Kontroverse Erlebnisse im Waldorfbürgertum: Zur Verfertigung postfaktischer „Wahrheiten“

Ein Gast-Beitrag von bobby*

In einen Kommentar zum Beitrag Waldorfschule Filstal – Schüler-Projekttage mit Ken Jebsen abgesagt von F. Rothacker am 9. November 2016 führt dieser aus:

„… Schade, dass hier Daniele Ganser und Ken Jebsen in einem Atemzug genannt werden. Zwischen den beiden Herren herrscht doch ein großer Unterschied!…

… Ganser ist in keinster Weise ein Verschwörungstheoretiker sondern in seinen Analysen einfach sehr kritisch – und nicht im „Mainstream“…Schade, dass der Bund der Freien Waldorfschulen hier selber auch nicht differenziert! …“

Der Kommentator hat nur teilweise Recht.

So wird Ken Jebsens primitive und pöbelhafte Art sofort augenfällig, wenn er seine kruden Botschaften ventiliert. So schreibt dieser schon während seiner Moderatoren-Tätigkeit beim Sender RBB an einer seiner Zuhörer:

„…ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffefreuds. bernays. in seinem buchpropaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten kriegesdeutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.…“
(Rechtschreibfehler im Original. Im vollen Wortlaut und Zusammenhang)

Trotzdem begeistern sich scharenweise Waldorfbündler für die widerwärtigen Agitationen des „Friedensaktivisten“, Verschwörungstheoretikers und ehemaligen Waldorfschülers Jebsen, der die Bürger versucht aufzuklären über die wahren Machenschaften der Eliten.

In Gegensatz zum „kultiviert“ auftretenden Daniele Ganser der, auf den ersten Blick, scheinbar Kompetenz und Zuverlässigkeit verbreitet. Entgegen der Vermutung des Kommentators ist „Friedensforscher“ Ganser, auch er war Waldorfschüler, aber weitaus gefährlicher, noch bösartiger und verlogener als Ken Jebsen. Doch dazu später mehr.

Zunächst zum Bund der Freien Waldorfschulen. Es stellt sich dabei in diesem Zusammenhang zunächst die Frage:

Könnte es sein, dass die mehr als auffälligen Verschwörungsgedanken von Personen wie Ganser und Jebsen auch entscheidend mitgeprägt worden sind von einer stark weltanschaulichen ausgerichtete Pädagogik in ihrer Schulzeit, sozusagen als Spätfolge einer Art von „Waldorfschädigung“?

Ein unmittelbarer, kausaler Zusammenhang zwischen Schulbildung und späterer Werdegang eines Menschen sollte gewiss immer skeptisch und unter großen Vorbehalten gesehen werden. Zumindest die Notwendigkeit einer solchen Fragestellung dürfte sich aber ergeben wenn man sich das Verhalten von Vertreter dieser Schulbewegung in der heutigen Auseinandersetzung um rechtsextreme Tendenzen vor Augen führt. „Da wird man wohl noch fragen dürfen!“

Beispiel: Die Waldorfbewegung und die Mosmann-Kontroverse

Henning Kullak-Ublick, Vorstand und Presseverantwortlicher des Bundes der Freien Waldorfschulen, hatte sich ursprünglich mit erfreulich deutlichen Worten mehrfach von extremistischen Tendenzen an Waldorfschulen distanziert. So auch am 10.07.2015 in einem Rundbrief an die Kollegien der Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen wo er unmissverständlich auf die Gefahr für Waldorfschulen hinweist die von Neurechten, Reichsideologen und Verschwörungstheoretiker wie Ken Jebsen ausgeht. Das Ergebnis war eine beispiellose Welle der Empörung anthroposophischen Wutbürgertums.

Kullak-Ublick schreibt dazu in einem Antwortschreiben an Heinz Mosmann, Geschichtslehrer an der Freien Waldorfschule Heilbronn in einem „offenen Brief“ vom 01.11.2015:

„…Ich habe mich in meiner Antwort bemüht, aus der Vielzahl von Zuschriften, die ich bekommen habe, einige wesentliche Aspekte herauszuziehen. Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass eine für mich bestürzend große Zahl von Zuschriften auf einem Niveau geschrieben wurden, das meine Besorgnis eher noch hat steigen lassen. Ich weiß jetzt nicht nur, dass ich der „Teufel aus dem Dreikönigsspiel“ bin, dazu „vollkommen Ich-los“ und eigentlich gar nicht Ken Jebsen gemeint habe, sondern in Wirklichkeit Rudolf Steiner verraten wollte. Über die persönliche Betroffenheit hinaus machen mich aber vor allem die Zuschriften nachdenklich, die jede diskursive Debatte hinter sich zurückgelassen haben. Die Heftigkeit, mit der hier „zurückgeschossen“ wurde, hatte nicht selten sektiererische Züge. Da in den Monaten, seit ich den Brief geschrieben habe, kein Tag vergangen ist, an dem ich mich nicht damit befassen musste, werde ich von weiteren Erklärungsversuchen absehen…“

In diesem Briefwechsel werden von Herrn Mosmann, beispielsweise beim Thema Verschwörung, mal wieder die Rollen und Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit verdreht und verstellt. Das ist so üblich und symptomatisch bei Verschwörungstheoretikern. Und dazu ganz im Sinne von Daniele Ganser und Ken Jebsen. Mosmann beschwert sich lautstark gegen den „unreflektierten und diskriminierenden Gebrauchs des Ausdrucks „Verschwörungstheoretiker““. Er sieht diejenigen die sich um „konstruktive und lebensfähige Sozialideen“ bemühen als Opfer einer „echten“ Verschwörung der sogenannten „bestehenden politischen Strukturen“. Gegen die Aufklärung zu suchen täte wahrlich not, so Geschichtslehrer (!) Mosmann. Gegen die „öffentlich manipulierte Meinung“, gegen die „gleichgeschaltete Presse“. Er wirft Herr Kullak-Ublick symptomatisch fehlendes Verständnis für den Sozialimpuls Rudolf Steiners vor aus Rücksicht auf offizielle Stellen und die öffentliche Meinung.

Im Vorspann zum selben Schreiben schwächt Kullak-Ublick die Vorwürfe gegenüber Ken Jebsen (seine Nähe zu rechten oder „reichsbürgerlichen“ Ideologien) nach einem persönlichen Gespräch mit ihm entscheidend ab und entschuldigt sich. Dabei ist zu erwähnen, dass der „Friedensaktivist“ Ken Jebsen überhaupt nicht friedfertig ist, wenn es um Gerichtsklagen gegen ihm missfällige Personen geht. Es wäre aber bösartig zu vermuten, dass dieses bei der Gemütswandlung von Kullak-Ublick evtl. einen Einfluss gehabt haben könnte.

Des Weiteren versucht er den Inhalt seines ursprünglichen Rundbriefes zu entschärfen, wo es nur geht. Es ist schon peinlich zu sehen, wie sehr er seine Meinung bis zur Unkenntlichkeit und bis zur Selbstverleugnung verbiegt. Nur Weniges wird ganz zaghaft versucht aufrecht zu erhalten. Der Waldorf-Mob hat seine Wirkung nicht verpasst.

Es muss leider festgestellt werden, dass von seinem ursprünglichen, erfreulich deutlichen Worten, wie im Inhalt des Rundbriefes, nur erschreckend wenig übrig geblieben ist. Jedenfalls dürfte Kullak-Ublick es in Zukunft schwer haben das Verhältnis der Bund der Waldorfschulen zum rechtsextremen Gedankengut glaubwürdig zu definieren.

So wurde der Bund der Freien Waldorfschulen mehr oder weniger einen Maulkorb verpasst. Das wird so geteilt, natürlich blütenreich verdeckt formuliert:

„…Die Auseinandersetzung…ist eine Chance, das Bewusstsein für zeitgemäße Meinungsbildungsprozesse und das Selbstverwaltungsideal der Freien Waldorfschulen zu schärfen… möge er Fruchtbares für die Entwicklung der Waldorfschulbewegung bringen…“

Es macht traurig folgern zu müssen, dass in der Schulbewegung bestürzend wenig Bereitschaft vorhanden ist, eigene abwegige Einsichten auch nur annähernd zu überprüfen oder gar ansatzweise in Frage zu stellen.

Ganz offen gesagt: Ich würde heute meine Kinder nicht einer Waldorfschule anvertrauen können, wo ein Lehrer wie Herr Mosmann Geschichte unterrichtet, wo Demagogen wie Ken Jebsen und Daniele Ganser agieren dürfen und wo mindestens von Teilen einer Schulgemeinschaft, Eltern und Lehrern, extremes Gedankengut offen und fanatisch umarmt wird. Vom Waldorf-Wutbürgertum möchte ich meine Kinder fernhalten.

Daniele Ganser, Verschwörung und Querfront

Herr Ganser muss als Verschwörungstheoretiker reinsten Wassers gesehen werden, der sich nicht scheut, in einer scheinbar sauberen, quasi-wissenschaftlichen Verpackung alles was krumm ist gerade zu biegen und vice versa. Er zeigt sich als Meister der Täuschung und Manipulation und versteht es bestens in geschickter Weise ein anti-westliches Weltbild voller Ressentiments mit dazu passenden Verschwörungstheorien als wissenschaftlich fundiert zu verkaufen. Ganz im Sinne Putinnaher Querfront-Netzwerke, die mittlerweile in unsere Gesellschaft ganz offen agieren. Womit sich Ganser heute aber, genau so offen, dazu immer häufiger und neuerdings auch ganz ungeniert, verbündet. In der Tat „sehr kritisch“ im anti-amerikanischen und anti-westlichen Sinne, vor allem aber auch offensichtlich wahrheitswidrig und natürlich weit, weit abseits vom sogenannten „verlogenen Mainstream“.

Nebenbei: Der mittlerweile äußerst populär-populistische Begriff „Mainstream“ beinhaltet eine sehr wirklichkeitsfremde Verallgemeinerung und Gleichschaltung der herkömmlichen Medien, die flächendeckend dämonisiert und tabuisiert werden sollen. Wie eine Neuauflage der sogenannten „Lügenpresse“ aus vergangenen Zeiten. Personen, die Verschwörungsgedanken verhaftet sind und sich dazu häufig in mehr oder weniger extremistische Kreise bewegen, definieren ihre radikalen Meinungen grundsätzlich als abweichend vom Mainstream. Als Gütezeichen. Diese Methode bedienen sich auch extreme Organisationen wie AfD, Pegida, NPD, Identitären, Reichsbürgerbewegung und vergleichbaren die heute ihr Unwesen in der Öffentlichkeit treiben und endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Leider ganz besonders auch in anthroposophischen Kreisen die sich von Herrn Ganser in ihrer Weltsicht geradezu bestätigt zu fühlen scheinen. Da passt manches wie maßgeschneidert zusammen zu den eigenen esoterischen Sichtweisen und Geschichtsschreibungen. Wo angeblich okkulte angloamerikanische Bruderschaften des Westens unter Führerschaft obskurer Hintermänner ihr Unwesen treiben und die Weltgeschicke zu bestimmen versuchen. Häufig in mehr oder weniger verdeckter Anlehnung an antisemitischen Verschwörungsthesen.

Es wäre aber eigentlich eine viel zu große Ehre, Gansers Ideen als ernsthafte Verschwörungstheorien zu bezeichnen. Theorien sollten wenigstens den Anspruch haben, unterbaut zu sein. Gansers Denken stellt sich dagegen zusammenaus einer Ansammlung von Spekulationen. Sie bilden eine durchaus gekonnt vorgetragene und publikumswirksame Mischung aus offensichtlichen Wahrheiten, Halblügen und Lügen. Seine Visionen leiden dazu chronisch und zwanghaft unter dem zweifelhaften Anspruch bisheriges, anerkanntes Wissen ständig in Frage stellen zu müssen. Dabei ist es aber vor allem Gansers Verschwörungsdenken, das schon nach einer etwas genaueren Überprüfung in sich zusammen fällt. Wie die WTC Türmen am 9/11. Da bleibt nichts übrig als Rauch und gähnende Leere. Und die Glaubensgemeinschaft fällt voll darauf rein.

Die Begriffe Verschwörungsphantasien oder Verschwörungsmythen wären deshalb bei Ganser angebracht und sollten in Zusammenhang zu ihm verwendet werden. Mehr dazu in den unbedingt lesenswerten und exzellenten Ausführungen von Irma Kreiten, die in einer sehr umfangreichen und gründlichen Analyse Gansers Wirken und seine Verbindung zur Querfront in allen Einzelheiten auseinandernimmt. In zusammengefaster Form auch hier.

Auch Ganser bestreitet mit empörter Vehemenz, Verschwörungstheoretiker zu sein. Auch hier muss festgestellt werden: Es ist das typische Verhalten von einem Verschwörungsphantasten, der passend zu seiner eigenen Vorstellungswelt den Vorwurf der Verschwörung abstreitet und an die bösartige und bedrohliche Außenwelt zurückspielt. Er macht der Außenwelt damit genau das zum Vorwurf, was er selbst unentwegt tut: Verschwörungsvorstellungen in die Welt zu setzen. Und lenkt so von der eigenen Verlogenheit ab.

Damit liegt Ganser ganz im Trend seiner Gesinnungsgenossen wie Ken Jebsen und sonstigen obskuren Ideologen die im Umkreis des Kopp-Verlages und des Compact-Magazins Jürgen Elsässers aktiv sind: Je hemmungsloser gelogen wird, desto grösser, radikaler und fanatischer ist die Anhängerschaft der Belogenen. Wenn die Lüge genügend oft und intensiv genug betrieben wird, verschwindet im Bewusstsein der Menschen immer mehr die Fähigkeit zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. „Alles ist nur relativ. Es wird eh nur gelogen…“ heißt es. Die Begriffe „Political Correctness“ und „Gutmenschen“ werden zum Schimpfwort einer perversen und Putin-verfallenen Leitkultur neuer Generationen von Wutbürger. Es schließt sich der Kreis des populistischen Wahnsinns. Die Schatten der Vergangenheit werden lebendig.

Neuerdings ganz eminent auch in den USA, wo Donald Trump unter vergleichbaren Voraussetzungen und mit vergleichbaren Methoden gerade zum Präsidenten gewählt worden ist. Mit unabsehbaren und, wie es sich immer mehr zeigt, dramatischen Folgen. Hinter diesem Machtwechsel darf man durchaus führende Hand des russischen Geheimdienstes annehmen. Die Sicherheitsdienste CIA, FBI und NSA sind sich mittlerweile einig, dass der russischen Geheimdienst, sogar Wladimir Putin persönlich, von Moskau aus die entscheidenden Cyberangriffe steuerte – mit der Absicht, den Wahlausgang zum Vorteil von Donald Trump zu beeinflussen. Neuerdings wurde außerdem ein USA-Elektrizitätswerk ebenfalls von Seiten der russischen FSB erfolgreich gehackt. Dadurch könnte im Ernstfall sogar jederzeit die lebenswichtige Stromversorgung des Landes außer Betrieb gesetzt werden. In Kontrast dazu einen Twitter-süchtigen Neu-Präsidenten, damit beschäftigt über dieses Medium Nettigkeiten zu Putin auszutauschen, statt dessen sich aber chronisch verweigert die Realität zu stellen und bis vor wenigen Tagen nicht einmal bereit war sich über die Ernst der entstandenen Sicherheitslage seinen Sicherheitsdiensten auch nur anzuhören.

Die ungeheuerliche Frage die weltweit für das Jahr 2017 gestellt werden muss: Welches Land ist das nächste Opfer russischer Einflussnahme?

Die Propagandawelle russischer Machart läuft bereits lautstark auf Hochtouren in den zahlreichen Medien der Putintreuen Netzwerke. Daniele Gansers Beitrag dazu ist offenkundig und wird frenetisch bejubelt. Zu seiner Entlarvung reicht eigentlich schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis der neuerdings von ihm veröffentlichten anti-amerikanische Hetzschrift „Illegale Kriege“. Da soll dem Leser offenbart werden, wer angeblich der große Kriegstreiber auf dieser Welt ist: Das Imperium Amerika… Aber ja, natürlich!

Es braucht nur ein wenig geschichtliches Grundwissen, einen Blick auf die Weltkarte und ein Mitverfolgen der Tagesaktualität (aber bitte nur die „Mainstream“ Medien!) um festzustellen wer gegenwärtig und in der Vergangenheit der neueren Geschichte nach Ablauf des Zweiten Weltkrieges, der wirkliche Imperial-Macht und Kriegstreiber ohnegleichen war und ist. Nur als Beispiel in der Aktualität sollten die massiven und menschenverachtenden Kriegsverbrechen des Kreml-Diktators in Syrien genannt werden. Zum Ausbau der russischen Machtposition weltweitund zur Destabilisierung und Auflösung der Bündnisse des verhassten Westens. Im Hintergrund steht dabei die Wahnvision eines von Russland gesteuerten Eurasien!

Genau diese Voraussetzungen der Allgemeinbildung fehlen offenbar weitgehend bei so manchen Vertreter des heutigen „homo anthroposophicus“. Sie werden dadurch zu unwissenden „Opfern“ und naiven Anhängern moderner Propaganda. Oder ist es tatsächlich eine ideologische Verblendung postfaktischer Art, heute ohnehin weit verbreitet, in einer unheiliger Allianz mit der altbewährten Arroganz und stramme Überheblichkeit der eigenen, von Verschwörungsmythen „durchgeistigten“ Weltanschauung? Wahrscheinlich trifft beides zu. Unwissenheit, Naivität verbunden mit einer Portion geistig verblendeter Überheblichkeit.

Auch die Kontroverse um den Geschichtslehrer Heinz Mosmann sollte gerade auch in diesem Zusammenhang gesehen werden! Verbunden mit ihrer Auswirkung auf Generationen von Waldorfschülern, die eine verzerrte Darstellung von Geschichte und Gesellschaft für ihren Lebensweg vermittelt bekommen!

Eine brandgefährliche Mischung braut sich da zusammen im postfaktischen Zeitalter des 21. Jahrhunderts. Fakten, Tatsachen, Argumente, alles was beiträgt zur Aufklärung, werden verdreht und verdrängt von dumpfen Gefühlen und teilweise offensichtliche Lügen von Heilsversprechungen neuer Verführer.

Nachtrag: Das (Un)Wort des Jahres 2016 ist „Postfaktisch“

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat das am 9. Dezember 2016 bekannt gegeben. Die Jury, zusammengesetzt aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wählte aus rund 2000 Belegen zehn Wörter und Wendungen:

„…die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben. Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden. Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen »post-truth«, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« (»feel true«) führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg…“

Da haben uns anscheinend die Schatten der dunklen Hintermänner der angloamerikanischen Bruderschaften auch noch das postfaktische Zeitalter mit einem Trump(f) als „bad joker“ verpasst.

Daniele Ganser lässt grüßen!

Weblinks:

Weblink 01″Waldorfschule Filstal“:

https://waldorfblog.wordpress.com/2015/07/10/jebsen-goeppingen

Weblink02 „Ken Jebsen“:

https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2016/12/30/medien-kenfm-ken-jebsen/

Weblink 03 „Im vollen Wortlaut und Zusammenhang“:

http://www.achgut.com/artikel/ich_weis_wer_den_holocaust_als_pr_erfunden_hat/

Weblink 04 „In diesem Briefwechsel“:

http://www.dreigliederung.de/kontroversen/2015-freies-geistesleben-und-verschwoerungstheorien

Weblink 05 „Lügenpresse“:

http://www.politische-bildung-brandenburg.de/sites/default/files/bilder/der-begriff-luegenpresse-von-1900-bis-2000%20%281%29.gif

Weblink 06″Irma Kreiten“:

http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/11/daniele-ganser-und-sein-umfeld-iii.html

Weblink 07″In zusammengefaster Form auch hier“:

http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.de/2014/12/rainer-rothfu-goes-querfront-tubinger.html

Weblink 08 „Sicherheitsdienste“:

https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf

Weblink 09″Inhaltsverzeichnis“:

http://d-nb.info/1098438604/04

Weblink 10″Postfaktischen“:

http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/#postfaktisch

Weblink 11″Wort des Jahres 2016 ist: Postfaktisch“:

http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/

Weblink 12″post-truth“:

https://en.oxforddictionaries.com/word-of-the-year/word-of-the-year-2016

Weblink 13″feel true“:

http://www.economist.com/news/leaders/21706525-politicians-have-always-lied-does-it-matter-if-they-leave-truth-behind-entirely-art?fsrc=scn/tw/te/pe/ed/artofthelie

Weblink 14″Trump(f)“:

Christmas Cold Open: Alec Baldwin & John Goodman (SNL 17.12.2016)

https://www.youtube.com/watch?v=bzPHzmOQYek

Weblink 15″bad joker“:

https://i.ytimg.com/vi/ZWr2V_0GrzY/maxresdefault.jpg

(https://www.youtube.com/watch?v=ZWr2V_0GrzY)


*Name der „Redaktion“ bekannt.

10. Januar 2017 at 4:29 pm 26 Kommentare

Vidars Gefolgschaft: Antisemitismus in der norwegischen Anthroposophie. Ein Interview mit Prof. Jan-Erik Ebbestad Hansen

Jan-Erik Ebbestad Hansen ist Professor (em.) für Ideengeschichte der Universität Oslo und Rezensent für die Abendzeitschrift „Aftenposten“. Wir sprachen über die Anthroposophie in Norwegen, in der sich, wie in Deutschland, völkisch-antisemitische Denkmotive mit einer aggressiven Polemik gegen Kritiker, die darauf hinweisen, verbinden. 

Ansgar Martins: Sie haben sich intensiv mit Theorie-Traditionen wie der christlichen Mystik, der Faust-Literatur und der Romantik beschäftigt. Sehen Sie hier Parallelen zur Anthroposophie oder sogar Gemeinsamkeiten? Wie stehen Sie zur Konstruktion einer „esoterischen“ Ideengeschichte?

Prof. Hansen: Ja, hier gibt es Gemeinsamkeiten und Parallelen. Bekanntermaßen hatte die christliche Mystik, oder jedenfalls was er als Mystik verstand, eine entscheidende Rolle für Steiner. Er erzählt ja selber, dass er in der christlichen Mystik wichtige Begriffe für sein eigenes Denken gefunden habe. Und die Christologie, die er entwickelt hat, befindet sich in der Nähe einer johanneischen Christus-Logos Mystik. Auch die Faust-Literatur war für Steiner wichtig. Alle Steiner-Kenner wissen ja, welche Bedeutung er Goethes Faust zugemessen hat. Faust ist sozusagen ein anthroposophisches Thema. Auch von der deutschen Romantik gehen deutliche Linien zu Steiners Anthroposophie. Ich denke an die spiritualistisch orientierte Natur- und Geschichtsphilosophie Schellings und Steffens´, die Volksseelen-Idee, Schellings Theosophie, die Revolte gegen ein mechanistisches Weltbild, gegen den Intellektualismus, die französische Aufklärung usw. Wichtig ist auch die Esoterik, die wir in der Romantik finden, z. B. bei Franz von Baader, der Jakob Böhme und Claude de Saint Martin vermittelt hat. Schelling ist ja vom Idealismus zur Theosophie Böhmes und Silesius’ gekommen wie Steiner von einem fichteschen Idealismus in die Theosophie Blawatskys. Diese Theosophien sind ja sehr unterschiedlich, aber dennoch: Eine Ideengeschichte der Esoterik finde ich sehr wichtig, da sie ja in der ideengeschichtlichen Forschung sehr unterbelichtet ist. Ich bin überzeugt davon, dass die allgemeine Ideengeschichte gezwungen sein wird, diese Ideen und Denkweisen zu integrieren. In den zwei letzten Jahrzenten sehen wir,  dass die Esoterikforschung ein neues Forschungsgebiet geworden ist, und sie tritt offensiv auf. Ich denke an Antoine Faivre und besonders an Hanegraaff und sein Umfeld in Amsterdam. Und ich denke an wichtige Übersichtpublikationen wie Dictionary of Gnosis and Western Esotericism (2006), Hanegraaffs Esotericism and the Academy (2012), Western Mysticism and Esotericism (2016) und Western Esotericism in Skandinavia (2016). Und was die Anthroposophie angeht, sind ja Helmut Zanders, Peter Staudenmaiers und Ihre eigene Forschung von entscheidender Bedeutung.

Was können Sie über die Entwicklung und Verbreitung der Anthroposophie in Skandinavien, speziell in Norwegen erzählen?

Steiner war ja mehrmals als Theosoph und Anthroposoph in Norwegen, seine Anhänger unter den Theosophen haben 1913 die  anthroposophische Vidar-Gruppe und 1923 eine Anthroposophische Landesgesellschaft gegründet. Man hört oft, dass die Anthroposophie in Norwegen im Unterscheid zu anderen Ländern, einen relativ großen Einfluss unter Schriftstellern bzw. Intellektuellen ausgeübt habe. Dies darf nicht übertrieben werden, aber einige Schriftsteller und Intellektuelle versuchen Steiners Ideen zu verteidigen und vermitteln. Heute gibt es sonst mehr als 30 Waldorfschulen in Norwegen, ein Bank, einige Ärtze, Kirche (die Christengemeinschaft), Camp Hill communities, biodynamische Landwirtschaft und einige Zeitschriften.

Wie wird die Anthroposophie in Norwegen heute öffentlich rezipiert und (wie) wird sie wissenschaftlich wahrgenommen?

Die Anthroposophie ist durchaus der wichtigste spirituelle Alterntivimpuls in Norwegen. Die Steiner-Schulen haben Anerkennung gewonnen und bekommen eine öffentliche finanzielle Unterstützung. Wissenschaftlich, in der Akademie, spielt die Anthroposophie kaum eine Rolle. Es gibt aber einige akademische Arbeiten die anthroposophische Aktivitäten thematisieren. Neulich haben wir eine PhD-Abhandlung über die norwegischen Steinerschulen erhalten. Selber habe ich mehrere Masterarbeiten über norwegische anthroposophische Zeitschriften von 1915 bis heute initiiert.

Vor einiger Zeit wurde Kaj Skagens 1000-seitige Biographie des jungen Rudolf Steiner hymnisch in einigen deutschsprachigen anthroposophischen Medien besprochen. Das klingt natürlich nach viel Material oder zumindestnach aufwendiger Interpretation des Bekannten. Wie beurteilen Sie das Buch?

Anthroposophische Hymnen sind meistens Hymnen auf Rudolf Steiner, und von geringem sachlichen Interesse. Skagen ist ein bekannter Schriftsteller, der an der öffentlichen Debatte teilnimmt, oft ziemlich polemisch. Er meint viel und lautstark. Er ist ein Autodidakt, will aber mit seinem Buch über den jungen Steiner zur Forschung beitragen. Es dreht sich nichtsdestowenigerum Vermittlung des schon Bekannten. Man kann aber sagen, dass er in Norwegen der beste Kenner des jungen Steiners ist. Skagenwar seit seiner Jugend ein fanatischer Anthroposoph (er nennt sich selber einen Fanatiker), aber schreibt, dass er jetztaus der Anthroposophie hinaus will. Er hat offensichtlich mit seinem eigenen Dogmatismus und der anthroposophischen Vorstellungswelt Probleme bekommen. In seinem Buch gibt es Ansätze zu einer selbständigen kritischen Darstellung. Das sind aber nur Ansätze. Wir werden sehen, ob er es schafft, sich frei zu machen.

Auch in Norwegen hat es eine Debatte über die Rassentheorien, Völkerstereotype und den Antisemitismus Rudolf Steiners und prominenter Anhänger gegeben. Sie publizieren demnächst eine Monographie zum Thema. Wie kam es dazu?

Vor einigen Jahren hat Professor Tore Rem eine große Biographie über den Schriftsteller Jens Björneboe publiziert, der auch einige Zeit lang von der Anthroposophie inspiriert wurde. Sie hat meistens glänzende Rezensionen bekommen, aber unter den Anthroposophen hat sie heftige Reaktionen hervorgerufen. Kaj Skagen und sein Freund Peter Norman Waage, auch ein loyaler Steiner-Apologet, haben das Buch verrissen. In diesem Streit ereignete sich ein bizarres Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man Anthroposophen kritisiert. Skagen veränderte unter einem Pseudonym Rems  WIKIPEDIA-Eintrag in eine negative Richtung. In der Debatte wurde auch ich von Kaj Skagen angegriffen, weil ich einer der Lektoren des Verlags war. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um das Verhältnis norwegischer Anthroposophen zum Nationalsozialismus. Dann habe ich an den Schriftsteller und Anthroposophen Alf Larsen gedacht, der oft von Anthroposophen als einer der Großen in der Bewegung hervorgehoben wird. Ich habe in seinem Archiv in der norwegischen Nationalbibliothek gesucht und ganz schnell ein großes, unbekanntes Manuskript gefunden, das Das Judenproblem betitelt war. Das war wirklich eine Überraschung. Es war kaum zu glauben, was da geschrieben stand. Ich wusste ja, dass er ein Antisemit war, aber dass er so extrem und grob war, wusste ich nicht. Ich hatte den größten Antisemitender norwegischen Literatur entdeckt. Ich habe sofort verstanden, dass ichmit diesem Material weitergehen musste, und es hat nicht lange gedauert, bis ich auch verstanden habe, dass Larsen nicht der einzige Antisemit unter den norwegischen Anthroposphen war.

Ihr Artikel betont besonders einen Aspekt von Steiners Antisemitismus: Die Vorstellung vom speziellen Charakter des jüdischen Blutes. Bei norwegischen Anthroposophen war das offenbar ein zentrales Thema. In der deutschsprachigen Literatur ist es irritierenderweise meines Wissens kaum ausführlicher untersucht worden. Hier dominiert, von einigen harten anthroposophischen Rassisten abgesehen, m. E. ein anderes Motiv: Steiners Kontrastierung von christlichem und „mitteleuropäischem“ Universalismus mit dem ethnozentrisch-vorchristlichen „Jahwe-Bewusstsein“, das er auch im Ersten Weltkrieg am Werk sah. Allerdings überzeugt Ihr Argument, die Bedeutung der Blutsvorstellung in seinem Bild des Judentums höher einzuschätzen. Der gesamte „internationalistische“ Anspruch seiner Christologie richtet sich gegen die überlebte Rolle der angeblich blutshomogenen  Juden: „Sein erstes Auftreten hätte der Christus nicht haben können innerhalb der jüdischen Gemeinde selber, wohl aber in Galiläa, an demjenigen Orte, wo gemischt waren die verschiedensten Völkerstämme und Völkergruppen.“ ([1909] GA 112, 162) Das hätte ich in meinen Büchern stärker pointieren müssen.Wie entwickelte sich in Norwegen der anthroposophische Antisemitismus? Welche Rolle spielte die blutsmaterialistische Dimension von Steiner Völkermythologie?

Der Kontext ist ja auch wichtig, gerade in diesen Jahren wurde die Dichotomie von „Deutschtum“ und des Judentum entwickelt. Auf der einen Seite die Germanen, die Individualismus und Universalismus repräsentieren, auf der andren Seite die Juden, die an Rasse, Blut und Kollektiv gebunden sind. Conrad Englert sagt explizit, dass die Juden ans Blut gebunden seien, dass die jüdische Rasse die Rasse sei, die am stärksten durch das Blut repräsentiert werde. Und Alf Larsen weist  mehrmals auf das besondere Blut der Juden hin. Er sagt deutlich, so lange es ein kleines Tröpfchen Judenblut in einem Jude gebe, könne er nicht restlos in ein anderes Volk aufgehen, was ihm eine ideale Notwendigkeit war. Auch Hohlenberg (er war ein Däne, der mehrere Jahre in Norwegen wohnte und wirkte) hebt die Einheit vom Geist und Körper als eine Selbstverständlichkeit hervor.

In welcher Hinsicht galten „die Juden als Lehrer der Nazis“, wie Sie schreiben?

Die anthroposophischen Autoren meinten, dass die Nazis ihre Vorstellungen von Rasse, Volk und Kollektiv von den Juden übernommen haben. Der Nazismus wurde also nicht nur als eine Parallele zum Judentum betrachtet, sondern die Nazis hätten von den Juden gelernt. Larsen sagt zum Beispiel, dass die Rassegesetze der Nazis eine direkte Nachahmung des Alten Testamentes seien.

Wie präsent waren solche Motive bei den leitenden norwegischen Anthroposophen jener Jahre?

Sie haben mehr oder weniger dasselbe gesagt, Johannes Hohlenberg, Conrad Englert und Alf Larsen: Die Juden waren die Lehrmeister. 1941 schrieb Larsen, dass der Nazismus der endgültige Sieg des Judentums auf der Welt sei. Die Juden waren also nicht nur Kommunisten und Kapitalisten, sie waren auch für den Nazismus verantwortlich! Dies muss die endgültige Bestätigung von Adornos These sein, der Antisemitismus sei ein flexibler Mythos.

Änderte sich diese Haltung nach 1945?

Bei Alf Larsen ist sie explodiert, ins Extreme entwickelt. Das Judenproblem wurde in den 1950er Jahren geschrieben. Interessanterweise ist diese Denkweise unter norwegischen Anthroposophen noch möglich. 2009 hat der Rechtsanwalt (höchstes Gericht) und Großanthroposoph Cato Schiötz in einer Diskussion über Larsens Antisemitismus und die Anthroposophie folgendes gesagt: „Larsen kritisiert Juden aus demselben Grund, aus dem er zu den Nazis kritischist. Sie bauen auf einen veralteten Begriff von Rasse und Blut. Dies dreht sich um das Rassenverständnis der Juden, nicht um die Christologie Rudolf Steiners.“

In welchem Verhältnis standen die Anthroposophen zu völkischem Gedankengut in Norwegen?

Hier gibt es ein nahes Verhältnis. Viele Anthroposophen haben die norwegische, germanische Volksseele betont. In der Zwischenkriegszeit gab es beinahe einen Kultus der Volksseele. Es gab eine starke Germanophilie und einen Glauben an die besondere Bedeutung der nordgermanischen, skandinavischen Länder. Sie sahen auch eine Kontinuität zwischen Heidentum und Christentum. Das heißt, dass sie an die heidnischen Götter, wie zum Beispiel Balder und Vidar, glaubten. Das tun norwegische Anthroposophen übrigens noch immer. Die Götter werden als geistige Realitäten aufgefasst. Mit ihrer starken Vidar-Anbetung strebten sie eine Art Synthese von Germanentum und Christentum an. Dies sieht man heute bei einem wichtigen Anthroposophen wie Frode Barkved, er meint, dass es notwendig sei, dass der heidnische Gott Vidar ein Leib für Christus werde.

Hans Büchenbacher schreibt in seinen „Erinnerungen“:

„Der dänische Generalsekretär Johannes Hohlenberg (ein in Dänemark bekannter und anerkannter Schriftsteller und Maler) und ein alter naher Freund von mir seit der Weihnachtstagung, an der er als dänischer Generalsekretär teilgenommen hatte, war Herausgeber der Monatsschrift „Vidar“, in der er auch Vorträge von Dr. Steiner übersetzt veröffentlichen durfte. Nachdem aus dem Titel unserer Wochenschrift „Das Goetheanum“ die Bezeichnungen „international“ und „Dreigliederung“ gestrichen worden waren, druckte er in einer Nummer des „Vidar“: „das sei nun die einzige Zeitschrift, die Anthroposophie „uafkortet“ (unverkürzt) vertrete“. Daraufhin entzog ihm Frau Dr. Steiner die Möglichkeit, Vorträge von Herrn Doktor in seiner Monatsschrift zu veröffentlichen. Nach der Besetzung Dänemarks im Weltkrieg konnte Hohlenberg nach Norwegen fliehen und wurde mit Hilfe unseres gemeinsamen Freundes Otto Morgenstierne auf einer Insel in Sicherheit gebracht.Ende der 50er Jahre ist Hohlenberg in Kopenhagen verstorben.“

Wie beurteilen Sie Büchenbachers Einschätzung und Beschreibung Hohlenbergs und dessen Kritik der Nationalsozialismus?

Vidar war eine norwegische anthroposophische Zeitschrift, die 1915 gegründet wurde. 1926 wurde Hohlenberg der Herausgeber Vidars, eine Stelle, die er bis 1940 hatte. 1933 wurde er auch ein Mitarbeiter in Alf Larsens Zeitschrift Janus. Er war mit einer norwegischen Frau verheiratet und hat eine zentrale Rolle für die norwegische Anthroposophie gespielt. Hohlenberg nahm wie sein Freund Larsen früh Stellung gegen Hitler und den deutschen Nazismus. Wegen seiner Hitler- und Nazismus-Kritik hat er aber große Schwierigkeiten mit der Leitung in Norwegen und Dornach bekommen. Es wurde ihm, wie Büchenbacher sagt, u.a. verboten Texte von Rudolf Steiner zu veröffentlichen. In der norwegischen anthroposophischen Gesellschaft gab es in der Zwischenkriegszeitvöllig absurde Streitigkeiten und Konflikte. Leitende Personen wie Helga Geelmuyden und Conrad Englert waren Freunde von Marie Steiner-von Sievers und sehr Dornach-loyal. Sie waren beide sehr kritisch gegen Hohlenbergs Hitler- und Nazismus-Kritik. In einem Brief an Marie Steiner-von Sievers empörte Geelmuydensich über Hohlenbergs „Hitler-Hass“ und über seine Nazismus-Kritik. Auch Larsen wurde wegen seiner Kritik der politischen Entwicklung in Deutschland in den 30er Jahre kritisiert. Die „offizielle“ Erklärung dieser Opposition gegen Hohlenberg ist, dass die Gesellschaft politisch neutral sein solle und dass die Leitung wegen der schwierigen Lage der Anthroposphen in Deutschland vorsichtig sein müsse. Nach Staudenmaiers und Ihrer eigene Forschung sieht das etwas anders aus. Nach dem Kriege haben norwegische Anthroposophen Hohlenbergs und Larsens Nazismus-Kritik hervorgehoben. Ihren Antisemitismus  haben sie aber verschwiegen.

In Ihrem Artikel ist nachzulesen, ausgerechnet Steiners Vortragszyklus „Die Mission einzelner Volksseelen…“ (in Deutschland 2007 von der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ unter Kommentarzwang gestellt, weil „in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“), sei unter norwegischen Anthroposophen viel rezipiert worden. Immerhin wurden die Vorträge 1910 in Oslo gehalten. Welche Botschaften und welche Ausgabe zog man daraus?

Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange mit der germanisch-nordischen Mythologie ist sehr wichtig, will man norwegische Anthroposophen verstehen. Hier hat Steiner ihnen die große, entscheidende  Bedeutung Vidars und der eigenen heidnischen Mythologie beigebracht. Sie erfuhren, dass es eine Kontinuität zwischen Heidentum und Christentum gebe, und dass sie eine große Bedeutnung für der Entwicklung der Welt haben können. Und NB, von hier haben sie auch die esoterische Begründung des Steinerschen Antisemitismus bekommen.

Ein weiteres Beispiel, das ebenfalls in Ihrem Artikel auftaucht: Für Rudolf Steiner war es „reizvoll zu verfolgen“, was „die nordischen Götter“, (Erz-)Engel mit bestimmten Zuständigkeitsbereichen, auf ihren „Wanderungen“ erschaffen. Ihm zufolge kommt „der Mensch … aus geistig-seelischen Welten herunter“ und so ist es „nicht gleichgültig, ob er als Norweger oder als Schwede geboren wird“: Ostskandinavier werden beim Inkarnationsvorgang „wie abgelenkt“ und entwickeln „einen passiven Charakter“: „Sie können nicht widerstehen demjenigen, was sich vom Osten herüber“, u.a. „durchmongolisch-tatarische Völkerschaften“ aufdrängt, bewahrten dafür aber in Vorzeiten eine „mystisch-orientalische“ Götterlehre. Die „norwegischen Menschen“ bzw. diejenigen, die „in der richtigen Weise ihr Norwegerleben“ verwirklichen, haben dagegen die Mission, ihren „Mitseelen“ in nachtodlichen Daseinszuständen „von den Geheimnissen der Erde“ zu berichten. Das sei für die postmortalen Menschen so wichtig wie die anthroposophischen Berichte aus der „geistigen Welt“ auf der Erde. ([1921] GA 209, 59ff.) Dieser Vortrag wurde ebenfalls vor norwegischen Zuhörern gehalten. Hatte diese spirituelle Völkerpsychologie Skandinaviens Folgen für die nationalistische Steiner-Rezeption in Norwegen und Schweden?

Ganz klar! Man kann sicher annehmen, dass Steiners Worte einen großen Eindruck gemacht haben. Sie haben sich als Vidars Gefolgschaft oder Kampfgruppe aufgefasst. Sie waren die Avantgarde der Entwicklung! „Nordland“  und Norwegen haben jetzt die Initiative. Der Leuchter, der früher in Mitteleuropa stand, steht jetzt in Skandinavien. Diese Ideen führten zu einer Huldigung der germanischen, norwegischen Volksseele. Eigentlich wollten sie wohl keine Nationalisten sein, aber im Nationalen haben viele die große Zukunft gesehen, haben sie einen Weg gefunden, der sie mit Vidar zu Christus gehen konnten.

Welchen Stellenwert nehmen rassentheoretische und nationale Spekulationen insgesamt in den Schriften norwegischer Anthroposophen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein – also auch im Verhältnis zu den sonstigen Aktivitäten?

Man kann schon sagen, dass der Nationalismus wichtiges Thema war, nicht dominierend, aber wichtig. Die Rassentheorien standen mehr in der Peripherie. Hohlenberg hat aber den anthroposophischen Rassentheoretiker Richard Karutz hervorgehoben. Und sie waren selbstverständlich „Germanen“.

Wie gehen heutige norwegische Anthroposophen mit Steiners Rassen- und Völkertableau um?

Selber haben sie nicht mit dem Antisemitismus oder den Rassentheorien Steiners abgerechnet. Sie sind im Grunde genommen überzeugt davon, dass es keinen Rassismus oder Antisemitismus in dessen Schriften gibt. Erst wenn andere, wie zum Beispiel Staudenmaier, auf problematische Seiten in der Anthroposophie oder der Bewegung zeigen, reagieren sie. In dieser Hinsicht sind sie ausgesprochen reaktiv. Und sie reagieren oft mit einer Apologetik, die ziemlich aggressiv sein kann. Wenn man sich historisch-kritisch mit der Anthroposophie beschäftigen will, muss man auf eine oft unangenehme apologetische Polemik vorbereitet sein. Seriöse Wissenschaftler wie Helmut Zander und Peter Staudenmaier sind ja bekanntlich fast Hassobjekte geworden. Wenn Anthroposophen Kritik aufnehmen, geht es um Bagatellisierung. Und sie heben einige Aussagen Steiners hervor, die den Rassismus  verurteilen. Einige, die nicht so dogmatisch sind oder sein wollen, können auch auf die Untersuchung der holländischen anthroposophischen Gesellschaft hinweisen. Eine Stellungnahme zu Ihrem Buch über den Steinerschen Rassismus habe ich nicht gesehen. Der Steinerkult bei den norwegischen Anthroposophen ist zentral, und die meisten orientieren sich offensichtlich an deutschen Dogmatikern wie z. B. Lorenzo Ravagli. Seine Texte werden übersetzt und er hält Vorträge in Oslo.Sie haben auch Baders und  Ravaglis Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Antisemitismusvorwurf übersetzen lassen, damit glauben sie offensichtlich das letzte Wort über Anthroposophie und Antisemitismus gesagt zu haben. Die Übersetzung hat ein Nachwort von Cato Schiötz, der, ohne die Sache untersucht zu haben, behauptet, dass Alf Larsens Antisemitismus eine Privatsache war. Es geht immer um Apologetik, Bagatellisierung und Wegerklärung. Es gibt aber Lichtpunkte. Kaj Skagen sieht den assimilatorischen Antisemitismus beim jungen Steiner. Hier hat er sich offensichtlich von Ralf Sonnenbergs kritischer Erörterung von Steiners Aussagen über die Juden beeinflussen lassen. Den Antisemitismus bei dem Theosophen und Anthroposophen Steiner kommentiert er nicht, es ist ja auch nicht sein Thema. Wie dies in der Bewegung aufgenommen wird, weiß ich nicht.

Einer der vitalsten Aspekte aus Steiners Zeitbetrachtung, der ebenfalls implizit antisemitisch aufgeladen ist, sind seine Verschwörungsideologien. Sie drehen sich primär um eine übersinnlich manipulierte okkulte Geheimlogen hinter der englischsprachigen Welt gerichtet waren. Wie verhielten oder verhalten sich norwegische Anthroposophen zu seinen im Ersten Weltkrieg formulierten Feindbestimmungen gegenüber dem „Angloamerikanertum“ ?

Auch ein Interessantes Thema! Hier kann ich aber leider nicht viel sagen, dies ist auch eine Untersuchung wert. Generell gilt, dass die große mitteleuropäische Kultur als ein Gegensatz zur angloamerikanischen Kultur gesehen wurde. Alf Larsen war hier sehr deutlich. Und Johannes Hohlenberg warnte vor der englischen Sprache, die  eine ahrimanische Sprache sei.

16. Dezember 2016 at 9:01 pm 16 Kommentare

Diesseits von Apartheid und Anthroposophie: Waldorf in Südafrika – eine Diskussion mit Eric Hurner

„Unsere Bewegung ging von Holländern und Engländern und nicht von Deutschen aus, zu einer Zeit wo man nicht gerade gut auf Deutschland zu sprechen war. Wir hatten während der ersten zwanzig Jahre ihres Aufbaus wenig Kontakt zu Deutschland und der Schweiz und fast gar nicht zu den Waldorfschulen. Ich habe einmal in unserem Kollegium während einer Sitzung erlebt wie jemand die Überlegenheit der deutschen Sprache und die Unmöglichkeit, Rudolf Steiner in einer anderen Sprache zu verstehen stark vertrat, und eine amerikanische Kollegin dazu nur laut ‚Sieg Heil‘, rief. Es gab keinen Einwand, denn der Auftritt des Deutschen schien uns völlig daneben. Ich habe mich immer als südafrikanischer Waldorflehrer, der für allgemeine demokratische Rechte eintrat, gehalten, und nie für den Träger einer ‚mitteleuropäischen Kulturmission‘. Ich kann mir kaum vorstellen welche Kollegen das anders empfunden hätten.“

Die Waldorfbewegung Südafrikas ist in Deutschland hauptsächlich für ihren Kampf gegen die Apartheid bekannt geworden – nicht nur diese Vorstellung entlarvt der Anthroposoph Eric Hurner, der in dieser Bewegung groß wurde, als europäischen Mythos. „Keine der Schulen stand jemals in gesetzlichem Konflikt mit der Apartheids-Regierung oder südafrikanischen Regierung.“ Dem Gerücht setzt er eine umsichtige Schilderung der höchst unterschiedlichen Einrichtungen und Strömungen nicht nur in der südafrikanischen Waldorfbewegung entgegen. Er hält dabei an der eindeutig rassismuskritischen Praxis ihrer Institutionen fest, schildert diese jedoch aus ungewöhnlicher Perspektive: Sie sei weniger im Kontext deutsch-anthroposophischer Weltmissions-Vorstellungen zu verstehen als aus dem pragmatischeren Geist einer englischsprachigen Waldorfpädagogik. „Der eigentliche Kampf war ein pädagogischer und kein politischer.“ Neben vielen anderen Einzelheiten ergänzt Hurner das Bild des wegen seiner vormaligen Unterstützung der Apartheid umstrittenen Waldorfpädagogen Max Stibbe, der später zu einer prägenden Gestalt der südafrikanischen Szene wurde. Das Gespräch zeigt einmal mehr, dass sich die komplizierte globale Geschichte der Anthroposophie höchstens eingeschränkt aus ihrem Gründungsimpuls verstehen lässt, weil sie konkret mit dem gesellschaftlichen, politischen und – in diesem Fall – pädagogischen Handgemenge vor Ort zusammenhängt.[1]


Zur Diskussion (PDF)


[1] Siehe dazu ausführlich Eric Hurner: Kultureller Rassismus und Anthroposophie. Die Integration der südafrikanischen Waldorfschulen, Rendsburg 2016.

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Eric Hurner (Foto: Privat)

Zur außerdeutschen Entwicklung der Anthroposophie siehe auch:

Waldorf in Taiwan

Eklektik, Kitsch und Karma: Steiner-Ausstellung in Tokyo

Anthroposophie und Antisemitismus in Norwegen

5. September 2016 at 9:59 pm 6 Kommentare

Anthroposophie und Antisemitismus in Norwegen

OSLO/BERLIN (NNA) – Forschungsergebnisse von Prof. Jan-Erik Ebbestad Hansen – einem emeritierten Ideenhistoriker der Universität Oslo, der bisher unter anderem zur christlichen Mystik publiziert hat – haben in Norwegen zu einer Debatte über das Verhältnis von Anthroposophie und Antisemitismus geführt.

Im Zentrum der Recherche des Wissenschaftlers steht der anthroposophische Dichter Alf Larsen (1885–1967). Ebbestad Hansen sieht in ihm den „größten Antisemiten Norwegens“, der sogar den nationalsozialistischen Rassewahn explizit als jüdisch etikettierte.

Eine englische Kurzzusammenfassung der Forschungsergebnisse ist Anfang des Jahres in der Zeitschrift „Nordeuropa-Forum“ (Berlin) erschienen (siehe Literaturhinweis), eine umfassende Buchfassung ist in norwegischer Sprache angekündigt. Im deutschsprachigen und internationalen Diskurs sind die zum Teil schon 2009 veröffentlichten Befunde Ebbestad Hansens bisher weitgehend unbeachtet geblieben.

Im Nachlass von Larsen findet sich ein bereits zur Publikation vorbereitetes Manuskript zum „Judenproblem“, das ab 1953 entstand und das Ebbestad Hansen entdeckt hat. Zahlreiche weitere Texte seit den 30er Jahren belegen, dass Larsen im „materialistischen“, aus seiner Sicht nach der Weltherrschaft greifenden Judentum die Wurzel alles Bösen erblickte. In den 50er Jahren verglich er die Juden, in denen er eine Manifestation des Dämons Ahriman sah, mit einem Krebsgeschwür der Menschheit. Explizit benannte er den Nationalsozialismus, den er scharf ablehnte, als jüdisches Projekt.

Die akademische Welt und die Öffentlichkeit in Norwegen reagierten schockiert auf die Recherchen des Ideenhistorikers. Die norwegischen Anthroposophen distanzierten sich von Larsen, in dessen christlich-esoterischer Rekonstruktion der Weltgeschichte sei kein Zusammenhang mit der Anthroposophie zu erkennen.

Ebbestad Hansen insistierte, weil Larsen sich durchaus explizit auf Steiner berief. Zu Lebzeiten hatte dieser auch über die anthroposophische Szene hinaus in Norwegen Bekanntheit erreicht, unter anderem als Begründer der Zeitschrift „Janus“. Durch diese Zeitschrift habe er „die Anthroposophie fruchtbar in das öffentliche Kulturleben Norwegens“ gestellt, heißt es dazu in einer biografischen Darstellung zu Larsen, die von der Forschungsstelle Kulturimpuls in Dornach herausgegeben worden ist.

Verflechtungen

Ebbestad Hansens weitere Nachforschungen dokumentieren zahlreiche Verflechtungen von Antisemitismus und Anthroposophie ab der Zeit zwischen den Weltkriegen. Zwei Besonderheiten im norwegisch-anthroposophischen Diskurs dieser Zeit hebt der Forscher hervor: Im Zentrum des eigenen Selbstverständnisses der norwegischen Anthroposophen stand offensichtlich Steiners Auslegung der nordischen Mythologie, die mit Volks-Missionen verbunden wurde. Am wichtigsten erschien dabei der mit Christus assoziierte „Vidar“, der am Weltende den Fenriswolf zertrümmert, welcher zuvor den alten Göttervater Odin verschlungen hat. Ein wichtiges antisemitisches Motiv bestand in der Vorstellung von einer speziellen physisch-spirituellen Gestalt des jüdischen Blutes.

Prominente Anthroposophen wie Olav Aukrust und Ivar Mortensson-Egmund ersannen in den 20er Jahren nationale Apokalypsen unter Berufung auf Steiner und die Edda. Ingeborg Møller, die Steiner bei seinen Vortragsreisen nach Norwegen begleitete, publizierte in der antisemitischen Zeitschrift „Nationen“ über den norwegischen Genius.

Die judenfeindlichen und explizit faschistischen Ansichten von Møllers Freundin Marta Steinsvik, die in Steiners freimaurerische Aktivitäten eingeweiht war und von ihm persönlich nach Deutschland eingeladen wurde, gingen noch weiter. Sie wurde in den 30er Jahren zu einer bekannten völkischen Aktivistin, ohne ihre anthroposophischen Ideen abzulegen. Møller hingegen wurde 1942 während der deutschen Besatzung Norwegens inhaftiert und ihre Artikel in „Nationen“ zensiert.

Ebbestad Hansen weist außerdem auf die personelle und ideelle Verflechtung der völkischen Anthroposophen Norwegens mit der deutschsprachigen Anthroposophie hin. Helga Geelmuyden, ebenfalls persönliche esoterische Schülerin Steiners, beschwor schon 1918 einen entscheidenden Gegensatz von germanischem und jüdischem Denken. Gegen die als jüdisch bezeichnete Erkenntniskritik Immanuel Kants habe erst die Anthroposophie eine aus Geelmuydens Sicht wesensgemäße deutsche Denkart entwickelt. 1925 publizierte sie in der deutschen Zeitschrift „Die Drei“ über den teutonischen Geist.

In den 30er Jahren ging Geelmuyden mit dem aus der Schweiz stammenden Conrad Englert in der norwegischen Anthroposophischen Gesellschaft gegen Kritiker des Nationalsozialismus vor – auch gegen Larsen. Der stellte unter dem Druck der Zensur unter der deutschen Besatzung 1941 seine Zeitschrift „Janus“ ein.

Hier heißt es in der Biografie der Forschungsstelle Kulturimpuls, die Zeitschrift „Janus“ habe zum NS-Regime „unmissverständlich Stellung“ bezogen und „in klarer Opposition gegen die roten, braunen und schwarzen Diktaturen“ gestanden. Nach dem Krieg sei Larsen wegen seiner Kompromissbereitschaft gegenüber der Zensur deutlich kritisiert worden. Der Dichter wird dann aber gegenüber der Kritik in Schutz genommen, die seine „wunderbare Gedichtsammlung „I Jordenslys“ aus dem Jahr 1946 nicht zur Kenntnis genommen habe.

Antisemitismus, Rassismus und Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus

Ebbestad Hansen weist auch auf die Rolle von Marie Steiner-von Sivers, der Erbin Steiners im Schweizerischen Dornach hin, die mit dem norwegischen Vorstand in den dreißiger Jahren korrespondierte. Sie untersagte dem dänischen Anthroposophen Johannes Hohlenberg, der als Freund des deutschen Landesvorsitzenden Hans Büchenbacher auch in Norwegen als scharfer Kritiker Hitlers wahrgenommen wurde, in diesem Zusammenhang den Nachdruck von Steiner-Vorträgen in der Zeitschrift „Vidar“, die er seit 1924 mit Møller herausgab.

Englert, der in den 20ern zwei lange, positive Artikel über Mussolini aus der Feder Hans von Mays in derselben Zeitschrift abgedruckt hatte, hielt Hohlenberg entgegen, die Anthroposophie sei apolitisch.

Ebbestad Hansen weist darauf hin, dass Englert dennoch eine ganz eigene esoterische Kritik der NS-Blutsmythologie entwickelte: Er behauptete – wie auch Larsen –, die Nazis hätten sich bei den Juden bedient. Selbst Hohlenberg, dessen Hitler-Kritik unter deutschen Anthroposophen heutiger Tage zuweilen Erwähnung findet, teilte in einem Text von 1938 diese Vorstellung, wenn er dem Judentum den Ursprung von Völker- und Rassenhass zuschrieb.

Noch 1948 republizierte er einen seiner antijüdischen Essays aus der Zwischenkriegszeit. Bei Hohlenberg, Englert und Larsen finden sich auf jeweils unterschiedliche Weise – wie Ebbestad Hansen zeigt – Antisemitismus, Rassismus und Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus in einer politischen Position. Larsens Antisemitismus überflügelt dabei aber die Vorstellungen der beiden anderen bei Weitem.

Steiner und Skandinavien

Die entsprechenden Vorstellungen von „Teutonen“ versus Judentum wurden von den genannten norwegischen Anthroposophen durchgängig unter Berufung auf Rudolf Steiners Schilderungen einer kosmischen Evolution des Menschengeistes begründet. Die norwegische Anthroposophie-Rezeption der betreffenden Szene führt Hansen auf spezielle Angaben von Steiner selbst zurück.

Dafür waren seine verschiedenen Besuche auf der Insel und seine Bemerkung über Skandinavien stilprägend. In Oslo hielt Steiner unter anderem 1910 den berühmten Vortragszyklus zur „Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“ (siehe Literaturhinweis). In einer Nebenbemerkung ging Steiner hier tatsächlich auf ein „okkultes“ Spezifikum des jüdischen Blutes ein. Die „semitische Rasse“ entstehe unter dem Einfluss des im Mond konzentrierten Formgeistes Jahwe sowie der Mars-Geister, die eben aufs Blut wirken. Durch diesen Einfluss sei zu „begreifen, warum gerade die fortgehende Wirkung des Blutes von Geschlecht zu Geschlecht, von Generation zu Generation für das semitisch-hebräische Volk von ganz besonderer Wichtigkeit ist…“

Auf eine solche astrologische Rassentheorie berief sich dann auch Larsen in seinen Überlegungen der 50er Jahre. Bei einem späteren Besuch schilderte Steiner im Dezember 1921 die spezielle Mission der Norweger seit der prähistorischen Eroberung des Landes: Ihr Beitrag sei es, im Nachtodlichen den ehemaligen Angehörigen anderer Nationen Kunde von der physischen Welt zu bringen. (siehe Literaturhinweis)

Vor allem jedoch sei Steiners völkerpsychologische Interpretation der nordischen Mythologie als spezielle nationale Mission aufgefasst worden, so Ebbestad Hansen: Odin, Thor und Vidar seien dabei als regional-kulturelle Erscheinungsformen bestimmter Erzengel und Spiegelungen Christi verstanden worden.

Reaktion

Auf die Reaktion der anthroposophischen Bewegung gegenüber diesem Diskurs aus Norwegen darf man gespannt sein. Vor allem stellt sich die Frage, inwieweit die Forschungsstelle Kulturimpuls in ihren Biografien solche Forschungsergebnisse nachträglich einbezieht. Im Falle des italienischen Anthroposophen Massimo Scaligero, der nach Recherchen des US-Historikers Peter Staudenmaier dem Mussolini-Regime nahestand und entsprechend agitierte, steht in der Online-Dokumentation seit Jahren nur der Hinweis: „Dieser Beitrag ist in Bearbeitung“. Auch die nationalsozialistischen Interessen deutscher Anthroposophen, etwa von Roman Boos, werden in den Biografien eher nicht aufgearbeitet.


Literaturhinweis:
Jan-Erik Ebbestad Hansen: „The Jews – Teachers of the Nazis? Antisemitism in Norwegian Anthroposophy“, in: Nordeuropa-Forum, Jg. 2015, S. 161-216 (http://edoc.hu-berlin.de/docviews/abstract.php?lang=&id=42343)
Rudolf Steiner: Die Mission einzelner Volksseelen in Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie, Zyklus von elf Vorträgen gehalten in Kristiania (Oslo) vom 7. bis 17. Juni 1910, Gesamtausgabe Bd. 121, Dornach 1982.
Rudolf Steiner: Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse. Das Fest der Erscheinung Christi, Elf Vorträge aus dem Jahre 1921, gehalten in Kristiania (Oslo), Berlin, Gesamtausgabe Bd. 209, Dornach 1982.


Der Beitrag erschien ursprünglich bei NNA.

26. August 2016 at 2:55 am 4 Kommentare

Wissenschaft, Mythos und andere unproduktive Etikettierungen – Hartmut Traub zu Heiner Ullrich

Plädoyer für eine Wendung auf Sachfragen

„Die Wissenschaft steht […] dem Mythos viel näher, als eine wissenschaftliche Philosophie zugeben möchte“

Hartmut Traub hat 2011 die erste umfassende philosophische Kritik der Frühschriften Steiners vorgelegt. Schon darin plädiert er dafür, auch die spätere Esoterik der Anthroposophie vor allem aus dem gedanklichen Gravitationsfeld des deutschen Idealismus herzuleiten. Aus dieser Perspektive bespricht er nun Heiner Ullrichs 2015 erschienene ‚kritische‘ „Einführung in die Waldorfpädagogik“ und zeigt, dass Steiner und die Transzendentalphilosophie einander näherstehen als Ullrich vermuten lässt. Dieser Versuch, Ullrichs simple Trennung von Mythos und Moderne zu umgehen, indem die vermeintlich Kantischen Grundlagen der letzteren als Mythos enthüllt werden, unterstützt neuere subjekt- und bewusstseinsphilosophische Lesarten Steiners. Der Text basiert auf einem Vortrag, der im Mai 2016 auf einer Veranstaltung mit Ullrich an der anthroposophischen „Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft“ gehalten wurde.


Zum Text (PDF)


Mehr zum Thema

Ansgar Martins: Rezension zu Heiner Ullrich: Waldorfpädagogik. Eine kritische Einführung

Hartmut Traub: Welten, die sie trennen! Rezension des ersten Bandes der Kritischen Ausgabe von Steiners Schriften

Hartmut Traub: Rudolf Steiner und Baruch de Spinoza. Ein Diskussionsbeitrag

Hartmut Traub: Schwierigkeiten der Vermittlung von Philosophie und Anthroposophie im Werk Rudolf Steiners

Ansgar Martins: Philosophie und Anthroposophie. Zu Hartmut Traubs Steiner-Exegese


Dr. Hartmut Traub ist Studiendirektor am Seminar für schulpraktische Lehrerbildung in Essen und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Johann-Gottlieb-Fichte-Gesellschaft. Promotion über Fichtes Populärphilosophie und Herausgeber u.a. des Briefwechsels zwischen Schelling und Fichte, der Fichte-Studien und der Fichte-Studien Supplementa. Lehraufträge in Philosophie und Philosophie-Didaktik an der Mercator Universität Duisburg, der Universität Duisburg/Essen und der Alanus-Hochschule Alfter.

Hartmut Traub

10. August 2016 at 12:40 pm 4 Kommentare

Waldorf im Kindergarten: Rezension zu Sebastian Suggate

Sebastian Suggate ist Professor für Kindheitspädagogik und Entwicklungspsychologie an der Alanus-Hochschule in Alfter, zu deren Profil das Ziel gehört, Anthroposophie nach innen und außen wissenschaftslich diskursfähig zu machen. (vgl. dazu kürzlich Jost Schieren: Waldorf heute und André Sebastiani: Neue Waldorfpädagogik?) Im Cornelsen-Verlag erschien 2015 Suggates enthusiastische Einführung in das Konzept des Waldorfkindergartens. Ich habe eine Rezension dazu auf „Socialnet. Das Netz für die Sozialwissenschaft“ geschrieben.

Zur Buchbesprechung

 

4. Juli 2016 at 2:35 pm 1 Kommentar

Die reformpädagogischen Wurzeln der Waldorfschulen

„Ich habe einen ausgezeichneten Lehrer von einem Landerziehungsheim nach Stuttgart berufen. Ihm gefiel es hier besser, er muss doch hier etwas finden, was über das hinaus geht; der Mann muss doch beides vergleichen können. Daran sehen Sie gleichzeitig, dass man nicht einseitig ist, denn sonst hätte ich den Lehrer nicht berufen.“
– Rudolf Steiner, GA 217a, 79

Die Entstehung der anthroposophischen Praxisfelder ist einerseits gut dokumentiert, weil jeder Fitzel aus dem Leben Steiners aufbewahrt und/oder niedergeschrieben wurde. Andererseits überdeckt das strahlende Bild des Übervaters die Erinnerung an die konkrete Etablierung der Praxis und ihrer Genealogie. Nach der Vorstellung vieler seiner Anhänger und vieler Kritiker setzte der Prophet Steiner seine entsprechenden Anweisungen in die Welt, wo sie von den Schülern dankbar aufgenommen wurden und bis heute versteinerten. Zumindest in den ersten Anfängen war jedoch eher das Gegenteil der Fall: Viele Praxisvorschläge wurden an Steiner herangetragen oder er verlieh schon bestehenden Konzepten und Anwendungen im Nachhinein seine eigene religiöse Handschrift. Diese Variante einer Genealogie anthroposophischer Institutionen legte im Prinzip schon Helmut Zanders umfangreiche Rekonstruktion der „Anthroposophie in Deutschland“ (Stuttgart 2007, Bd. II) nahe. Verbindungen zwischen Waldorf- und Reformpädagogik, die viel kolportiert werden, konnte Zander jedoch höchstens ansatzweise ausmachen. Er stellte vielmehr zutreffend fest, dass sich zwar einige Ähnlichkeiten finden, Steiner aber die großen Reformpädagogen kaum kannte und meist ablehnte. In Landerziehungsheimen würden, so eine Polemik, bloß falsche Individualisten erzogen: „furchtbare Kritiker, schreckliche Kritikaster, denen nichts in der Welt recht ist“, während das Universum für ihn stets wahr, schön und gut war. (GA 217a, 79) Genau das ist aber eine Parallele zu den Weltbildern vieler Reformpädagogen.

„Welche Rolle in diesem Prozeß einige der von Steiner an die Stuttgarter Waldorfschule berufene[n] Lehrer spielten, die von [Hermann] Lietz’ Landerziehungsheim oder aus der Odenwaldschule Paul Geheebs kamen, ist augenblicklich unklar … Adalbert Graf von Keyserlingk, in: Koberwitz 1924, 129, berichtet, daß die Lehrer Christoph Boy und Herr Kilian aus Lietz’ Landerziehungsheim abgeworben wurden, ein dritter, Pfarrer Seusing, nur aus familiären Gründen nicht nach Stuttgart ziehen konnte.“ (Zander, a.a.O., 1389)

Die bei Zander nicht weiter recherchierte Verbindung wurde kürzlich von Matthias Fechner neu ausgegraben, Lehrbeauftragter an der jungen anthroposophisch inspirierten „Cusanus“-Hochschule in Bernkastel-Kues. Zuvor arbeitete Fechner sowohl an einer Waldorf- als auch an der legendären Odenwaldschule, deren Archiven er seine Hinweise verdankt. Ausblicke auf eine ganze Reihe von Funden gewährt ein Artikel in der liberal-anthroposophischen Zeitschrift Info3 (Juni 2016, S. 10-15). Man hofft auf eine ausführlichere Präsentation, aber Fechners Funde scheinen bestechend. Bereits 1913 war an der Odenwaldschule ein großer Teil der heute aus Waldorfschulen bekannten Methoden zusammen, vor allem der Epochenunterricht:

„Jeweils zwei Fächer wurden nun epochal über vier Wochen unterrichtet, für die Dauer eines ‚Arbeitsmonats‘. Mit dem zweistündigen Frühkurs begann der Schltag; eine einstündige Pause folgte, danach fanden sich die Schüler zum Spätkurs in ihrem Fachraum ein. Der Nachmittag blieb offen für die „praktischen Fächer“, womit vermutlich „Schreinerei, Schlosserei, Gartenbau, Landwirtschaft, Papparbeiten und Buchbinderei, Nähen, Kochen“ gemeint sind. Zum Abschluss eines Arbeitsmonates erfolgte eine Präsentation des Geschaffenen…“ (Fechner, S. 13)

Das Konzept entstand im Austausch mit dem Landerziehungsheim Wickersdorf. Hier war laut Fechner ein Mario Jonas ausschlaggebend, Schüler von Geheeb und Gustav Wyneken. Auch scheinbar stärker esoterische Postulate der Steinerpädagogik wurden von Jonas vorgedacht: „An mehreren Beispielen erklärt er, wie der Stoff des Vortages in die Nacht genommen werden könne, damit der Unterricht am folgenden Tag desto fruchtbarer ablaufe.“ (ebd.)

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Freie Schulgemeinde Wickersdorf, Saalfelder Höhe (2014), Foto: Aschroet, Wikipedia Commons

Neben Odenwaldschule und dem Landerziehungsheim Wickersdorf steht in der reformpädagogischen Waldorf-Ahnengalerie auch das Erziehungsheim Haubinda. In einem benachbarten Klosterheim Haubinda wohnte Steiner wahrscheinlich 1905, um ungestört an Texten für seine Zeitschrift Lucifer-Gnosis zu arbeiten. Dabei interessierte er sich wohl auch für das Landerziehungsheim, den dort führenden völkischen Pädagogen Hermann Lietz jedoch kritisierte er später. Dies darf nach Fechner „als kalkulierte Abgrenzung gegen den Konkurrenten Lietz gesehen werden“, obwohl beider Gemeinsamkeiten auch nicht so tiefgreifend sind, dass man hier eine weitere verdrängte Abhängigkeits- und Abspaltungsgeschichte erzählen müsse. Haubinda verdankt die Waldorfpädagogik jedoch zumindest die „ausführlichen Textzeugnisse“ – so Fechner. (S. 12)

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Hermann Lietz-Schule Haubinda (2016), Foto: Presse03, Wikipedia Commons.

Christoph Boy und Robert Killian kamen in der Tat aus Haubinda an die erste Waldorfschule – so weit war auch Zander unter Berufung auf Keyserling, ohne jedoch den Biographien weiter nachzugehen oder die Parallelen als Kontexte der Steinerschen Ideogenese einzubeziehen. Steiners eingangs zitierte Lobesworte beziehen sich wohl auf Killian, der laut Fechner als maßgeblicher Vermittler von reformpädagogischen Praktiken an der Waldorfschule anzusehen ist. „Keiner hat wie er den Schulorganismus durchdrungen“, schrieb sein Kollege Ernst Weißert in einem Nachruf. Killian hatte nämlich Kontakte zur Odenwaldschule, wo er auch nach der Schließung der Stuttgarter Schule durch den nationalsozialistischen Württembergischen Kultusminister Mergenthaler arbeitete. (vgl. Waldorfschulen 1933-1945) Elisabeth Sachs, Ehefrau des damaligen Leiters der Odenwaldorfschule, arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg wiederum in einem „Camphill“-Dorf in New York. Für Fechner schließt sich hier ein „Schicksalskreis“. (S. 14) Diese entspannte, ja zu Schicksal esoterisierte Akzeptanz der historischen Verbindungen zeigt: Anthroposophen sind in der Lage, den Hinweis auf die Genesis ihrer Konzepte reflexiv zu integrieren. Das hatte nach dem Erscheinen von Zanders Studie von 2007 anders ausgesehen: damals galt das Aufzeigen historischer Kontexte noch als ehrenrührige Polemik. Für Anthroposophiekritik heißt diese Verschiebung vor allem, dass sie ein offenes Auge für die Veränderungen ihres Gegenstands (auch durch äußere Einwirkung) bewahren muss.

17. Juni 2016 at 4:00 pm 4 Kommentare

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Hallo allerseits,
Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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