Siehe unten) wo seine Forschung zum Einsturz des WTC7 als Verschwörungstheorie abgetan wurde. Immer wieder plädiert „der studierter Historiker, selbsternannter Friedensforscher, fremdbetitelte Verschwörungstheoretiker und Maniker dafür, unvoreingenommene Untersuchungen zum Einsturz des WTC 7 durchzuführen, mit einer Hartnäckigkeit, die an einen Getriebenen erinnert“.

Ab 9:40-25:00

Es ist schon erschütternd zu sehen wie Ganser entlarvt wird. Mehr als peinlich für ihn ist seine Unfähigkeit mit kritischen Fragen umzugehen, die ihm ganz offensichtlich missfallen. Damit wird er von Seiten der Community anthroposophischer und sonstiger Adepten normalerweise nicht konfrontiert. Da verliert er teilweise sogar die Fassung und kann seine intolerante Gesinnung nicht verbergen. Er zeigt in der Diskussion eine kleinliche, eine rechthaberische Getriebenheit mit fast schon pubertären Zügen. Es fehlt ihm dabei jegliche Spur wissenschaftlicher Souveränität.

Ab 38:00, 40:45, 47:30, 60:00

Es kommt nur noch zu gelegentlichen, kürzeren Äußerungen von einer jetzt sichtlich gezeichneten Daniele Ganser.

Anfang der Sendung:

Daniele Ganser, umstrittener Publizist, wird vorgestellt:

„…Ich bin froh, dass ich mit meiner Community unverfälscht kommunizieren kann…“

Nach der Sendung:

„…Es gehe nicht an, ihn als umstrittenen Historiker und Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen…“, erklärte Ganser. „…Er überlege sich entsprechende Schritte…“

Weiter wollte sich Ganser nicht äußern: „…Der Skiurlaub stünde vor der Tür…“

Teilnehmer der Sendung :

Moderation: Jonas Projer

Zwei Gäste, die Medien produzieren:

Roger Schawinski, Journalist und Medienpionier, Narzissmus-Experte

Karin Müller, Chefredakteurin Telebasel

Zwei Gäste, die den Medien misstrauen:

Claudio Zanetti, Nationalrat SVP (AfD-naher, teilw. populistischer Schweizer Volkspartei) und Twitter-Agitator

Daniele Ganser, Publizist („Friedensforscher“ und „Verschwörungstheoretiker“)

Zwei Gäste, die Medien beaufsichtigen:

Markus Spillmann, Präsident Stiftungsrat Schweizer Presserat (Ex-NZZ-Chefredakteur )

Vincent Augustin, Präsident Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI)

Schweizer Fernsehen „Einstein“

Die Anatomie von Verschwörungstheorien

Donnerstag, 26. Januar 2017, 21:00 Uhr

Dauer: 40:43 Minuten, mit Untertitel

Zur Sendung:

„…Einst waren sie eine Randerscheinung, doch heute sind Verschwörungstheorien mitten in der Gesellschaft und Politik angekommen. „Einstein“ zeigt, wie sie funktionieren, warum sie so attraktiv sind und welche Rolle das Internet bei der Verbreitung spielt. Wir blicken in die Geschichte der Verschwörungstheorien und spannen den Bogen zur Gegenwart. Mit einer Sendung über die Entstehung und die Macht von Verschwörungstheorien…“

Im Zentrum der Sendung Michael Butter, Professor für Amerikanistik an der Universität in Tübingen und Experte für Verschwörungstheorien.

Ab 7:50

Ganz ausführlich der Hauptbeitrag zu Daniele Ganser:

Der Schweizer Historiker Daniele Ganser ist eine große Nummer, wenn es um die Kritik an der offiziellen Erklärung der Terroranschläge vom 11. September geht. Ganser ist populär, seine Vorträge sind ausverkauft, Hunderttausende folgen ihm auf Youtube. Was sind seine Argumente, wie wurde er zum 9/11-Kritiker und ist er deswegen ein Verschwörungstheoretiker?

Ab 25:50

Das Prinzip der „Confirmationbias“ (Bestätigungsfehler)* im Internetzeitalter:

Die psychologische Bestätigungsfalle der Informations- und Kommunikationsfilterblasen im Internet.

Dabei die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Durch die dauernde Wiederholung und die Vermeidung sonstiger Infoquellen, wird gar nicht bemerkt, wie sich dadurch die eigene Meinung korrumpiert im Sinne einer nicht-faktenorientierter, dumpfer, unkritischer und manipulativer „gefühlter Wahrheit“. Ob wahr oder falsch wird dabei ganz unerheblich in der postfaktischen Welt „alternativer Wahrheiten“. Die „alternativen Medien“ machen sich somit der menschlichen Skepsis, die Komplexität der Welt und die schnelle Vernetzung zunutze um Menschen zu verunsichern und im manipulativen Sinne zu beeinflussen.Meistens auf Kosten von anderen Menschen und Menschengruppen:

Ab 32:30

Bis heute ein Besteller und ein zentraler Baustein bösartigsten Verschwörungsdenkens sind die „Die Protokolle der Weisen von Zion“ und derdamit verbundenen Glauben an einer „jüdischen Weltverschwörung“ in Nationalsozialistischer Vergangenheit. Unbeeindruckt von den Verbrechen dieser Zeit gehören die Protokolle heute mittlerweileweltweit wieder zur Tagesordnungund dienen als Legitimation menschenverachtenden Denkens in völkischen und rechtsesoterischen Kreisen.

Quellen zum vorherigen, in Textreihenfolge:

Watson, 25.02.2017:

„Nicht die Wahrheit“: Jonas Projer stellt Verschwörungstheoretiker Ganser in Eklat-„Arena“ bloß

http://www.watson.ch/Schweiz/watson-Leser%20empfehlen/727031345-%C2%ABNicht-die-Wahrheit%C2%BB–Projer-stellt-Verschw%C3%B6rungstheoretiker-Ganser-in-Eklat-%C2%ABArena%C2%BB-bloss

Die Sendung dazu im Schweizer Fernsehen „Arena“: „Trumps Krieg“

Der Eklat um Daniele Ganser

Freitag, 24. Februar 2017, 22:25 Uhr

http://www.srf.ch/sendungen/arena/trumps-krieg-2

Schweizer Fernsehen „Einstein“:

„Die Anatomie von Verschwörungstheorien“

Michael Butter & Daniele Ganser

Donnerstag, 26. Januar 2017, 21:00 Uhr

https://www.srf.ch/sendungen/einstein/die-anatomie-von-verschwoerungstheorien

FAZ, 23.02.2017:

„Kopp-Verlag – Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen“

Zu Daniele Ganser

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kopp-verlag-profitiert-von-fluechtlingskrise-14890834.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

*

„Confirmation bias“ (Bestätigungsfehler):

https://de.wikipedia.org/wiki/Best%C3%A4tigungsfehler

http://www.decisions.ch/publikationen/confirmation_bias.html

Nach der Sendung:

Hintergründe zum Eklat Daniele Gansers in der „Arena“Sendung Trumps Krieg:

(von Freitag, 24. Februar 2017, 22:25 Uhr)

„Ziel ist es darzulegen, dass wir dringend und schon lange eine Debatte über das Imperium USA und die Kriegslügen in den Massenmedien brauchen“

So begründet Daniele Ganser auf Facebook seine eigene verschwörungstheoretische Agenda bei der Teilnahme an der Gesprächsrunde am  24. Februar 2017. Abweichend vom eigentlichen Thema der Sendung: Trumps Krieg – Die Auseinandersetzung um klassischen  Medien („Mainstream Medien“) und Social Media in Amerika und in der Schweiz. Ganser nutzt das öffentliche Podium eines Millionenpublikums der SFR um sich als Wissenschaftler und als selbsternannten „Friedensforscher“ mit seine „Forschungsresultate“ zu präsentieren („Dialog ist wichtig“) und stellt sich dadurch gezielt im Mittelpunkt der Sendung. Er sieht sich von der „Lückenpresse“ der SFR als Verschwörungstheoretiker unfair angegriffen und fühlt sich als Historiker diffamiert.

Hintergrund dabei ist die Sendung „Einstein“, gesendet am 26.01.2017, ebenfalls vom SRF. Thema dieser Sendung war „Die Anatomie von Verschwörungstheorien“. Durch seine Teilnahme will er, so Ganser wörtlich, die SRF „eine zweite Chance“ geben, obwohl „man vorher nie weiß, in welche Richtung sich die Debatte entwickeln wird und ob man als Wissenschaftler seine Forschungsresultate auch wirklich präsentieren kann“

Zur Sendung „Einstein“ vom 26.01.2017:

Schon im Vorfeld dieser Sendung gab es eine telefonische Korrespondenz zwischen Daniele Ganser und Peter Höllrigl, Redaktionsleiter von „Einstein“. Ganser dazu auf Facebook:

„Ich hatte Peter am Telefon vor der Sendung erklärt, dass „Verschwörungstheorie“ ein Kampfbegriff sei und nicht zu einer sachlichen Untersuchung von 9/11 beitrage, er müsse WTC 7 bringen in der Sendung. Das hat Peter dann auch gemacht.“

Direkt nach der Sendung vom 26.01.2017, 21:00-21:45 Uhr schreibt Ganser an Peter Höllrigl privat per E-Mail um 21:52 Uhr:

„Ich fand den Teil zu 9/11 und WTC7 fair und sachlich. Danke.
Der Mix mit „Klimalüge“ und Protokolle hingegen fand ich schlecht.“

Am nächsten Tag, am 27.01.2017, 13:14 Uhr, äußert sich Ganser allerdings in Widerspruch dazu öffentlich gegenüber seiner Community auf Twitter:

„Der Begriff <Verschwörungstheoretiker> ist ein Kampfbegriff. Er taugt nicht, um den Einsturz von WTC7 zu erklären. Er wird von jenen verwendet, die nicht wollen, dass 9/11 neu untersucht wird, trotz der vielen offenen Fragen.“

„Für das SRF ist kritische Forschung zu WTC7 = Verschwörungstheorie. Diffamierung statt Aufklärung. Schade! „

Er widerspricht damit seine Äußerung vom Vortag um 180 Grad und bezogen auf den Themen „9/11 und WTC7“, dessen Darstellung er ein Tag vorher als „fair und sachlich“ qualifiziert hat.

In der Sendung „Trumps Krieg“ kommst es deshalb zum Eklat. Gansers ventiliert wie immer seine verschwörungstheoretische „Forschungsdarstellungen“. Sie werden von Seiten des Moderators Jonas Projer unterbrochen und er wird mit seinen widersprüchlichen Äußerungen bezüglich der Sendung „Einstein“ konfrontiert. Projer stellt die wissenschaftliche Seriosität Gansers als solche in Frage. Gansers wutentbrannte und rechthaberische Reaktionen im weiteren Verlauf der Sendung wirken da nur peinlich und untergraben zunehmend seine Glaubwürdigkeit.

Daniele Ganser reitet unentwegt herum auf seinen Status „Wissenschaftler und Friedensforscher“. Sie schützt aber nicht vor verschwörungstheoretischen Verirrungen. Auch wenn Ganser anscheinend nicht willens und nicht fähig ist, das einzusehen.

Moderator Jonas Projer fasst zusammen im Interview am Tag nach der Sendung:

„…Sie (die Sendung) hat mich als Moderator an meine Grenzen gebracht – ich habe wohl noch nie eine so turbulente «Arena» erlebt…

…Wir wollten Leute involvieren, die sich sonst eher in ihren eigenen medialen Räumen bewegen – Leute mit Ansichten wie Daniele Ganser, die sich in erster Linie in Foren und über obskure Online-Kanäle informieren. Unser Thema war ja das Misstrauen gegenüber den klassischen Medien. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich da ein Graben durch unsere Gesellschaft zieht. Ein Graben zwischen jenen, welche Vertrauen haben in Medien, Wissenschaft, Politik – und jenen, welche dem sogenannten «System» misstrauen. Wir wollten, dass in dieser «Arena» jemand mit am Tisch saß, der für diese misstrauischen Leute spricht…

…Aber ich habe ein Grundvertrauen in die Wissenschaft, in unsere Demokratien und, ja, in die Medien. Sonst könnte ich ja diesen Job nicht machen. Wer hingegen mutmaßt, dass hinter 9/11 oder hinter dem Attentat auf «Charlie Hebdo» womöglich eine Verschwörung steckt, der hat dieses Grundvertrauen nicht. Das war in meinen Augen die zentrale Konfliktlinie, der entscheidende Graben der Sendung…

…Wir sollten mehr Inhalte konsumieren, in denen wir mit anderen Ansichten konfrontiert werden, und weniger im eigenen Saft der personalisierten Facebook-Timeline schmoren. Klar, das ist angenehm, da ist man zu Hause, da fühlt man sich wohl. Da teilen sogenannte Freunde Inhalte mit einem, die die eigene Weltanschauung bestätigen. Aber daraus sollten wir ausbrechen…

…Wenn wir das nicht machen, wenn wir uns nur noch in unseren Communities informieren und die klassischen Medien verkümmern lassen, dann hat die Demokratie ein Problem, davon bin ich überzeugt…“

Quellen der Hintergründe, chronologisch:

 Daniele Ganser auf Twitter

27.01.2017

https://twitter.com/DanieleGanser/status/824953776280854528

 Dr. Daniele Ganser auf Facebook

23.02.2017

https://www.facebook.com/DanieleGanser/photos/a.1316989438362534.1073741828.1295830533811758/1352140961514048/?type=3

Trumps Krieg – Arena (SRF)

24.02.2017

http://www.srf.ch/sendungen/arena/trumps-krieg-2

Stellungnahme zur Sendung – Arena (SRF)

24.02.2017

http://www.srf.ch/sendungen/arena/content/download/12236031/136355151/version/1/file/Zur%20Arena%20vom%2024.02.17.pdf

Jonas Projer auf Facebook

24.02.2017

https://twitter.com/jonasprojer/status/835255914965913600

 Dr. Daniele Ganser auf Facebook

25.02.2017

https://www.facebook.com/DanieleGanser/posts/1354077571320387

 Jonas Projer im Interview (Watson)

26.02.2017

http://www.watson.ch/International/Interview/239030068-%C2%ABArena%C2%BB-Projer–%C2%ABDiese-Sendung-hat-mich-an-meine-Grenzen-gebracht%C2%BB-?utm_source=topbox

 Rezensionen zur Sendung, chronologisch:

(Kommentar von Daniele Ganser zu den Rezensionen:

Für mich ist es nach dem unfairen Angriff in der SRF Arena spannend zu sehen, welche Medien mich verteidigen und welche nachtreten. Die Verteidigung läuft vor allem in den Sozialen Netzwerken, dafür bin ich sehr dankbar. Und auf unabhängigen Blogs wie Propagandaschau (!!!) oder Friedensblick.)

2017.02.25 Dr. Daniele Ganser enthüllt unsauberes Zitieren der Fernsehsendung -Arena- (Friedensblick)

http://friedensblick.de/23812/dr-daniele-ganser-deckt-unsauberes-zitieren-der-schweizer-fernsehsendung-arena-auf/

2017.02.25 TV-Kritik – «Arena» kurz vor dem Abbruch (Persoenlich.com)

http://www.persoenlich.com/tvkritik/arena-kurz-vor-dem-abbruch

2017.02.26 Arena – Konfuse Diskussion über eine E-Mail (Persoenlich.com)

http://www.persoenlich.com/medien/konfuse-diskussion-uber-eine-e-mail

2017.02.26 Attacke auf Daniele Ganser – SRF beherrscht die miesen Tricks der Propaganda (Propagandaschau)

https://propagandaschau.wordpress.com/2017/02/26/attacke-auf-daniele-ganser-auch-das-srf-beherrscht-die-miesen-tricks-der-propaganda/

2017.02.27 SRF Arena – Verschwörungs-Theoretiker gegen Lückenpresse (Kleinreport)

http://www.kleinreport.ch/news/srf-arena-verschworungstheoretiker-gegen-luckenpresse-86525/

2017.02.27 Verschwörungspraxis, live am Schweizer Fernsehen (Christoph-Pfluger)

http://www.christoph-pfluger.ch/2017/02/27/verschwoerungspraxis-live-am-schweizer-fernsehen/

Weblinks:

Weblink 01″Waldorfschule Filstal“:

https://waldorfblog.wordpress.com/2015/07/10/jebsen-goeppingen

Weblink02 „Ken Jebsen“:

https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2016/12/30/medien-kenfm-ken-jebsen/

Weblink 03 „Im vollen Wortlaut und Zusammenhang“:

http://www.achgut.com/artikel/ich_weis_wer_den_holocaust_als_pr_erfunden_hat/

Weblink 04 „In diesem Briefwechsel“:

http://www.dreigliederung.de/kontroversen/2015-freies-geistesleben-und-verschwoerungstheorien

Weblink 05 „Lügenpresse“:

http://www.politische-bildung-brandenburg.de/sites/default/files/bilder/der-begriff-luegenpresse-von-1900-bis-2000%20%281%29.gif

Weblink 06″Irma Kreiten“:

http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/11/daniele-ganser-und-sein-umfeld-iii.html

Weblink 07″In zusammengefaster Form auch hier“:

http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/12/rainer-rothfu-goes-querfront-tubinger.html

Weblink 08 „Sicherheitsdienste“:

https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf

Weblink 09″Inhaltsverzeichnis“:

http://d-nb.info/1098438604/04

Weblink 10″Postfaktischen“:

http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/#postfaktisch

Weblink 11″Wort des Jahres 2016 ist: Postfaktisch“:

http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/

Weblink 12″post-truth“:

https://en.oxforddictionaries.com/word-of-the-year/word-of-the-year-2016

Weblink 13″feel true“:

http://www.economist.com/news/leaders/21706525-politicians-have-always-lied-does-it-matter-if-they-leave-truth-behind-entirely-art?fsrc=scn/tw/te/pe/ed/artofthelie

Weblink 14″Trump(f)“:

Christmas Cold Open: Alec Baldwin & John Goodman (SNL 17.12.2016)

https://www.youtube.com/watch?v=bzPHzmOQYek

Weblink 15″bad joker“:

https://i.ytimg.com/vi/ZWr2V_0GrzY/maxresdefault.jpg

(https://www.youtube.com/watch?v=ZWr2V_0GrzY)


*Name der „Redaktion“ bekannt.

10. Januar 2017 at 4:29 pm 33 Kommentare

Vidars Gefolgschaft: Antisemitismus in der norwegischen Anthroposophie. Ein Interview mit Prof. Jan-Erik Ebbestad Hansen

Jan-Erik Ebbestad Hansen ist Professor (em.) für Ideengeschichte der Universität Oslo und Rezensent für die Abendzeitschrift „Aftenposten“. Wir sprachen über die Anthroposophie in Norwegen, in der sich, wie in Deutschland, völkisch-antisemitische Denkmotive mit einer aggressiven Polemik gegen Kritiker, die darauf hinweisen, verbinden. 

Ansgar Martins: Sie haben sich intensiv mit Theorie-Traditionen wie der christlichen Mystik, der Faust-Literatur und der Romantik beschäftigt. Sehen Sie hier Parallelen zur Anthroposophie oder sogar Gemeinsamkeiten? Wie stehen Sie zur Konstruktion einer „esoterischen“ Ideengeschichte?

Prof. Hansen: Ja, hier gibt es Gemeinsamkeiten und Parallelen. Bekanntermaßen hatte die christliche Mystik, oder jedenfalls was er als Mystik verstand, eine entscheidende Rolle für Steiner. Er erzählt ja selber, dass er in der christlichen Mystik wichtige Begriffe für sein eigenes Denken gefunden habe. Und die Christologie, die er entwickelt hat, befindet sich in der Nähe einer johanneischen Christus-Logos Mystik. Auch die Faust-Literatur war für Steiner wichtig. Alle Steiner-Kenner wissen ja, welche Bedeutung er Goethes Faust zugemessen hat. Faust ist sozusagen ein anthroposophisches Thema. Auch von der deutschen Romantik gehen deutliche Linien zu Steiners Anthroposophie. Ich denke an die spiritualistisch orientierte Natur- und Geschichtsphilosophie Schellings und Steffens´, die Volksseelen-Idee, Schellings Theosophie, die Revolte gegen ein mechanistisches Weltbild, gegen den Intellektualismus, die französische Aufklärung usw. Wichtig ist auch die Esoterik, die wir in der Romantik finden, z. B. bei Franz von Baader, der Jakob Böhme und Claude de Saint Martin vermittelt hat. Schelling ist ja vom Idealismus zur Theosophie Böhmes und Silesius’ gekommen wie Steiner von einem fichteschen Idealismus in die Theosophie Blawatskys. Diese Theosophien sind ja sehr unterschiedlich, aber dennoch: Eine Ideengeschichte der Esoterik finde ich sehr wichtig, da sie ja in der ideengeschichtlichen Forschung sehr unterbelichtet ist. Ich bin überzeugt davon, dass die allgemeine Ideengeschichte gezwungen sein wird, diese Ideen und Denkweisen zu integrieren. In den zwei letzten Jahrzenten sehen wir,  dass die Esoterikforschung ein neues Forschungsgebiet geworden ist, und sie tritt offensiv auf. Ich denke an Antoine Faivre und besonders an Hanegraaff und sein Umfeld in Amsterdam. Und ich denke an wichtige Übersichtpublikationen wie Dictionary of Gnosis and Western Esotericism (2006), Hanegraaffs Esotericism and the Academy (2012), Western Mysticism and Esotericism (2016) und Western Esotericism in Skandinavia (2016). Und was die Anthroposophie angeht, sind ja Helmut Zanders, Peter Staudenmaiers und Ihre eigene Forschung von entscheidender Bedeutung.

Was können Sie über die Entwicklung und Verbreitung der Anthroposophie in Skandinavien, speziell in Norwegen erzählen?

Steiner war ja mehrmals als Theosoph und Anthroposoph in Norwegen, seine Anhänger unter den Theosophen haben 1913 die  anthroposophische Vidar-Gruppe und 1923 eine Anthroposophische Landesgesellschaft gegründet. Man hört oft, dass die Anthroposophie in Norwegen im Unterscheid zu anderen Ländern, einen relativ großen Einfluss unter Schriftstellern bzw. Intellektuellen ausgeübt habe. Dies darf nicht übertrieben werden, aber einige Schriftsteller und Intellektuelle versuchen Steiners Ideen zu verteidigen und vermitteln. Heute gibt es sonst mehr als 30 Waldorfschulen in Norwegen, ein Bank, einige Ärtze, Kirche (die Christengemeinschaft), Camp Hill communities, biodynamische Landwirtschaft und einige Zeitschriften.

Wie wird die Anthroposophie in Norwegen heute öffentlich rezipiert und (wie) wird sie wissenschaftlich wahrgenommen?

Die Anthroposophie ist durchaus der wichtigste spirituelle Alterntivimpuls in Norwegen. Die Steiner-Schulen haben Anerkennung gewonnen und bekommen eine öffentliche finanzielle Unterstützung. Wissenschaftlich, in der Akademie, spielt die Anthroposophie kaum eine Rolle. Es gibt aber einige akademische Arbeiten die anthroposophische Aktivitäten thematisieren. Neulich haben wir eine PhD-Abhandlung über die norwegischen Steinerschulen erhalten. Selber habe ich mehrere Masterarbeiten über norwegische anthroposophische Zeitschriften von 1915 bis heute initiiert.

Vor einiger Zeit wurde Kaj Skagens 1000-seitige Biographie des jungen Rudolf Steiner hymnisch in einigen deutschsprachigen anthroposophischen Medien besprochen. Das klingt natürlich nach viel Material oder zumindestnach aufwendiger Interpretation des Bekannten. Wie beurteilen Sie das Buch?

Anthroposophische Hymnen sind meistens Hymnen auf Rudolf Steiner, und von geringem sachlichen Interesse. Skagen ist ein bekannter Schriftsteller, der an der öffentlichen Debatte teilnimmt, oft ziemlich polemisch. Er meint viel und lautstark. Er ist ein Autodidakt, will aber mit seinem Buch über den jungen Steiner zur Forschung beitragen. Es dreht sich nichtsdestowenigerum Vermittlung des schon Bekannten. Man kann aber sagen, dass er in Norwegen der beste Kenner des jungen Steiners ist. Skagenwar seit seiner Jugend ein fanatischer Anthroposoph (er nennt sich selber einen Fanatiker), aber schreibt, dass er jetztaus der Anthroposophie hinaus will. Er hat offensichtlich mit seinem eigenen Dogmatismus und der anthroposophischen Vorstellungswelt Probleme bekommen. In seinem Buch gibt es Ansätze zu einer selbständigen kritischen Darstellung. Das sind aber nur Ansätze. Wir werden sehen, ob er es schafft, sich frei zu machen.

Auch in Norwegen hat es eine Debatte über die Rassentheorien, Völkerstereotype und den Antisemitismus Rudolf Steiners und prominenter Anhänger gegeben. Sie publizieren demnächst eine Monographie zum Thema. Wie kam es dazu?

Vor einigen Jahren hat Professor Tore Rem eine große Biographie über den Schriftsteller Jens Björneboe publiziert, der auch einige Zeit lang von der Anthroposophie inspiriert wurde. Sie hat meistens glänzende Rezensionen bekommen, aber unter den Anthroposophen hat sie heftige Reaktionen hervorgerufen. Kaj Skagen und sein Freund Peter Norman Waage, auch ein loyaler Steiner-Apologet, haben das Buch verrissen. In diesem Streit ereignete sich ein bizarres Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man Anthroposophen kritisiert. Skagen veränderte unter einem Pseudonym Rems  WIKIPEDIA-Eintrag in eine negative Richtung. In der Debatte wurde auch ich von Kaj Skagen angegriffen, weil ich einer der Lektoren des Verlags war. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um das Verhältnis norwegischer Anthroposophen zum Nationalsozialismus. Dann habe ich an den Schriftsteller und Anthroposophen Alf Larsen gedacht, der oft von Anthroposophen als einer der Großen in der Bewegung hervorgehoben wird. Ich habe in seinem Archiv in der norwegischen Nationalbibliothek gesucht und ganz schnell ein großes, unbekanntes Manuskript gefunden, das Das Judenproblem betitelt war. Das war wirklich eine Überraschung. Es war kaum zu glauben, was da geschrieben stand. Ich wusste ja, dass er ein Antisemit war, aber dass er so extrem und grob war, wusste ich nicht. Ich hatte den größten Antisemitender norwegischen Literatur entdeckt. Ich habe sofort verstanden, dass ichmit diesem Material weitergehen musste, und es hat nicht lange gedauert, bis ich auch verstanden habe, dass Larsen nicht der einzige Antisemit unter den norwegischen Anthroposphen war.

Ihr Artikel betont besonders einen Aspekt von Steiners Antisemitismus: Die Vorstellung vom speziellen Charakter des jüdischen Blutes. Bei norwegischen Anthroposophen war das offenbar ein zentrales Thema. In der deutschsprachigen Literatur ist es irritierenderweise meines Wissens kaum ausführlicher untersucht worden. Hier dominiert, von einigen harten anthroposophischen Rassisten abgesehen, m. E. ein anderes Motiv: Steiners Kontrastierung von christlichem und „mitteleuropäischem“ Universalismus mit dem ethnozentrisch-vorchristlichen „Jahwe-Bewusstsein“, das er auch im Ersten Weltkrieg am Werk sah. Allerdings überzeugt Ihr Argument, die Bedeutung der Blutsvorstellung in seinem Bild des Judentums höher einzuschätzen. Der gesamte „internationalistische“ Anspruch seiner Christologie richtet sich gegen die überlebte Rolle der angeblich blutshomogenen  Juden: „Sein erstes Auftreten hätte der Christus nicht haben können innerhalb der jüdischen Gemeinde selber, wohl aber in Galiläa, an demjenigen Orte, wo gemischt waren die verschiedensten Völkerstämme und Völkergruppen.“ ([1909] GA 112, 162) Das hätte ich in meinen Büchern stärker pointieren müssen.Wie entwickelte sich in Norwegen der anthroposophische Antisemitismus? Welche Rolle spielte die blutsmaterialistische Dimension von Steiner Völkermythologie?

Der Kontext ist ja auch wichtig, gerade in diesen Jahren wurde die Dichotomie von „Deutschtum“ und des Judentum entwickelt. Auf der einen Seite die Germanen, die Individualismus und Universalismus repräsentieren, auf der andren Seite die Juden, die an Rasse, Blut und Kollektiv gebunden sind. Conrad Englert sagt explizit, dass die Juden ans Blut gebunden seien, dass die jüdische Rasse die Rasse sei, die am stärksten durch das Blut repräsentiert werde. Und Alf Larsen weist  mehrmals auf das besondere Blut der Juden hin. Er sagt deutlich, so lange es ein kleines Tröpfchen Judenblut in einem Jude gebe, könne er nicht restlos in ein anderes Volk aufgehen, was ihm eine ideale Notwendigkeit war. Auch Hohlenberg (er war ein Däne, der mehrere Jahre in Norwegen wohnte und wirkte) hebt die Einheit vom Geist und Körper als eine Selbstverständlichkeit hervor.

In welcher Hinsicht galten „die Juden als Lehrer der Nazis“, wie Sie schreiben?

Die anthroposophischen Autoren meinten, dass die Nazis ihre Vorstellungen von Rasse, Volk und Kollektiv von den Juden übernommen haben. Der Nazismus wurde also nicht nur als eine Parallele zum Judentum betrachtet, sondern die Nazis hätten von den Juden gelernt. Larsen sagt zum Beispiel, dass die Rassegesetze der Nazis eine direkte Nachahmung des Alten Testamentes seien.

Wie präsent waren solche Motive bei den leitenden norwegischen Anthroposophen jener Jahre?

Sie haben mehr oder weniger dasselbe gesagt, Johannes Hohlenberg, Conrad Englert und Alf Larsen: Die Juden waren die Lehrmeister. 1941 schrieb Larsen, dass der Nazismus der endgültige Sieg des Judentums auf der Welt sei. Die Juden waren also nicht nur Kommunisten und Kapitalisten, sie waren auch für den Nazismus verantwortlich! Dies muss die endgültige Bestätigung von Adornos These sein, der Antisemitismus sei ein flexibler Mythos.

Änderte sich diese Haltung nach 1945?

Bei Alf Larsen ist sie explodiert, ins Extreme entwickelt. Das Judenproblem wurde in den 1950er Jahren geschrieben. Interessanterweise ist diese Denkweise unter norwegischen Anthroposophen noch möglich. 2009 hat der Rechtsanwalt (höchstes Gericht) und Großanthroposoph Cato Schiötz in einer Diskussion über Larsens Antisemitismus und die Anthroposophie folgendes gesagt: „Larsen kritisiert Juden aus demselben Grund, aus dem er zu den Nazis kritischist. Sie bauen auf einen veralteten Begriff von Rasse und Blut. Dies dreht sich um das Rassenverständnis der Juden, nicht um die Christologie Rudolf Steiners.“

In welchem Verhältnis standen die Anthroposophen zu völkischem Gedankengut in Norwegen?

Hier gibt es ein nahes Verhältnis. Viele Anthroposophen haben die norwegische, germanische Volksseele betont. In der Zwischenkriegszeit gab es beinahe einen Kultus der Volksseele. Es gab eine starke Germanophilie und einen Glauben an die besondere Bedeutung der nordgermanischen, skandinavischen Länder. Sie sahen auch eine Kontinuität zwischen Heidentum und Christentum. Das heißt, dass sie an die heidnischen Götter, wie zum Beispiel Balder und Vidar, glaubten. Das tun norwegische Anthroposophen übrigens noch immer. Die Götter werden als geistige Realitäten aufgefasst. Mit ihrer starken Vidar-Anbetung strebten sie eine Art Synthese von Germanentum und Christentum an. Dies sieht man heute bei einem wichtigen Anthroposophen wie Frode Barkved, er meint, dass es notwendig sei, dass der heidnische Gott Vidar ein Leib für Christus werde.

Hans Büchenbacher schreibt in seinen „Erinnerungen“:

„Der dänische Generalsekretär Johannes Hohlenberg (ein in Dänemark bekannter und anerkannter Schriftsteller und Maler) und ein alter naher Freund von mir seit der Weihnachtstagung, an der er als dänischer Generalsekretär teilgenommen hatte, war Herausgeber der Monatsschrift „Vidar“, in der er auch Vorträge von Dr. Steiner übersetzt veröffentlichen durfte. Nachdem aus dem Titel unserer Wochenschrift „Das Goetheanum“ die Bezeichnungen „international“ und „Dreigliederung“ gestrichen worden waren, druckte er in einer Nummer des „Vidar“: „das sei nun die einzige Zeitschrift, die Anthroposophie „uafkortet“ (unverkürzt) vertrete“. Daraufhin entzog ihm Frau Dr. Steiner die Möglichkeit, Vorträge von Herrn Doktor in seiner Monatsschrift zu veröffentlichen. Nach der Besetzung Dänemarks im Weltkrieg konnte Hohlenberg nach Norwegen fliehen und wurde mit Hilfe unseres gemeinsamen Freundes Otto Morgenstierne auf einer Insel in Sicherheit gebracht.Ende der 50er Jahre ist Hohlenberg in Kopenhagen verstorben.“

Wie beurteilen Sie Büchenbachers Einschätzung und Beschreibung Hohlenbergs und dessen Kritik der Nationalsozialismus?

Vidar war eine norwegische anthroposophische Zeitschrift, die 1915 gegründet wurde. 1926 wurde Hohlenberg der Herausgeber Vidars, eine Stelle, die er bis 1940 hatte. 1933 wurde er auch ein Mitarbeiter in Alf Larsens Zeitschrift Janus. Er war mit einer norwegischen Frau verheiratet und hat eine zentrale Rolle für die norwegische Anthroposophie gespielt. Hohlenberg nahm wie sein Freund Larsen früh Stellung gegen Hitler und den deutschen Nazismus. Wegen seiner Hitler- und Nazismus-Kritik hat er aber große Schwierigkeiten mit der Leitung in Norwegen und Dornach bekommen. Es wurde ihm, wie Büchenbacher sagt, u.a. verboten Texte von Rudolf Steiner zu veröffentlichen. In der norwegischen anthroposophischen Gesellschaft gab es in der Zwischenkriegszeitvöllig absurde Streitigkeiten und Konflikte. Leitende Personen wie Helga Geelmuyden und Conrad Englert waren Freunde von Marie Steiner-von Sievers und sehr Dornach-loyal. Sie waren beide sehr kritisch gegen Hohlenbergs Hitler- und Nazismus-Kritik. In einem Brief an Marie Steiner-von Sievers empörte Geelmuydensich über Hohlenbergs „Hitler-Hass“ und über seine Nazismus-Kritik. Auch Larsen wurde wegen seiner Kritik der politischen Entwicklung in Deutschland in den 30er Jahre kritisiert. Die „offizielle“ Erklärung dieser Opposition gegen Hohlenberg ist, dass die Gesellschaft politisch neutral sein solle und dass die Leitung wegen der schwierigen Lage der Anthroposphen in Deutschland vorsichtig sein müsse. Nach Staudenmaiers und Ihrer eigene Forschung sieht das etwas anders aus. Nach dem Kriege haben norwegische Anthroposophen Hohlenbergs und Larsens Nazismus-Kritik hervorgehoben. Ihren Antisemitismus  haben sie aber verschwiegen.

In Ihrem Artikel ist nachzulesen, ausgerechnet Steiners Vortragszyklus „Die Mission einzelner Volksseelen…“ (in Deutschland 2007 von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ unter Kommentarzwang gestellt, weil „in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“), sei unter norwegischen Anthroposophen viel rezipiert worden. Immerhin wurden die Vorträge 1910 in Oslo gehalten. Welche Botschaften und welche Ausgabe zog man daraus?

Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie ist sehr wichtig, will man norwegische Anthroposophen verstehen. Hier hat Steiner ihnen die große, entscheidende  Bedeutung Vidars und der eigenen heidnischen Mythologie beigebracht. Sie erfuhren, dass es eine Kontinuität zwischen Heidentum und Christentum gebe, und dass sie eine große Bedeutnung für der Entwicklung der Welt haben können. Und NB, von hier haben sie auch die esoterische Begründung des Steinerschen Antisemitismus bekommen.

Ein weiteres Beispiel, das ebenfalls in Ihrem Artikel auftaucht: Für Rudolf Steiner war es „reizvoll zu verfolgen“, was „die nordischen Götter“, (Erz-)Engel mit bestimmten Zuständigkeitsbereichen, auf ihren „Wanderungen“ erschaffen. Ihm zufolge kommt „der Mensch … aus geistig-seelischen Welten herunter“ und so ist es „nicht gleichgültig, ob er als Norweger oder als Schwede geboren wird“: Ostskandinavier werden beim Inkarnationsvorgang „wie abgelenkt“ und entwickeln „einen passiven Charakter“: „Sie können nicht widerstehen demjenigen, was sich vom Osten herüber“, u.a. „durchmongolisch-tatarische Völkerschaften“ aufdrängt, bewahrten dafür aber in Vorzeiten eine „mystisch-orientalische“ Götterlehre. Die „norwegischen Menschen“ bzw. diejenigen, die „in der richtigen Weise ihr Norwegerleben“ verwirklichen, haben dagegen die Mission, ihren „Mitseelen“ in nachtodlichen Daseinszuständen „von den Geheimnissen der Erde“ zu berichten. Das sei für die postmortalen Menschen so wichtig wie die anthroposophischen Berichte aus der „geistigen Welt“ auf der Erde. ([1921] GA 209, 59ff.) Dieser Vortrag wurde ebenfalls vor norwegischen Zuhörern gehalten. Hatte diese spirituelle Völkerpsychologie Skandinaviens Folgen für die nationalistische Steiner-Rezeption in Norwegen und Schweden?

Ganz klar! Man kann sicher annehmen, dass Steiners Worte einen großen Eindruck gemacht haben. Sie haben sich als Vidars Gefolgschaft oder Kampfgruppe aufgefasst. Sie waren die Avantgarde der Entwicklung! „Nordland“  und Norwegen haben jetzt die Initiative. Der Leuchter, der früher in Mitteleuropa stand, steht jetzt in Skandinavien. Diese Ideen führten zu einer Huldigung der germanischen, norwegischen Volksseele. Eigentlich wollten sie wohl keine Nationalisten sein, aber im Nationalen haben viele die große Zukunft gesehen, haben sie einen Weg gefunden, der sie mit Vidar zu Christus gehen konnten.

Welchen Stellenwert nehmen rassentheoretische und nationale Spekulationen insgesamt in den Schriften norwegischer Anthroposophen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein – also auch im Verhältnis zu den sonstigen Aktivitäten?

Man kann schon sagen, dass der Nationalismus wichtiges Thema war, nicht dominierend, aber wichtig. Die Rassentheorien standen mehr in der Peripherie. Hohlenberg hat aber den anthroposophischen Rassentheoretiker Richard Karutz hervorgehoben. Und sie waren selbstverständlich „Germanen“.

Wie gehen heutige norwegische Anthroposophen mit Steiners Rassen- und Völkertableau um?

Selber haben sie nicht mit dem Antisemitismus oder den Rassentheorien Steiners abgerechnet. Sie sind im Grunde genommen überzeugt davon, dass es keinen Rassismus oder Antisemitismus in dessen Schriften gibt. Erst wenn andere, wie zum Beispiel Staudenmaier, auf problematische Seiten in der Anthroposophie oder der Bewegung zeigen, reagieren sie. In dieser Hinsicht sind sie ausgesprochen reaktiv. Und sie reagieren oft mit einer Apologetik, die ziemlich aggressiv sein kann. Wenn man sich historisch-kritisch mit der Anthroposophie beschäftigen will, muss man auf eine oft unangenehme apologetische Polemik vorbereitet sein. Seriöse Wissenschaftler wie Helmut Zander und Peter Staudenmaier sind ja bekanntlich fast Hassobjekte geworden. Wenn Anthroposophen Kritik aufnehmen, geht es um Bagatellisierung. Und sie heben einige Aussagen Steiners hervor, die den Rassismus  verurteilen. Einige, die nicht so dogmatisch sind oder sein wollen, können auch auf die Untersuchung der holländischen anthroposophischen Gesellschaft hinweisen. Eine Stellungnahme zu Ihrem Buch über den Steinerschen Rassismus habe ich nicht gesehen. Der Steinerkult bei den norwegischen Anthroposophen ist zentral, und die meisten orientieren sich offensichtlich an deutschen Dogmatikern wie z. B. Lorenzo Ravagli. Seine Texte werden übersetzt und er hält Vorträge in Oslo.Sie haben auch Baders und  Ravaglis Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Antisemitismusvorwurf übersetzen lassen, damit glauben sie offensichtlich das letzte Wort über Anthroposophie und Antisemitismus gesagt zu haben. Die Übersetzung hat ein Nachwort von Cato Schiötz, der, ohne die Sache untersucht zu haben, behauptet, dass Alf Larsens Antisemitismus eine Privatsache war. Es geht immer um Apologetik, Bagatellisierung und Wegerklärung. Es gibt aber Lichtpunkte. Kaj Skagen sieht den assimilatorischen Antisemitismus beim jungen Steiner. Hier hat er sich offensichtlich von Ralf Sonnenbergs kritischer Erörterung von Steiners Aussagen über die Juden beeinflussen lassen. Den Antisemitismus bei dem Theosophen und Anthroposophen Steiner kommentiert er nicht, es ist ja auch nicht sein Thema. Wie dies in der Bewegung aufgenommen wird, weiß ich nicht.

Einer der vitalsten Aspekte aus Steiners Zeitbetrachtung, der ebenfalls implizit antisemitisch aufgeladen ist, sind seine Verschwörungsideologien. Sie drehen sich primär um eine übersinnlich manipulierte okkulte Geheimlogen hinter der englischsprachigen Welt gerichtet waren. Wie verhielten oder verhalten sich norwegische Anthroposophen zu seinen im Ersten Weltkrieg formulierten Feindbestimmungen gegenüber dem „Angloamerikanertum“ ?

Auch ein Interessantes Thema! Hier kann ich aber leider nicht viel sagen, dies ist auch eine Untersuchung wert. Generell gilt, dass die große mitteleuropäische Kultur als ein Gegensatz zur angloamerikanischen Kultur gesehen wurde. Alf Larsen war hier sehr deutlich. Und Johannes Hohlenberg warnte vor der englischen Sprache, die  eine ahrimanische Sprache sei.

16. Dezember 2016 at 9:01 pm 17 Kommentare

Diesseits von Apartheid und Anthroposophie: Waldorf in Südafrika – eine Diskussion mit Eric Hurner

„Unsere Bewegung ging von Holländern und Engländern und nicht von Deutschen aus, zu einer Zeit wo man nicht gerade gut auf Deutschland zu sprechen war. Wir hatten während der ersten zwanzig Jahre ihres Aufbaus wenig Kontakt zu Deutschland und der Schweiz und fast gar nicht zu den Waldorfschulen. Ich habe einmal in unserem Kollegium während einer Sitzung erlebt wie jemand die Überlegenheit der deutschen Sprache und die Unmöglichkeit, Rudolf Steiner in einer anderen Sprache zu verstehen stark vertrat, und eine amerikanische Kollegin dazu nur laut ‚Sieg Heil‘, rief. Es gab keinen Einwand, denn der Auftritt des Deutschen schien uns völlig daneben. Ich habe mich immer als südafrikanischer Waldorflehrer, der für allgemeine demokratische Rechte eintrat, gehalten, und nie für den Träger einer ‚mitteleuropäischen Kulturmission‘. Ich kann mir kaum vorstellen welche Kollegen das anders empfunden hätten.“

Die Waldorfbewegung Südafrikas ist in Deutschland hauptsächlich für ihren Kampf gegen die Apartheid bekannt geworden – nicht nur diese Vorstellung entlarvt der Anthroposoph Eric Hurner, der in dieser Bewegung groß wurde, als europäischen Mythos. „Keine der Schulen stand jemals in gesetzlichem Konflikt mit der Apartheids-Regierung oder südafrikanischen Regierung.“ Dem Gerücht setzt er eine umsichtige Schilderung der höchst unterschiedlichen Einrichtungen und Strömungen nicht nur in der südafrikanischen Waldorfbewegung entgegen. Er hält dabei an der eindeutig rassismuskritischen Praxis ihrer Institutionen fest, schildert diese jedoch aus ungewöhnlicher Perspektive: Sie sei weniger im Kontext deutsch-anthroposophischer Weltmissions-Vorstellungen zu verstehen als aus dem pragmatischeren Geist einer englischsprachigen Waldorfpädagogik. „Der eigentliche Kampf war ein pädagogischer und kein politischer.“ Neben vielen anderen Einzelheiten ergänzt Hurner das Bild des wegen seiner vormaligen Unterstützung der Apartheid umstrittenen Waldorfpädagogen Max Stibbe, der später zu einer prägenden Gestalt der südafrikanischen Szene wurde. Das Gespräch zeigt einmal mehr, dass sich die komplizierte globale Geschichte der Anthroposophie höchstens eingeschränkt aus ihrem Gründungsimpuls verstehen lässt, weil sie konkret mit dem gesellschaftlichen, politischen und – in diesem Fall – pädagogischen Handgemenge vor Ort zusammenhängt.[1]


Zur Diskussion (PDF)


[1] Siehe dazu ausführlich Eric Hurner: Kultureller Rassismus und Anthroposophie. Die Integration der südafrikanischen Waldorfschulen, Rendsburg 2016.

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Eric Hurner (Foto: Privat)

Zur außerdeutschen Entwicklung der Anthroposophie siehe auch:

Waldorf in Taiwan

Eklektik, Kitsch und Karma: Steiner-Ausstellung in Tokyo

Anthroposophie und Antisemitismus in Norwegen

5. September 2016 at 9:59 pm 6 Kommentare

Anthroposophie und Antisemitismus in Norwegen

OSLO/BERLIN (NNA) – Forschungsergebnisse von Prof. Jan-Erik Ebbestad Hansen – einem emeritierten Ideenhistoriker der Universität Oslo, der bisher unter anderem zur christlichen Mystik publiziert hat – haben in Norwegen zu einer Debatte über das Verhältnis von Anthroposophie und Antisemitismus geführt.

Im Zentrum der Recherche des Wissenschaftlers steht der anthroposophische Dichter Alf Larsen (1885–1967). Ebbestad Hansen sieht in ihm den „größten Antisemiten Norwegens“, der sogar den nationalsozialistischen Rassewahn explizit als jüdisch etikettierte.

Eine englische Kurzzusammenfassung der Forschungsergebnisse ist Anfang des Jahres in der Zeitschrift „Nordeuropa-Forum“ (Berlin) erschienen (siehe Literaturhinweis), eine umfassende Buchfassung ist in norwegischer Sprache angekündigt. Im deutschsprachigen und internationalen Diskurs sind die zum Teil schon 2009 veröffentlichten Befunde Ebbestad Hansens bisher weitgehend unbeachtet geblieben.

Im Nachlass von Larsen findet sich ein bereits zur Publikation vorbereitetes Manuskript zum „Judenproblem“, das ab 1953 entstand und das Ebbestad Hansen entdeckt hat. Zahlreiche weitere Texte seit den 30er Jahren belegen, dass Larsen im „materialistischen“, aus seiner Sicht nach der Weltherrschaft greifenden Judentum die Wurzel alles Bösen erblickte. In den 50er Jahren verglich er die Juden, in denen er eine Manifestation des Dämons Ahriman sah, mit einem Krebsgeschwür der Menschheit. Explizit benannte er den Nationalsozialismus, den er scharf ablehnte, als jüdisches Projekt.

Die akademische Welt und die Öffentlichkeit in Norwegen reagierten schockiert auf die Recherchen des Ideenhistorikers. Die norwegischen Anthroposophen distanzierten sich von Larsen, in dessen christlich-esoterischer Rekonstruktion der Weltgeschichte sei kein Zusammenhang mit der Anthroposophie zu erkennen.

Ebbestad Hansen insistierte, weil Larsen sich durchaus explizit auf Steiner berief. Zu Lebzeiten hatte dieser auch über die anthroposophische Szene hinaus in Norwegen Bekanntheit erreicht, unter anderem als Begründer der Zeitschrift „Janus“. Durch diese Zeitschrift habe er „die Anthroposophie fruchtbar in das öffentliche Kulturleben Norwegens“ gestellt, heißt es dazu in einer biografischen Darstellung zu Larsen, die von der Forschungsstelle Kulturimpuls in Dornach herausgegeben worden ist.

Verflechtungen

Ebbestad Hansens weitere Nachforschungen dokumentieren zahlreiche Verflechtungen von Antisemitismus und Anthroposophie ab der Zeit zwischen den Weltkriegen. Zwei Besonderheiten im norwegisch-anthroposophischen Diskurs dieser Zeit hebt der Forscher hervor: Im Zentrum des eigenen Selbstverständnisses der norwegischen Anthroposophen stand offensichtlich Steiners Auslegung der nordischen Mythologie, die mit Volks-Missionen verbunden wurde. Am wichtigsten erschien dabei der mit Christus assoziierte „Vidar“, der am Weltende den Fenriswolf zertrümmert, welcher zuvor den alten Göttervater Odin verschlungen hat. Ein wichtiges antisemitisches Motiv bestand in der Vorstellung von einer speziellen physisch-spirituellen Gestalt des jüdischen Blutes.

Prominente Anthroposophen wie Olav Aukrust und Ivar Mortensson-Egmund ersannen in den 20er Jahren nationale Apokalypsen unter Berufung auf Steiner und die Edda. Ingeborg Møller, die Steiner bei seinen Vortragsreisen nach Norwegen begleitete, publizierte in der antisemitischen Zeitschrift „Nationen“ über den norwegischen Genius.

Die judenfeindlichen und explizit faschistischen Ansichten von Møllers Freundin Marta Steinsvik, die in Steiners freimaurerische Aktivitäten eingeweiht war und von ihm persönlich nach Deutschland eingeladen wurde, gingen noch weiter. Sie wurde in den 30er Jahren zu einer bekannten völkischen Aktivistin, ohne ihre anthroposophischen Ideen abzulegen. Møller hingegen wurde 1942 während der deutschen Besatzung Norwegens inhaftiert und ihre Artikel in „Nationen“ zensiert.

Ebbestad Hansen weist außerdem auf die personelle und ideelle Verflechtung der völkischen Anthroposophen Norwegens mit der deutschsprachigen Anthroposophie hin. Helga Geelmuyden, ebenfalls persönliche esoterische Schülerin Steiners, beschwor schon 1918 einen entscheidenden Gegensatz von germanischem und jüdischem Denken. Gegen die als jüdisch bezeichnete Erkenntniskritik Immanuel Kants habe erst die Anthroposophie eine aus Geelmuydens Sicht wesensgemäße deutsche Denkart entwickelt. 1925 publizierte sie in der deutschen Zeitschrift „Die Drei“ über den teutonischen Geist.

In den 30er Jahren ging Geelmuyden mit dem aus der Schweiz stammenden Conrad Englert in der norwegischen Anthroposophischen Gesellschaft gegen Kritiker des Nationalsozialismus vor – auch gegen Larsen. Der stellte unter dem Druck der Zensur unter der deutschen Besatzung 1941 seine Zeitschrift „Janus“ ein.

Hier heißt es in der Biografie der Forschungsstelle Kulturimpuls, die Zeitschrift „Janus“ habe zum NS-Regime „unmissverständlich Stellung“ bezogen und „in klarer Opposition gegen die roten, braunen und schwarzen Diktaturen“ gestanden. Nach dem Krieg sei Larsen wegen seiner Kompromissbereitschaft gegenüber der Zensur deutlich kritisiert worden. Der Dichter wird dann aber gegenüber der Kritik in Schutz genommen, die seine „wunderbare Gedichtsammlung „I Jordenslys“ aus dem Jahr 1946 nicht zur Kenntnis genommen habe.

Antisemitismus, Rassismus und Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus

Ebbestad Hansen weist auch auf die Rolle von Marie Steiner-von Sivers, der Erbin Steiners im Schweizerischen Dornach hin, die mit dem norwegischen Vorstand in den dreißiger Jahren korrespondierte. Sie untersagte dem dänischen Anthroposophen Johannes Hohlenberg, der als Freund des deutschen Landesvorsitzenden Hans Büchenbacher auch in Norwegen als scharfer Kritiker Hitlers wahrgenommen wurde, in diesem Zusammenhang den Nachdruck von Steiner-Vorträgen in der Zeitschrift „Vidar“, die er seit 1924 mit Møller herausgab.

Englert, der in den 20ern zwei lange, positive Artikel über Mussolini aus der Feder Hans von Mays in derselben Zeitschrift abgedruckt hatte, hielt Hohlenberg entgegen, die Anthroposophie sei apolitisch.

Ebbestad Hansen weist darauf hin, dass Englert dennoch eine ganz eigene esoterische Kritik der NS-Blutsmythologie entwickelte: Er behauptete – wie auch Larsen –, die Nazis hätten sich bei den Juden bedient. Selbst Hohlenberg, dessen Hitler-Kritik unter deutschen Anthroposophen heutiger Tage zuweilen Erwähnung findet, teilte in einem Text von 1938 diese Vorstellung, wenn er dem Judentum den Ursprung von Völker- und Rassenhass zuschrieb.

Noch 1948 republizierte er einen seiner antijüdischen Essays aus der Zwischenkriegszeit. Bei Hohlenberg, Englert und Larsen finden sich auf jeweils unterschiedliche Weise – wie Ebbestad Hansen zeigt – Antisemitismus, Rassismus und Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus in einer politischen Position. Larsens Antisemitismus überflügelt dabei aber die Vorstellungen der beiden anderen bei Weitem.

Steiner und Skandinavien

Die entsprechenden Vorstellungen von „Teutonen“ versus Judentum wurden von den genannten norwegischen Anthroposophen durchgängig unter Berufung auf Rudolf Steiners Schilderungen einer kosmischen Evolution des Menschengeistes begründet. Die norwegische Anthroposophie-Rezeption der betreffenden Szene führt Hansen auf spezielle Angaben von Steiner selbst zurück.

Dafür waren seine verschiedenen Besuche auf der Insel und seine Bemerkung über Skandinavien stilprägend. In Oslo hielt Steiner unter anderem 1910 den berühmten Vortragszyklus zur „Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ (siehe Literaturhinweis). In einer Nebenbemerkung ging Steiner hier tatsächlich auf ein „okkultes“ Spezifikum des jüdischen Blutes ein. Die „semitische Rasse“ entstehe unter dem Einfluss des im Mond konzentrierten Formgeistes Jahwe sowie der Mars-Geister, die eben aufs Blut wirken. Durch diesen Einfluss sei zu „begreifen, warum gerade die fortgehende Wirkung des Blutes von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation für das semitisch-hebräische Volk von ganz besonderer Wichtigkeit ist…“

Auf eine solche astrologische Rassentheorie berief sich dann auch Larsen in seinen Überlegungen der 50er Jahre. Bei einem späteren Besuch schilderte Steiner im Dezember 1921 die spezielle Mission der Norweger seit der prähistorischen Eroberung des Landes: Ihr Beitrag sei es, im Nachtodlichen den ehemaligen Angehörigen anderer Nationen Kunde von der physischen Welt zu bringen. (siehe Literaturhinweis)

Vor allem jedoch sei Steiners völkerpsychologische Interpretation der nordischen Mythologie als spezielle nationale Mission aufgefasst worden, so Ebbestad Hansen: Odin, Thor und Vidar seien dabei als regional-kulturelle Erscheinungsformen bestimmter Erzengel und Spiegelungen Christi verstanden worden.

Reaktion

Auf die Reaktion der anthroposophischen Bewegung gegenüber diesem Diskurs aus Norwegen darf man gespannt sein. Vor allem stellt sich die Frage, inwieweit die Forschungsstelle Kulturimpuls in ihren Biografien solche Forschungsergebnisse nachträglich einbezieht. Im Falle des italienischen Anthroposophen Massimo Scaligero, der nach Recherchen des US-Historikers Peter Staudenmaier dem Mussolini-Regime nahestand und entsprechend agitierte, steht in der Online-Dokumentation seit Jahren nur der Hinweis: „Dieser Beitrag ist in Bearbeitung“. Auch die nationalsozialistischen Interessen deutscher Anthroposophen, etwa von Roman Boos, werden in den Biografien eher nicht aufgearbeitet.


Literaturhinweis:
Jan-Erik Ebbestad Hansen: „The Jews – Teachers of the Nazis? Antisemitism in Norwegian Anthroposophy“, in: Nordeuropa-Forum, Jg. 2015, S. 161-216 (http://edoc.hu-berlin.de/docviews/abstract.php?lang=&id=42343)
Rudolf Steiner: Die Mission einzelner Volksseelen in Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie, Zyklus von elf Vorträgen gehalten in Kristiania (Oslo) vom 7. bis 17. Juni 1910, Gesamtausgabe Bd. 121, Dornach 1982.
Rudolf Steiner: Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse. Das Fest der Erscheinung Christi, Elf Vorträge aus dem Jahre 1921, gehalten in Kristiania (Oslo), Berlin, Gesamtausgabe Bd. 209, Dornach 1982.


Der Beitrag erschien ursprünglich bei NNA.

26. August 2016 at 2:55 am 5 Kommentare

Wissenschaft, Mythos und andere unproduktive Etikettierungen – Hartmut Traub zu Heiner Ullrich

Plädoyer für eine Wendung auf Sachfragen

„Die Wissenschaft steht […] dem Mythos viel näher, als eine wissenschaftliche Philosophie zugeben möchte“

Hartmut Traub hat 2011 die erste umfassende philosophische Kritik der Frühschriften Steiners vorgelegt. Schon darin plädiert er dafür, auch die spätere Esoterik der Anthroposophie vor allem aus dem gedanklichen Gravitationsfeld des deutschen Idealismus herzuleiten. Aus dieser Perspektive bespricht er nun Heiner Ullrichs 2015 erschienene ‚kritische‘ „Einführung in die Waldorfpädagogik“ und zeigt, dass Steiner und die Transzendentalphilosophie einander näherstehen als Ullrich vermuten lässt. Dieser Versuch, Ullrichs simple Trennung von Mythos und Moderne zu umgehen, indem die vermeintlich Kantischen Grundlagen der letzteren als Mythos enthüllt werden, unterstützt neuere subjekt- und bewusstseinsphilosophische Lesarten Steiners. Der Text basiert auf einem Vortrag, der im Mai 2016 auf einer Veranstaltung mit Ullrich an der anthroposophischen „Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft“ gehalten wurde.


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Dr. Hartmut Traub ist Studiendirektor am Seminar für schulpraktische Lehrerbildung in Essen und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Johann-Gottlieb-Fichte-Gesellschaft. Promotion über Fichtes Populärphilosophie und Herausgeber u.a. des Briefwechsels zwischen Schelling und Fichte, der Fichte-Studien und der Fichte-Studien Supplementa. Lehraufträge in Philosophie und Philosophie-Didaktik an der Mercator Universität Duisburg, der Universität Duisburg/Essen und der Alanus-Hochschule Alfter.

Hartmut Traub

10. August 2016 at 12:40 pm 4 Kommentare

Waldorf im Kindergarten: Rezension zu Sebastian Suggate

Sebastian Suggate ist Professor für Kindheitspädagogik und Entwicklungspsychologie an der Alanus-Hochschule in Alfter, zu deren Profil das Ziel gehört, Anthroposophie nach innen und außen wissenschaftslich diskursfähig zu machen. (vgl. dazu kürzlich Jost Schieren: Waldorf heute und André Sebastiani: Neue Waldorfpädagogik?) Im Cornelsen-Verlag erschien 2015 Suggates enthusiastische Einführung in das Konzept des Waldorfkindergartens. Ich habe eine Rezension dazu auf „Socialnet. Das Netz für die Sozialwissenschaft“ geschrieben.

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4. Juli 2016 at 2:35 pm 1 Kommentar

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Hallo allerseits,
Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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