Steiner = Jesus. Ein Gott, seine Gläubigen, die Ketzer und ein „trojanisches Pferd“

8. Januar 2010 at 4:35 pm 24 Kommentare

In meinem vorletzten Artikel habe ich versucht, dogmatische und absolutistische Positionen einer anthroposophischen Heilslehre aufzuzeigen (Ahriman, Avitchis und die Apokalypse). Diesmal möchte ich deren Weiterbildung nach Steiners Tod skizzieren, v.a. betreffend die Person Rudolf Steiners und deren Verklärung zu einem „Meister“, „Eingeweihten“, Propheten – oder gar zu Jesus selbst (I.1-7). Außerdem werde ich an zwei von mir öfter erwähnten Beispielen, dem Historiker Helmut Zander (vgl. Zander als Gewährsmann) und der Zeitschrift Info3, darstellen, wie aus dieser absolutistischen Weltsicht heraus vermeintliche GegnerInnen ausgemacht und verteufelt werden (II.1-2).

Der Artikel ist mal wieder sehr lang, aber mit zahlreichen Unterüberschriften versehen, die auch in sich verständlich sein müssten…

I.1 Der Sonnenlogos und Meister Steiners Ätherleib

Die Theosophen, v.a. Blavatsky, Sinnet und Olcott, glaubten sich von uralten, mächtigen Wesenheiten gelenkt, die ihnen regemäßig Briefe schrieben und damit spirituell instruierten (vgl. zu Blavatskys „Mahatma“ Karl H. Frick: Licht und Finsternis, Marix Verlag, Wiesbaden 2005, Bd II, 260 ff.; zum Mythologem der Meister und seiner Brauchbarkeit für reaktionäre Propaganda Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne (2005), Marix Verlag 2009, aus dem Englischen von Ulrich Bosier u.a., S. 170f., 180f.) Diese Wesen seien vor Jahrhunderttausenden magische Priesterkönige der versunkenen Lemurier gewesen und nun sog. Mahatmas, Meister der Menschheitsentwicklung. Ihre Namen waren Koot Hoomi, Morya, Jesus, Hilarion, Saint Germain (bzw. Christianus Rosenkreutz), Paul der Venezianer und der Inder Narayan. Sie lebten dem Vernehmen nach im Himalaya.

Die Theosophen glaubten, Morya und Koot Hoomi hätten 1875 die Gründung der Theosophical Society bewirkt. 1896 habe Meister Jesus sich bereit erklärt, zu kooperieren, und habe einen Teil der „Esoterischen Schule“ innerhalb der TS übernommen.

Das Septagramm als Symbol für das Mystische Lamm (als Symbol für Jesus/Steiner etc.)

Das Septagramm als Symbol für das Mystische Lamm

Der AnthroposophInnen-Urvater Rudolf Steiner galt nach seiner Kehre zum „esoterischen Christentum“ 1906 als hoher „Eingeweihter der Rosenkreuzer“, ja teilweise wurde er selbst als „Meister“ oder gar als Gefäß für Christus verehrt (zu Steiners Aussagen über seinen eigenen „Meister“ vgl. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland, I, S. 555).

Der prominente Theosoph Wilhelm von Hübbe-Schleiden, der Steiner früher und später sehr skeptisch gegenüberstand, schrieb an Steiner am 4. Juli 1911, dass der „Christusgeist“ durch ihn spreche – und Steiner hat dem nicht widersprochen (Der Brief ist veröffentlicht in Klatt: Theosophie und Anthroposophie. Neue Aspekte zu ihrer Geschichte aus dem Nachlaß von Wilhelm Hübbe-Schleiden (1846–1916) mit einer Auswahl von 81 Briefen, Göttingen 1993, S. 103 und im Anhang, Nr. 39). Hübbe-Schleiden schrieb an die Theosophische Generalsekretärin Annie Besant von Steiners Konzept über das „Wiedererscheinen Christi in der Ätherwelt“:

„…after his [Steiners] death, the Sunlogos-Christ-Spirit will then use his (Steiners) etheric and astral bodies for his remanifestation analogously like this ‚Christ‘ appeared in the form of Jesus to St. Paul on his way to Damascus… If the prophecy will be fulfilled, Steiner would become an avatar of the Sun Logos…“ (zit. nach ebd., Brief Hübbe-Schleidens vom 19.07.1911)

Wilhelm von Hübbe-Schleiden (1846-1916), Theosoph

Wilhelm von Hübbe-Schleiden (1846-1916) glaubte, Christus werde sich in Steiners Ätherkörper remanifestieren

In meiner Übersetzung:

„…nach seinem [Steiners] Tod, wird der Sonnenlogos-Christusgeist seine (Steiners) Äther- und Astralkörper für seine Remanifestation in der ätherischen Welt nutzen, genauso wie dieser ‚Christus‘ in der Form von Jesus St. Paulus auf seinem Weg nach Damaskus erschien … Wenn die Prophezeiung sich erfüllte, würde Steiner ein Avatar des Sonnenlogos werden…“

Heutige AnthroposophInnen scheinen in der Regel nicht mehr offen derart stolz und voll Sendungsbewusstsein, wenn es um ihren Gründervater geht, zumindest offiziell. Es ist aber überraschend, welche Glorifizierungen Steiner aber auch heute erfährt.

Unter anderem bei Hermann Keimeyer.

I.2 Steiner alias Meister Jesus

„Herr Keimeyer, nach eigenem Bekunden „einer der geringsten Schüler der weißen Meister“, hat eine Reihe prominenter Fürsprecher, z.B. Meister Jesus ( identisch mit Rudolf Steiner), Chr.Rosenkreuz, Maria unter dem Kreuz (identisch mit Marie Steiner, ihr Mysterienname ist Maria Logos)“, aber auch „Gautama Buddha, und Melchisedek (dem Führer des Sonnenorakels der Alten Atlantis, dem Begründer der Gralsmysterien, und der Tafelrunde von König Athurs) , weiter mit dem Ur – Michael, und dem Throne Christus“. Dagegen kommen wir natürlich nicht an, denn wir haben als Referenzen eigentlich überhaupt niemanden.“ (so über Keimeyer der Anthroposoph Michael Eggert: Grüße vom Großen Hüter, – Hervorhebungen A.M.)

Keimeyer hält also Steiner für identisch mit Jesus, Marie Steiner für die Jungfrau Maria (die Frage, welche der Zwei Jesusse und Marien aus der anthroposophischen Märchenwelt gemeint ist, beantwortet er aber nicht). Keimeyer erhält seine Botschaften nach eigenem Bekunden durch eine „Eingebung“ auf der ätherischen Ebene, d.h. durch eine Art Channeling.

Comic zu Keimeyer von Michael Eggert

Aus diesen „Ätherwelten“ erfahren wir Vieles: Steiner wird dort fortwährend gekreuzigt und nimmt dadurch die Leiden v.a. der AnthroposophInnen, aber auch der restlichen Welt auf sich. Wer ihn suche, dessen Seele werde durch die Auferstehung von ‚Rudolf Steiners Geistwesen‘ belebt (Rudolf Steiners ständige Kreuzigung…). Diese Sakrifizierung hat offensichtlich ein einziges Ziel: Steiner tatsächlich in den Mittelpunkt einer religiösen Erlösungslehre zu setzen.

Dieser „Steiner“ „sagt“ durch Keimeyer:

„Die Beurteilungen von Schmidt-Brabant und Günther Röschert rechnen nicht – in gar keiner Weise – mit meinem nachtodlichen Wirken, in diesem Wirken sind voll tätig Christian Rosenkreuz – der einst der Lieblingsjünger des Christus war, ebenso Marie Steiner, die ehemals mit ihm unterm Kreuze stand auf Golgatha. – Jeder Mensch, der meine Schriften und Meditationen mit seinem Herzen durchgearbeitet hat in ehrlicher – selbstlos – selbstbewußt strebender Weise, kann sich aus vorübergehender okkulter Gefangenschaft befreien oder ist davor geschützt, je nach seinem Karma. (…) mein Ichwesen wirkt durch Wesensvervielfältigung – wie ich dies zu meinen Lebzeiten als Rudolf Steiner vom kosmischen Christus geschildert habe.“ (Eingebung von Weihnachten 2000)

Bei Lust auf mehr hat Keimeyers Seite mehr zu bieten. Wenn auch ein bunter Vogel, so ist dieser aber doch kein Einzelfall in der Vergötterung Rudolf Steiners:

I.3 Rudolf lebt! oder: Das Mysterium Mosmuller

Für Holger Niederhausen von den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ ist Steiner „der große Eingeweihte des Abendlandes“ (vgl. etwa Fußnote 1 hier). Für die niederländische Anthroposophin Mieke Mosmuller, Niederhausens geistige Mater Magna, ganz ähnlich. Sie spricht von Steiner als „dem Meister des Abendlandes“. Wir müssten

„…ihn noch viel größer zu sehen wagen, als er als Rudolf Steiner war. Denn er ist nicht mehr ‚Rudolf Steiner‘, kein Mann, keine Frau. Er ist das Wesen, das die menschliche Intelligenz retten muss, sie für die Götter erhalten muss.“ (Mosmuller: Der lebendige Rudolf Steiner, Occident Verlag, Baarle-Nassau 2008, S. 163) Mosmuller, Der lebendige Rudolf Steiner, 2008, Cover

Steiners Biographie wird wieder zum Heilsweg verklärt: Der Goethenum-Brand zu einer Folge der Nicht-Erkenntnis der Anthroposophischen Gesellschaft, seine Dissertation „Wahrheit und Wissenschaft“ sei ein Novum der Menschheitsgeschichte: Die erste Selbsterkenntnis der Erkenntnis. – Das ist ganz nebenbei so anmaßend wie falsch: Der betonten und stolzen „Abendländlerin“ ist entgangen, dass schon im 1. Jhdt n.Chr. der Begriff „Te“ in der taoistischen Tradition für „Selbstbeobachtung des Geistes“ steht, analoge Aussagen finden sich auch im Zen des 14. Jhdts (vielleicht ist es auch Absicht: die chinesischen Religionen gelten der Anthroposophie ja immerhin als direkt von Luzifer in Gestalt eines Kaisers etabliert, vgl. die irdische Inkarnation Luzifers).

Das Besondere an Mosmuller ist aber, dass sie im Gegensatz zu den meisten oberorthodoxen AnthroposophInnen (ich habe einige erlebt, die meinten, dass Luzifer ihnen darin auflauert) Meditation sehr wichtig findet. Ihre Ergebnisse schöpft Mosmuller aus dem „reinen Denken“, das sie aber als ein „Erleben“ schildert. Es habe sie 1987 „überkommen“. Als „Denken“ beschreibt sie demnach eine psychische Erfahrung, ein sicher luzides, klar erfahrenes Gefühl, in dem sie sich offenbar Steiner nah wähnte und das sie –  m. E. nach ob der typisch orthodoxanthroposophischen Unfähigkeit, Gefühle zuzulassen und nicht durch das ICH zu Töten (im Glauben, es würde dadurch ein „Geistselbst“, vgl. Die Mächte des (L)ICH(ts)) – nur als „reines Denken“ einordnen konnte. Charakteristisch dafür scheint zu sein, dass mensch sich vermeintlich in „höheren Welten“ mit Rudolf Steiner tummelt:

„Wir [können] uns zu ihm wenden und Fragen stellen. Er kann uns Erkenntnisse schenken, wir können Ratschläge im Erkennen bekommen. So wirkt die Beziehung zu seiner Seele. Dazu müssen wir uns zuerst zum reinen Denken hinaufbegeben. Die Art des reinen Denkens müssen wir dann in eine gewisse Ähnlichkeit mit der Arbeit Rudolf Steiners zu bringen versuchen. Man muss sich also im reinen Denken in seine Art einleben. Von da aus muss man sich dann seine eigene Frage anschauen, und im Moment des Anschauens wird schon die Antwort in uns gedacht.“ (Mosmuller, a.a.O., S. 180)

So weit, so langweilig. Offenbar hat Mosmullers Meditation also doch nur den Kontakt zu einem vermeintlichen übersinnlichen Steiner, nicht individuelles Erleben u.ä. zum Ziel. Und dieser „Kontakt“ wird nicht einmal als Inhalt eines Erlebens, eines Gefühls dargestellt, sondern soll als Denken verkauft werden, „reines“ noch dazu. Mosmullers Wertschätzung hält sich wohl deshalb auch unter AnthroposophInnen in Grenzen. Nötig sind zu ihrem „Verständnis“ nicht mehr und nicht weniger als emotionale Evidenzerfahrungen. Die hat scheinbar Holger Niederhausen (s.o.), der Mosmuller in zahlreichen regelrecht verblüffenden Aufsätzen geradezu zärtlich als lebendig gewordene Anthroposophie und „reales Mysterium“ beschreibt (Der deutsche Geist), und ganze Aufsätze über jede noch so banale und minimale Mosmullerkritik verfasst (…Eine Antwort auf Ramon Brüll).

I.4 Steinergeschnetzeltes oder spirituelle Inflation

Übertroffen werden Mosmullers Connections ins Jenseits jedoch von den kosmischen Einsichten eines Sergej Prokofieff. Der beschreibt in seinem Buch „Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien“ (Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1986, aus dem Russischen von Ursula Meuss), Steiner habe seit seiner Jugend den sagenhaften Christian Rosenkreutz als Lehrer gehabt – im physischsten Sinne (S. 59). Und nicht nur das: Der nathanische Jesus (Ahriman, Avitchis und die Apokalypse), der durch Paulus Lukas zum Verfassen des Lukasevangelium inspiriert habe, habe auch Steiner angeregt, sein fünftes Evangelium (GA 148) zu predigen (S. 86ff.). Er sei außerdem („das ist eine reale okkulte Tatsache“) des „Erzengels Michael rechte Hand gewesen.“ (S. 113). Und auch damit nicht genug:

Das, was der Christus für die ganze Menschheit tat, als er ihr Karma auf sich nahm, das tat Rudolf Steiner für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft als ein wahrer Schüler des Christus Jesus auf der Weihnachtstagung. (…) Dessen sollte sich jedes Mitglied der Gesellschaft bewusst sein.“ (S. 129 – kursiv im Original)

Prokofieff: Rudolf Steiner und die Grundlegung der neuen Mysterien, Cover

Vielleicht ließe sich der immer maroder werdende Haushalt der Anthroposophischen Gesellschaft (Kulturfaktor mit Eintrittskarte?) ein wenig aufpäppeln, wenn mensch Mitgliedsanträge als Ablassbriefe in obigem Sinne verkauft? Prokofieff kommt diese Gedanke nicht, dagegen weiß er noch mehr tolle Sachen, die Rudolf Steiner gemacht hat: So habe ein Boddhisatva 1902/03 Steiners Astralleib durchdrungen, der sei dadurch zur „Jungfrau Sophia“ geworden (S. 71), sein Ätherleib dagegen sei (wieder unter Hilfe des nathanischen Jesus) als „Opfertat“ dem ersten Goetheanum einverleibt worden (S. 103. Bedauerlich, dass es abgebrannt ist), sein „Ich“ habe Steiner an Christus geopfert (S. 61), als „erster“ Mensch überhaupt habe Steiner der Menschheit den Weg zum „hohe[n] Kollegium der Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen“ gebahnt (S. 203 – auf die „Meister“ der TheosophInnen geht Prokofieff nicht ein, er glaubt letztere lediglich von „okkulten Bruderschaften“ verführt. Zum Mythologem der „Meister s.o.) und noch vieles, vieles, vieles, vieles mehr. Und nicht vergessen:

„Bei der oben angeführten Darstellung dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass durch Rudolf Steiner so verschiedenartige und so hohe geistige Kräfte und Menschheitsführer wirken. In seinem Falle ist es nicht nur möglich, sondern völlig unumgänglich.“ (S. 397)

Achso. Ja, ganz klar. Mir drängt sich allerdings eher der Eindruck auf, dass dieser Phantasie einer aurischen Zerstückelung durch höhere Wesenheiten ein Wunsch oder Bedürfnis des Autors zugrundeliegt. Es scheint, als habe es hier jemandem nicht mehr gereicht, Steiner zu verehren oder „bloß“ zur „Intelligenz“ im Dienste der Götter zu erklären (Mosmuller), er musste Steiner sukzessiv alle anderen ihm wertvollen Geister und Mythengestalten wesenhaft eingliedern. Ein Vorgang, der in meinem Empfinden einer spirituellen Inflation gleicht (Zu Prokofieff gibt es auch anthroposophieintern einige Kritik: Irina Gordienko schrieb ein ganzes Buch darüber, vgl. zur Debatte lochmann-verlag.com).

1.5 „…Fähig, ihn zu verkünden.“

Auch der prominente Basler Anthroposoph und für seine philosophischen Essays ausgezeichnete ehemalige Philosophieprofessor Karen Swassjan gerät beim Anblick von Steiners Nachlass in Verzückung: „Der Eindruck ist ein solcher, als handelte es sich um die Leistungen und Errungenschaften einer ganzen Kultur“ (Karen Swassjan: Aufgearbeitete Anthroposophie, Verlag am Goetheanum, Dornach 2007/8, S. 25). Bei aller Kritik und trotz seiner Vermessenheit muss ich Swassjan Intelligenz, Biss, einen sehr eigenen philosophischen Ansatz und einen ungeheuer vergnüglichen, kauzigen Humor zu Gute halten, der das Lesen seiner verschriftlichten Gedankengänge weitaus angenehmer macht als die vieler anthroposophischer PublizistInnen.

Steiners Person und Werk scheinen ihm allerdings – und nicht einmal, wie bei Prokofieff, durch Einfluss höherer Wesen aus der theosophischen Puppenkiste, sondern aufgrund seiner angeblichen eigenen Kraft und Macht – als einzigartig und weltgeschichtlich:

„So wie die Physik eine Disziplin ist, deren Objekt Natur heißt, ist die Anthroposophie eine Disziplin, deren Objekt Rudolf Steiner heißt.“ (S. 13)

Lorenzo Ravagli, heute meist als Hardcore-Apologet unterwegs, hat zu einem früheren Buch von Swassjan („Abendmahl“) treffend geschrieben:

„Meine erste Reaktion war, das Buch wieder zuzuschlagen. Ich dachte, das kann nicht ernst gemeint sein. Ich dachte, das kann doch ein Autor am Ende des 20. Jahrhunderts – nach einem solchen Jahrhundert! – nicht schreiben. (…) Aber dann begriff ich, daß ich dem Geburtsakt des anthroposophischen Katholizismus beiwohnte (…) Die anthroposophische Bewegung hat ihren Gott und Rudolf Steiner seinen Propheten gefunden. Der Gott heißt RUDOLF STEINER und sein Prophet heißt KAREN SWASSJAN.

Ich las die Passage wieder und wieder: ohne Zweifel, da stand wirklich, was ich gelesen hatte. Swassjan schreibt und inzwischen bin ich zur Überzeugung gelangt, daß er auch glaubt, was er schreibt: Er schreibt, daß mit der Niederschrift der Philosophie der Freiheit sich ein Gott offenbart habe und der Name dieses Gottes lautet RUDOLF STEINER (die Kapitale verwendet Swassjan an der zitierten Stelle wirklich!) Er schreibt, daß die Weltschöpfung seit der Philosophie der Freiheit den einzigen Verantwortlichen kenne: den „frei denkenden und frei handelnden Menschen“, daß aber nicht wir damit gemeint seien, sondern „nur Rudolf Steiner“. Rudolf Steiner ist also, wenn ich Swassjan richtig verstehe, der einzige frei denkende und frei handelnde Mensch. Aber Swassjan ist fähig, ihn zu verkünden.“ (Ravagli: Anthroposophischer Katholizismus – Hervorhebungen A.M.)

Karen Swassjan

Karen Swassjan (geb. 1948)

In einer Antwort auf Ravaglis obigen Text versuchte Swassjan nicht etwa, Ravagli eine Falschdarstellung nachzuweisen, sondern ein Missverständnis der Person, nein des „Ereignisses Rudolf Steiner“ und der Anthroposophie, die schließlich nicht weniger als „persönliche Sorge des Herrn des Karma“ (i.e.“des“ Christus) sei, sowie ein Missverständnis seiner „ersten Reaktion“ (das Buch zuzuschlagen). Bei diesem „Erschrecken“ habe es sich um die okkulte „Luftprobe“ gehandelt, bei der der Geistesschüler durch ein Erschrecken vor dem Mysterium neue Organe geistigen Erkennens ausbilde. Ravagli habe sie traurigerweise „so billig versteigert“ (Swassjan: Anthroposophischer Journalismus).

Mehr zu Swassjan siehe unten (1.7; II.1).

I.6 Steiners Dornenweg

Die heute vom Rudolf Steiner Verlag herausgegebene Form von Steiners unvollendet gebliebender Autobiographie „Mein Lebensgang“ endet mit einem Nachwort von seiner Frau Marie Steiner-Von Sivers, das einen ähnlich verklärenden Standpunkt einnimmt. (Dornach, 1983, S. 350 – Hervorhebungen A.M.)

„Man hat sein [Steiners – A.M.] ganz dem Opferdienst der Menschheit geweihtes Leben mit unsäglicher Feindschaft vergolten; man hat seinen Erkenntnisweg in einen Dornenweg verwandelt. Er aber hat ihn für die ganze Menschheit durchschritten und erobert. Er hat die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen: sie sind nicht mehr da. Vor uns liegt dieser Erkenntnisweg in der kristallklaren Helle der Gedanken, von der auch dieses Buch Zeugnis ablegt. Er hat den menschlichen Verstand zum Geist emporgehoben, ihn durchdrungen, verbunden mit der geistigen Wesenheit des Kosmos. Damit hat er die größte Menschentat vollbracht. Die größte Gottestat lehrte er uns verstehen. Die größte Menschentat vollbrachte er. Wie sollte er nicht gehaßt werden mit aller dämonischen Macht, deren die Hölle fähig ist? Er aber hat mit Liebe vergolten, was an Unverständnis ihm entgegengebracht worden ist.“

Marie Steiner - von Sivers

Marie Steiner - von Sivers (1903) - wusste sich mit einem kosmischen Propheten vermählt

Hier ist von Steiners angeblichen geistigen Taten und Errungenschaften die Rede als von religiösen, heilsgeschichtlichen Tatsachen. Er habe die Grenzen der Erkenntnis durchbrochen, d.h. die Grenzen zur „Geistigen Welt“ eingerissen, er habe den menschlichen Geist mit dem Kosmos verbunden. In einem auf diese Zeilen folgenden Gedicht wird die AnthroposophInnenschaft zur Nachfolge aufgerufen, aber nicht dazu, es ihm gleich zu tun, sondern, sich ihm anzuvertrauen:

„…Weil seine Größe sich dem Maß entzog,

so trug er uns, und uns verging der Atem

beim Folgen seiner Schritte, bei dem Fluge, der uns hochriss…“

Steiner wird als Führer „zum Ich, zum Christus“ benannt, mit Prometheus verglichen und mit Sokrates, der ja bekanntlich für seine aufklärerischen Reden den berühmten „Schierlingsbecher“ trinken musste. Mir ist nicht bekannt, dass dieser Verklärung von Steiners Person jemals anthroposophischerseits etwas entgegengesetzt worden wäre (Eine Kritik am „Gesäusel“, dass „unter Steiners Witwe angefangen“ habe, lieferte immerhin der Münchner Anthroposoph Walter Beck, vgl. Peter Brügge: Die Anthroposophen, Spiegel-Buch, Rowohlt Verlag, Reinbek 1984, S. 46). Steiners „Lebensgang“ schließt jedenfalls seit 1925 mit dieser Heiligsprechung.

I.7 „Epidemisches Urvirus“

Sicher haben nicht alle AnthroposophInnen eine derartige Heiligsprechung versucht. Manche wehrten sich sogar explizit dagegen. So hat Albert Steffen bereits am 26. Mai 1935 in sein Tagebuch geschrieben:

„Aber wir in Dornach sind nicht dazu da, Lehrstühle für Dr. Steiners Erkenntnisse einzurichten, sondern selbst zu erkennen und zu schaffen. Die geistige Welt wandelt sich (…) Das Eingeständnis des Nicht-Erkennenkönnens (d.h. die Behauptung, Rudolf Steiner wäre der einzige Geistesforscher) würde das Ende von Dornach sein. Nichts ist abgeschlossen, das will ich all denen immer wieder sagen, welche stille stehen wollen.“

Albert Steffen

Albert Steffen, Anthroposoph (1884-1963)

In einem Buch des anthroposophischen Wortführers Karen Swassjan, der Steiner für eine Offenbarung des christlichen Gottes selbst erklärte (s.o.), heißt es 2008 dazu:

„In einer Geschichte der Anthroposophie (…) wird diesen Sätzen der prioritäre Platz eines Brutherdes eingeräumt werden, von dem aus der ganze Schlamassel [eine „Pluralisierung“ der Anthroposophie – A.M.] seinen Anfang nahm. Sie stellen den Urvirus einer Krankheit dar, die derzeit beinahe epidemisch geworden zu sein scheint“ (Swassjan, a.a.O., S. 129)

Karen Swassjan: Aufgearbeitete Anthroposophie - Bilanz einer Geisterfahrt, Cover

Diese Sätze blieben bisher nicht nur unwidersprochen, vielmehr machte z.B. auch die liberale anthroposophische Zeitschrift Info3, deren Kurs ja eigentlich ganz dem von Steffen geforderten ent- und dem von Swassjan gepredigten völlig widerspricht (s.u.), auf der Rückseite ihrer Januar-Ausgabe 2008 in DIN A4-Größe Werbung für dieses Pamphlet.

II.1 Denunziation von KritikerInnen

„Wesentlich für eine Sekte ist, daß sich Menschen um bestimmte Vorstellungen gruppieren, (…) denen gegenüber sie sich verantwortlich fühlen. (…) Schließlich ist es nicht die Schuld der Gemeinschaft, die das heilige Feuer hütet, daß die Außenwelt nicht an den Segnungen dieses Feuers teilhaben will. Es ist vielmehr die Schuld der Außenwelt und vor allem der Menschen, die sich in dieser Außenwelt bewegen (…) Jene Menschen, die außerhalb stehen, führen im allgemeinen nichts Gutes im Schilde. Sie sind der eigenen Gemeinschaft feindlich gesonnen, wollen ihr das Feuer rauben, von ihrer schützenden Höhle Besitz ergreifen usw.“ (Ravagli: Anthroposophische Mythologeme – Hervorhebungen A.M.)

Opfer dieser fundamentalistischen Haltung werden natürlich vor allem diejenigen, die sich in der „Außenwelt“ mit der Anthroposophie auseinandersetzen.

Zander: Anthroposophie in Deutschland, Cover

Ich wähle hier als eines von vielen Beispielen, weil es mir sehr gut bekannt ist, den Historiker Helmut Zander, der in seinem von mir so oft zitierten, der Anthroposophie sehr entgegenkommenden Buch „Anthroposophie in Deutschland“ eine historische Einordnung Steiners versuchte und sogar wegen seiner positiven Einschätzung einiger anthroposophischer Praxisfelder von vielen AnthrogegnerInnen gescholten wurde (v.a. bei NWA, vgl. auch Zander als Gewährsmann II). Zanders Buch wurde von orthodoxen AnthroposophInnen natürlich als reine Blasphemie betrachtet. Ich liste illustrativ einige Beispiele auf:

  1. Zander wurde im Wochenblatt „Das Goetheanum“ als „Trojanisches Pferd“ des Intellektualismus bezeichnet, das eine Schwächung des anthroposophischen Herzens ausnutze (Bernhard Steiner).
  2. Im „Nachrichtenblatt für Mitglieder“ der AAG wies Sergej Prokofieff (s.o.) seine GlaubensgenossInnen darauf hin, dass Zander gar „die schriftstellerische Tätigkeit Ahrimans, der heute seine Inkarnation auch dadurch intensiv vorbereitet“ betreibe. Soll heißen: Zander arbeite für den Dämon der Finsternis. „Deshalb erscheint dieser Aufsatz im ‹Nachrichtenblatt›, das nur für Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft bestimmt ist, die auch von einer solchen Beurteilung des Zander-Buches Kenntnis bekommen müssen.“ (Sergej Prokofieff: Blick auf die Gegnerschaft, in: Anthroposophie weltweit, 26.11.2007, ausführlich zitiert in einer Antwort auf NWA).
  3. In einer Kundenrezension auf amazon.de heißt es: „Wenn man Helmut Zander zum Kenner und Spezialisten für Anthroposophie kürt, darf man im Umkehrschluss Adolf Hitlers „Mein Kampf“ als das Fundamentalwerk deutscher Geschichtsschreibung bezeichnen.“
  4. Karen Swassjan (s.o.) musste Zanders Buch wohl als Sünde gegen die Gottheit erscheinen. Er verfasste eine Antwort, die ursprünglich ebenfalls 2000 Seiten umfassen und „Rekonstruktion eines Hasses“ heißen sollte, entschied sich aber für eine kürzere Version mit dem Titel „Aufgearbeitete Anthroposophie – Bilanz einer Geisterfahrt“ (a.a.O.). Swassjan meint zunächst, dass es Zander „nicht um die Diskreditierung des Hellsehens und höherer Erkenntnisse als solcher geht, sondern einzig um die Denunziation Rudolf Steiners (…) unter (…) forschungsanalytischer Tarnung.“ (S. 81). Auf 190 Seiten lässt Swassjan sich aus, Zander habe „eine Vernichtungswut, wie sie sich so nur bei recht wenigen Gegnern Steiners (…) finden lässt, bei keinem aber dermaßen exorbitant und silbenstecherisch. (…) Ein Amokläufer (natürlich en lettres) in der Maske des respektablen Forschers, oder – punktgleich – umgekehrt…“ (S. 24f. – Hervorhebung A.M.).
  5. Lorenzo Ravagli schließlich (siehe auch oben) veröffentlichte 2009 sein Opus „Zanders Erzählungen“ (Berliner Wissenschaftsverlag, 2009, vgl. dazu kritisch Leitmotiv Zertrümmerung, Ravagli, die Rassen und die Rechten). Es sei, heißt es da, „offensichtlich“, „dass Zander (…) trotz seiner katholischen Vergangenheit, einem marxistisch inspirierten, historischen Materialismus verpflichtet ist…“ (S. 35). Marxismus und Materialismus sind natürlich Attribute des Dämonen Ahriman. (vgl. auch Andreas Lichte: Kampf bis zur Erleuchtung)

Helmut Zander (in einem Fernsehinterview am 15.02.2009, "Sternstunde Philosophie", Schweizer Fernsehen)

Religionswissenschaftler Helmut Zander, für einige AnthroposophInnen ein "Trojanisches Pferd", in dem Dämon Ahriman sitzt.

Ich kann natürlich verstehen, wenn AnthroposophInnen sich gegen ihre recht zahlreichen KritikerInnen und erst recht die oft unseriösen oder zumindest polemischen Angriffe von AnthroposophiegegnerInnen verteidigen, Pro und Contra gehören zu einem Diskurs (nur deswegen ist es ja einer) – aber solche Hetzschriften sind nur zu deutlich aus einer aufgebrachten dogmatisch-religiösen Haltung, der es um nichts anderes als Abwehr und (womit auch immer provozierten) Revanche geht, entstanden (eine zwar inhaltlich deutlich kritische und in Teilen apologetische, aber fair bleibende Auseinandersetzung mit Zanders Analyse von Steiners Dreigliederungsmodell lieferte dagegen Christoph Strawe: „Zanders Missverstehen der sozialen Dreigliederung“ in: „Rundbrief Dreigliederung“, 04/2007, S. 5-15; zu den Chancen einer historisch-kritischen Beschäftigung mit Steiner hat sich Ralf Sonnenberg geäußert, vgl. Und sie bewegt sich doch; siehe konstruktiv-kritisch aus anthroposophischer Perspektive auch die Besprechung des Zander-Buches von Rahel Uhlenhoff).

II. 2 Info3 – Stimmrohr der Ketzer

Jede fundamentalistische Religion hat natürlich neben der feindlich indoktrinierten Außenwelt auch ein paar interne Ketzer. Um ein Bild zu benutzen: Was die Kirchenväter an Gift und Galle gegen die PhilosophInnen und ProphetInnen der gnostischen und judenchristlichen Sekten und Bewegungen ausspien, findet in der Reaktion vieler AnthroposophInnen auf den Kurs der Zeitschrift Info3 – Anthroposophie im Dialog eine Entsprechung innerhalb der anthroposophischen Szene (Natürlich steht Info3 nicht isoliert im anthroposophischen Kontext, so werden etwa gemeinsam mit der Zeitschrift „Das Goetheanum“ seit 2007 die „infoseiten Anthroposophie“ herausgegeben, was einigen ein Ärgernis ist, vgl. infoseiten Anti-Anthroposophie? und „…Der Fluss, in den man nicht zweimal einsteigen kann“). Ich widme mich wieder ein paar exemplarischen Begebenheiten.

Hermann Keimeyer etwa bekam am 12.07.2005…

„…von der Michaelsmacht an sich, also dem Zeitgeist Michael, die Aufforderung die Empfänger des Textes:

„Ist die Zeitschrift Info 3 wiedersacherlich?“ In seinem Namen darauf hinzuweisen, dass sie diesen Text prüfen mögen, ob sie ihn als Inserat und als Daueraushang an ihrem Anschlagbrett in ihren anthprosopischen Zusammenhängen, öffentlich machen wollen.

– Ende der Michaelseingebung.“ (Ist die Zeitschrift Info 3 wiedersacherlich?)

Ich würde bei aller Verstiegenheit des entsprechenden Artikels annehmen, dass Keimeyer das ernst meint. Auch Christian Rosenkreuz, und „Meister Jesus, d.h. Rudolf Steiner“ teilten diese Meinung und verlangten zusammen mit Erzengel Michael „an sich“ und ihrem „Schreiber“ Keimeyer, Info3 aus der Anthroposophischen Gesellschaft auszuschließen (ebd.).

Der Hl Michael stürzt Satan

Erzengel Michael. Warf im November 1879 den Dämon Ahriman aus dem Himmel und forderte am 12.07.2005, info3 aus der Anthroposophischen Gesellschaft auszuschließen

Aufhänger war hier der Artikel „Rudolf Steiner integral“ von Felix Hau. Felix hat dargestellt, dass Steiners erste meditative Erlebnisse (mit 19 lebte der sich in Schellings Beschreibung eines universellen ICH hinein) nichts mit dem Christentum oder theosophischen Theorien über Ätherleiber und Jesusknaben zu tun hatten. Damit zerpflückte er auch das anthroposophische Mythologem von einer „Meisterbegegnung“ Steiners (s.o. und bei Prokofieff). Das dürfte bei vielen AnthroposophInnen eine Art Schockerlebnis ausgelöst haben, allerdings nicht so sehr wie das Fazit, dass Steiners Äußerungen über besagte theosophische Weltanschauungselemente nur über seine ICH-Erfahrung übergestulpt gewesen seien (vgl. zu einem Ähnlichen Urteil mit anderer Bewertung Die Mächte des (L)ICH(ts)).

Die Reaktionen blieben nicht aus. Nicht nur Keimeyer, Mosmuller oder Niederhausen echauffierten sich über den Artikel. Ein formelles Gespräch zwischen Info3 und offiziellen Vertretern der Anthroposophischen Gesellschaft und der Christengemeinschaft wurde anbeordert und das „Nachrichtenblatt für Mitglieder“ der AG titelte:

Prokofieff vs Info3

Sergej Prokofieff wies im anthroposophischen "Nachrichtenblatt" Felix' Artikel "auf das entschiedenste" zurück

Eine Art versuchter Zensur im Nachhinein?

Ein weiterer Stein des anthroposophischen Anstoßes ist Info3-Redakteur Sebastian Gronbach, über dessen gern „provokanten“ und darin nicht selten politisch unkorrekten Ton sich übrigens auch AnthroposophiegegnerInnen gern und auch oft nicht zu Unrecht echuaffierten (polemisch dazu NWA: Mütter und Helden und ebenso polemisch die Antwort von Felix Hau: Mütter und Helden, ausgezeichnet finde ich persönlich dagegen seine Beschreibung der anthroposophischen Betonfraktion, vgl. Der Schatten einer Seifenblase).

Sebastian deutet Götter, Engel und höhere Welten Steiners oder der religiösen Traditionen als Symbol oder „Träger“ für eine konkrete Erfahrung, die nicht an sich, nur im Bewusstsein der Menschen, die mit ihnen etwas anfangen können, überhaupt etwas bedeuten (ergo: „Weil Inhalt Form und Form Inhalt ist, wirkt ein Inhalt, der an veraltete Formen gebunden ist, heute uneffektiv und repräsentiert nicht mehr, was er einmal sein wollte.“ Gronbach: Missionen, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2008, S. 94-100, er beruft sich dabei auf ein paar Äußerungen des jungen Steiner, vgl. Spirituelle Grundlagen). Ich stimme dem in Bezug auf Mythen und Religionen zu, eine solche Steiner-Deutung widerspricht aber natürlich völlig dessen Anspruch auf historische Authenzität seiner Ausführungen über Planetenorakel, Erdinkarnationen u.ä. Und das hetzte die anthroposophische Inquisition auf.

„Gronbach“ ist für viele Anthros ein Schlagwort für eine „trivialisierte“, „popularisierte“ Form der ach so hochgeistigen, avantgardistischen „Geheimwissenschaft“ Anthroposophie.

Sebastian Gronbach

Sebastian Gronbach - Was meinen Sie: info3-Redakteur und "integraler" Anthroposoph oder ein Asura, der auf die Zerstörung des Ich hinarbeitet?

Besonders sein Widerspruch gegen die Absolutheit des Christusmythologems brachte die anthroposophischen Gemüter in Wallung. Mosmuller etwa ist der Meinung, dass er mit Wilber in das Reich Luzifers entschwindet. Andere fanden, dass er inspiriert von oder gar ein leibhaftiger Asuras sei (mündlicher Hinweis von Sebastian am 21.09.09, die Asuras wollen nach Steiner seit 1998 das Ich zerfressen, vgl. Ahriman, Avitchis und die Apokalypse) Holger Niederhausen hält ihn für einen „Gegner der Anthroposophie“. So zärtlich er Mosmuller beschreibt, so zornig scheinen seine Artikel zum „Anti-Anthroposophen Gronbach“.

Niederhausen hat eine ganze Reihe von Artikeln zu Gronbach & Info3 geschrieben, in denen von den „Totengräbern“ der Anthroposophie der Rede ist. Besonders die hochorthodoxe Zeitschrift „Der Europäer“ titelt gern und regelmäßig gegen Info3 (Die Grenzen der Toleranz, Anthroposophie als „williges Mädchen“ für alles?, „Seid gewärtig, dass ihr durch eure Worte Bösewichter erzieht“ u.v.a.), „Das Goetheanum“ tut das indirekt durch Kritik an Ken Wilber (vgl. Fritz Frey: „Hierarchien und Holarchien. Ken Wilber und die Anthroposophie“, Das Goetheanum 16/2008, S. 7f.) mit dessen auch meiner Ansicht nach äußerst brauchbaren „integralen Ansatz“ info3-Redakteure seit Jahren „im Dialog“ stehen. 

Meine eigene Kritik an info3 ist umgekehrt v.a. die, dass der grundsätzlich begrüßenswerten Suche nach einer „modernen Anthroposophie“ kaum oder zu wenig Positionierungen zu problematischen Positionen Steiners vorangehen (Mal wieder ein bisschen Geschwelge). Ich will mich jetzt hier nicht über die Kompatibilität von Anthroposophie und Integralem Ansatz äußern. Ich kann mit der einen in „spiritueller“ Hinsicht so wenig anfangen wie ich den anderen interessant finde – und kann mir umgekehrt vorstellen, dass Mosmuller, Keimeyer und Niederhausen ihn schlicht nicht verstehen (das aktuelle Buch von Mosmuller: „Arabeske“, zeigt etwa, dass sie sich den Integralen Ansatz zum Versuch einer „holarchischen“ Kontextualisierung und Dekonstruktion von so ziemlich allem bis zur Auslöschung jeder Individualität zurechtmeditiert, eine Weltsicht, die Wilber übrigens als „Quadrantenabsolutismus“ einer „übertriebene[n] Systemtheorie“ verworfen und niemals propagiert hat, vgl. Wilber: Integrale Vision, Kösel, München 2009, S. 149, ders. Eros, Kosmos, Logos, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 2001, S. 171ff.).

Mosmuller: Arabeske, Cover

Eine Reihe treffender Kritiken zu Wilber hat dagegen Frank Visser vorgelegt. Mit den Aktivitäten des Info3-Dunstkreises werden aber, egal, wie mensch dazu steht, scheinbar erfolgreiche Versuche unternommen, v.a. Steiners Früh-, aber auch Spätwerk aus der Sicht des „integralen Ansatzes“ zu interpretieren und für eine postmoderne und post-postmoderne Weltsicht fruchtbar zu machen (wenn auch manche Versuche ernsthaft danebengehen; vgl. Ausrutscher oder Rassenlehre?). Zu dieser Entwicklung, sowie Wilbers Ansatz überhaupt hat inzwischen auch die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Religionen und Sekten mit angenehm wohlwollender Akzeptanz Stellung genommen und angesichts der „integralen“ Christentumskritik die Kompatibilität des integralen Bewusstseinskonzepts mit einem christlichen Glauben betont (Michael Utsch: Evolution des Bewusstseins?, Fußnote 11) – was selbstverständlich nicht bedeutet, dass mensch Wilber und Info3 nicht trotzdem weiterhin auch kritisch kommentieren kann und sollte.

III. Wenn und Aber

Der Glaube an manifeste, in Wirkungsort und -Zeit eindeutig datierbare Engel, Dämonen und Götter, die für kosmische Größen stehen, sich aber im unmittelbaren eigenen Umfeld direkt verkörpern, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Er steht für eine bestimmte, sog. magische Weltsicht (vgl. Jean Gebser: Ursprung und Gegenwart I, Novalis Verlag, Schaffhausen 1986, S. 87-106) wie sie auch im Heiligen- und Ablasskult des Spätmittelalters, bei vielen Naturvölkern, in manchen Versionen des hinduistischen Avatar-Mythologems oder den Ritualen um „Gottkönige“ der Alten Hochkulturen auffindbar wäre. Der Glaube an Rudolf Steiner als Heiligen, als Reinkarnation Jesu, als Opferlamm für den ätherischen Christus und was sonst noch ist eben eine religiöse Götterverehrung vor einer Art von „Reformation“. Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe:

Dabei handelt es sich aber definitiv um keine „Wissenschaft“, auch keine, die sich mit den Präfixen „Para-„, „Pseudo-“ bezeichnen lässt. Es handelt sich um eine Religion, die sich um die Heilsvorstellungen einer bestimmten Person – Steiners – gruppiert und diese in ritualisierter Form nachlebt. Und das ist ja grundsätzlich und in Gänze legitim!

Hochproblematisch wird es allerdings, wenn sich diese dogmatische Tradition als Avantgarde der menschlichen „Bewusstseinsentwicklung“ oder besonders innovativer Faktor in wissenschaftlichen oder kulturellen Disziplinen und Wirkungsbereichen wähnt und als solcher auch von außen gehandelt wird (vgl. illustrativ zu einer Lehrerin an einer heilpädagogischen Waldorfschule in Wuppertal, die zwei prügelnde Kinder durch einen Zauberspruch zu bannen suchte Fritz Beckmannshagen: Rudolf Steiner und die Waldorfschulen, Sievers Verlag, Wuppertal 1984, S. 28).(Ahriman, Avitchis und die Apokalypse)

Von diesem magisch-mythisch-wörtlichen Glauben sind natürlich einige AnthroposophInnen auszunehmen, ich denke beim Schreiben ganz konkret an die meisten meiner LehrerInnen, die vom magischen „Wesenszoo“ der Anthroposophie oft nicht viel wissen oder sich zumindest bewusstseinsmäßig weitab davon bewegen. Und auch manche offizielle VertreterInnen einer sog. Anthroposophie haben damit wenig am Hut:

Wenn etwa der oben behandelte Sebastian Gronbach Steiners Heilslehre nur und ausschließlich als „symbolisch für etwas“ verstanden haben will. Oder wenn Otto Schily in seinem Vorwort zu Steiners Kernpunkte[n] der sozialen Frage“ 1996 Steiners autoritäre Töne übersprang und diese stattdessen als Aufforderung zur „Einübung eines realitätszugewandten Denkens“ deutete (S. 167). Oder wenn anthroposophische UnternehmerInnen wie Götz Werner sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen, WaldorflehrerInnen wie Rüdiger Iwan für eine methodische (nicht theologische) Umorientierung des gesamten Bildungssektors bemühen (Versteinerung und Innovation, Der Schatten einer Seifenblase, Schule für Menschen).

Aber wenn in einem nach wie vor vom „Bund des Freien Waldorfschulen“ vertriebenen Buch über Steiners „Volksseelen“-Lehre steht, dass diese „die Erkenntnisse des Genomprojekts (der weltweiten Kartienrung der genetischen Merkmale der Menschheit) in einer erstaunlichen Weise vorwegnimmt.“ (Bader/Ravagli: Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit, Stuttgart 2002, S. 69) oder die Anthroposophische Gesellschaft in ihrem monatlichen Mitteilungsblatt sich 2008 noch als „unsterbliche Gesellschaft“ beschwört (Hartwig Schiller: Die unsterbliche Gesellschaft, Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland, 10/2008, S. 13f.), sollten auch bei liberaleren AnthroposophInnen langsam mal alle Alarmglocken läuten.

Ausnahmslos jede Auseinandersetzung, die aus anthroposophischen Ideen schöpfen oder sich in positiver Bezugnahme mit diesen auseinandersetzen will, MUSS diese fundamentalistischen Traditionen und ihre inquisitorischen Folgen in Vergangenheit und Gegenwart realisieren, benennen und sich kritisch von ihnen absetzen. (siehe auch und vor allem: Mal wieder ein bisschen Geschwelge)

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Entry filed under: Hintergründe, Identität, Literarisches.

Mal wieder ein bisschen Geschwelge zum „Warum“dieses Blogs Erziehung und Evolution – Steiners „Jahrsiebte“ und die „Chimäre der Ganzheitlichkeit“ zwischen Autorität, Selbsterziehung und Biologismus

24 Kommentare Add your own

  • 1. Andreas Lichte  |  8. Januar 2010 um 9:59 pm

    War mal mit einem Freund im Urlaub. Im Hotel unterhielten sich am Nachbartisch zwei deutsche Frauen.

    Zusammenfassung des Freundes:

    „Fragmente eines Gesülzes“

    Das hast du protokoliert.

    Ich frag mich natürlich warum. Die Anthroposophie, die du protokollierst / portraitierst ist total leer, hohl. Da gibt es nichts, was interessant wäre. Da gibt es keine Idee, aus der man schöpfen könnte.

    Antwort
    • 2. Ansgar Martins  |  9. Januar 2010 um 10:12 am

      Ich frag mich natürlich warum.
      Weiterhin: Das sei dir gegönnt.

    • 3. Andreas Lichte  |  9. Januar 2010 um 10:31 am

      @ Ansgar

      was ist das für eine „Antwort“?

      Du stellst, Zitat Ansgar Martins, „Die Anthroposophie als religiöse Heilslehre“ vor, die kein Heil zu bieten hat.

      Deren Protagonisten durchgedrehte Knallchargen sind …

      da möchte ich schon mal wissen, was das noch soll.

    • 4. Ansgar  |  9. Januar 2010 um 12:39 pm

      Lieber Andreas,

      Da musst du schonmal nachdenken.

      Welches Heil haben ein fundamentalistisches Christentum, ein fundamentalistischer Islam zu bieten? Paradies für Gläubige. In der Anthro-Variante wäre das der Neue Jupiter. Deswegen Heilslehre, eine Lehre, die für sich in Anspruch nimmt, als einzige (oder eine der wenigen) Lehre(n) zum „Heil“ der Menschheit zu führen.

      Deren Protagonisten durchgedrehte Knallchargen sind …

      Das ist für das Postulat einer „Heilslehre“ vollkommen irrelevant. Ich behaupte, dass das Aufstellen von Heilslehren in einer rationalen Welt sowieso potentiell was für „Knallchargen“ ist.

  • 5. ben rilke  |  9. Januar 2010 um 6:33 am

    Vielleicht sollten Sie sich in Bezug auf Swassjan erst einmal mit seinem Gottesbegriff befassen! Dann werden Ihre eigenen Assoziationen in diesem hier hergestellten Zusammenhang nur noch dilettantisch und lächerlich erscheinen. „Gott“ wird hier im Westen wohl offensichtlich nur dogmatisch-christlich verstanden und führt dann in solchen Vergleichen nur zu einem geradezu hilflos-naiven Zerrbild.

    Wenn Sie Swassjan schon bemühen, sollten Sie es auch erkennend tun – und erstmal begreifen, von was er spricht, wenn er von Gott spricht…

    Antwort
    • 6. Ansgar  |  9. Januar 2010 um 10:15 am

      Mit solchen Kommentaren hatte ich gerechnet.

      Dann werden Ihre eigenen Assoziationen in diesem hier hergestellten Zusammenhang nur noch dilettantisch und lächerlich erscheinen.

      Swassjans Gottesbegriff ist für mich nicht wesentlich von seinem Begriff der Schöpfung, die zwar jedes Individuum vollbringe, aber eben v.a Steiner und niemand ohne sein Mysterium, zu trennen. Ich sehe für dieses Detail seines überall gleichfarbigen Weltanschauungsmosaik nicht so besonders viel Relevanz.
      Was halten Sie davon, ihn mal ganz kurz nicht so ernst zu nehmen…^^

    • 7. harry  |  11. Januar 2012 um 5:12 pm

      Herr Swassjan sollte mal schreiben was er meint und nicht den Sloterdijkeimmitator mimen
      harry

  • 8. Cardinal  |  9. Januar 2010 um 12:55 pm

    Hallo,

    Sehr guter Artikel Ansgar. Du hast dich selbst übertroffen. Sende ich auf jeden Fall weiter.

    @ ben rilke Erläutern Sie uns doch Swassjans Gottesbegriff

    Antwort
    • 9. Ansgar  |  9. Januar 2010 um 12:56 pm

      Das freut mich, danke.

  • 10. Andreas Lichte  |  9. Januar 2010 um 1:43 pm

    @ Ansgar

    du schreibst: „Welches Heil haben ein fundamentalistisches Christentum, ein fundamentalistischer Islam zu bieten? Paradies für Gläubige. In der Anthro-Variante wäre das der Neue Jupiter.“

    Meinst du, das wäre mir nicht aufgefallen? Ich wollte es von dir hören.

    Auch dein Fazit finde ich überzeugend: „Ich behaupte, dass das Aufstellen von Heilslehren in einer rationalen Welt sowieso potentiell was für „Knallchargen“ ist.“

    Das „potentiell“ können wir vielleicht noch streichen? Zumindest für die Anthroposophen, die du oben portraitierst.

    Antwort
  • 11. Gertrud Kiefer-Volkert  |  11. Januar 2010 um 3:11 pm

    Diesen Artikel finde ich ebenfalls sehr aufschlussreich und daher gut.
    Ich möchte mich an obigen Kommentar (Cardinal) anschließen und dazu ermutigen, die Gottesbegrifflichkeit in Arbeit zu nehmen, die neben den Begriffen für Menschliches nun ihre unbedingte Berechtigung hat. So steht auch in der P r ä a m b e l des Grundgesetzes: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …. “ Diese Spanne gilt es auszufüllen, da braucht man Begriffe von beiden Seiten, es geht nicht ohne Theologie. Die bisweilen gekünstelt aufgebaute Konkurrenz zu den theologischen Wissenschaften und auch die schwierigen Verbündungen, die sich in der Vergangenheit teilweise gegen den Staat gerichtet haben (seinerzeit gab es über die Nach-68er Bewegung wohl Verbündungen mit RAF-Leuten und darüber zur arabischen Welt) gehen halt zu weit.
    Die mangelnde Loyalität zum Staat ist für mich daher ein echtes Problem, da weiss ich inzwischen zu viel, da habe ich selber zu viel Schlimmes erlebt. Die Ausnutzen der Naivität derer, die diese Aktionen nicht durchblick(t)en, tut einfach weh.
    Und wenn in den letzten Jahren einige Waldorfschulen abgebrannt sind, dann sind es vielleicht unvorhergesehene Folgen solcher Verbündungen, Steiners Haltung zum Islam z.B. ist mehr als problematisch. Wie ich schon mehrfach erwähnte, gehören viele der Schriften Steiners verboten. Waldorfschüler sollten wissen, dass Steiner sehr schwierige Seiten hat und dass Waldorfschulen und – schülerInnen leicht zum Ziel von Terroristen werden können – wegen der islamfeindlichen Äußerungen etwa. Ich warne deswegen überall. Informieren Sie sich!

    Antwort
    • 12. Ansgar  |  11. Januar 2010 um 4:53 pm

      Diesen Artikel finde ich ebenfalls sehr aufschlussreich und daher gut.

      Schön.

      Waldorfschüler sollten wissen, dass Steiner sehr schwierige Seiten hat und dass Waldorfschulen und – schülerInnen leicht zum Ziel von Terroristen werden können – wegen der islamfeindlichen Äußerungen etwa. Ich warne deswegen überall. Informieren Sie sich!

      Wie kommen Sie denn jetzt darauf? M.W. sind sogar relativ viele SchülerInnen islamischer Konfession an Waldorfschulen. Aber vor allem: Was sollte eine islamistische Terror-Organisation bewegen, sich einer marginalen Gruppierung wie der Anthroposophischen Bewegung zuzuwenden? Zuerst würden doch wohl offensichtlich nicht- und antiislamische evangelikale Kirchen, oder die Großkirchen als Opfer infrage kommen. Anthroposophie und Waldorf haben ja auch im islamischen Teil der Welt soziale Einrichtungen, mit denen die Menschen dort (wenn sie sie kennen) erstmal positives (oder nicht automatisch vernichtenswertes) assoziieren müssten. Und auch wenn sie das nicht tun, wer würde sich durch die Mühe machen, die absolut dezentralen und meist nur halbseitigen Seitenhiebe Steiners gegen Mohammed, „Arabismus“ etc. herauszusuchen? Ich halte das für Aufmerksamkeit an der falschen Stelle.

      Aber welche Beispiele für abgebrannte Waldorfschulen haben Sie?

      Und was hat das mit RAF und Theologie zu tun?^^

    • 13. Gertrud Kiefer-Volkert  |  12. Januar 2010 um 11:29 am

      Die Verbindungen der RAF mit Waldorfschulen (mit den zugehörigen Elternhäusern, darunter Pfarrhaushalte, daher auch mein Erwähnen der Theologie) sind z.B. in dem Buch „Der Baader Meinhof Komplex“ (inzwischen gibt es einen gleichnamigen Film, der jedoch das Thema Waldorfschulen ausspart) angesprochen. Weiterhin finden sich Informationen über den Zusammenhang von Terroristen aus Deutschland mit solchen aus der arabischen Welt in Veröffentlichungen des Ex-Terroristen Peter Jürgen Book.
      Bedenkt man, dass es in der Nach 68er- Bewegung (von denen viele ihre Kinder in die Waldorfschule schickten) auch Alternativmedizin (Sozialisitischen Patientenkollektiv SPK, Anti-Psychiatrie-Bewegung, Ärzte gegen den Atomkrieg, Ärzte ohne Grenzen etc.) sich gründete, die ihrerseits u.a. mit Anthroposophischer Medizin liebäugelten, sind da schon schwierige Zusammenhänge gewesen, die schwer zu durchschauen waren.
      Wahrscheinlich fing alles mit dem Münchener Anschlag auf die Olympischen Spiele von 1972 an, der den palästinensichen Befreiungskämpfern des Schwarzen September angelastet wird. (Bedenkt man, dass Anthroposophen und Waldörfler Sportgegner sind, ergibt sich ein passendes Motiv für das Ziel Sport). Die darauf folgenden Verhandlungen, der Austausch der überlebenden Terroristen, die sicherlich seither weitere Aktionen durchführ(t)en, hält immer noch die Welt in Atem.
      Die vermutete fatale Verbündung von linken Waldorfkreisen
      mit terroristischen Gruppierungen kann den Waldorfschulen durchaus zum Verhängnis werden.

      Mit Rudolf Steiner lässt sich praktisch das gesamte politische Spektrum abdecken, Steiner hatte diesbezüglich keine Meinung, er räsonierte beliebig. Bei Zander („Anthroposophie in Deutschland“) lassen sich weiterhin die alten Verbindungen zur Muslim-Liga nachlesen.
      Ich nehme an, dass auch die Schriften Steiners („Philosophie der Freiheit“) politisch ausgelotet wurden und auch die zahlreichen Arbeitskreise mit dem Anlass dieser Schriften entsprechend genutzt wurden.
      Ca donne à penser würde ich mal sagen.

    • 14. Ansgar  |  13. Januar 2010 um 6:56 pm

      Bei allem Respekt: Jetzt ist aber langsam mal gut.

      Neulich waren es noch die Waldorfschulen, die von islamischen Terroristen bedroht waren, heute sind „linke Waldorfkreise“ die Terroristen, oder die potentiellen?

      Der Verweis, dass Waldorf und allerlei anderes ja irgendwie „alternativ“ und vllt „links“ und damit über die 68er wahrscheinlich mit der RAF verknüpft wären, oder die Anschläge 1972 von Steiners Abneigung gegen Sport herrührten, hätten ein Grandt, Bierl oder Ravagli nicht besser erfinden können. Das erscheint mir so wahrscheinlich wie die Spekulation, Steiner sei direkter Schüler von Christian Rosenkreutz gewesen.

      Zander erwähnt kurz, dass sich wohl vor dem 1. Weltkrieg keine muslischen neureligiösen Vereinigungen gegründet hätten. Die „Muslim Liga“ ist bei Zander mit keiner Zeile beschrieben und nur kurz kleingedruckt unter einer Tabelle über praxisorientierte Sektionen der Adyar-Theosophie in den 20ern als eine theosophische Vereinigung in Indien erwähnt. Diese Sektion mit islamischem Terrorismus in den siebzigern zu verbinden, ist völlig beliebig assoziiert. Warum sollten Theosophen aus Indien in den 20ern was mit der RAF oder deren Verbindungen zum islamischen Terrorismus gemeinsam machen… Aber naja.

  • 15. Gertrud Kiefer-Volkert  |  12. Januar 2010 um 12:22 pm

    Zum Thema Brände: Meine Internetrecherche hat ergeben:

    Waldorfschule Bonn (2004)
    Waldorfschule Bexbach – Kindergarten (2004)
    Waldorfschule Trier – Kindergarten (2009)
    Waldorfschule Schopfheim (2008)
    Waldorfschule Hamburg-Bergstedt (2009)
    Waldorfschule Überlingen (2009)
    Waldorfschule Oldenbourg (2009)
    Waldorfschule Darmstadt (2009)

    Vom Ausland werden ebenfalls Brände gemeldet (z.B. London 1983)

    Zuviel, als dass alles nur Zufall sein kann. Und dass die nur vergessen haben, die Kerzen auszumachen, glaube ich nicht.
    Inzwischen werden Brandschutzübungen in Waldorfschulen vorgenommen.
    Teilweise gilt auch Vandalismus (der allgemein zugenommen hat) als Ursache für Brände.

    Antwort
    • 16. Ansgar  |  13. Januar 2010 um 7:00 pm

      Inzwischen? Ich wage zu behaupten, dass Waldorfschulen, die Versicherungen haben, von denen dazu schon immer angehalten wurden. Ich kann mich recht detailliert an eine Brandschutzübung einer Waldorfschule 2000 erinnern.

      Das mit den Bränden ist aber interessant. Gibt es Statistiken zu Schulbränden an öffentlichen Schulen? Gibt es Belege bei einem dieser Fälle, dass es sich um Brandstiftung handelt? Dann könnte mensch Ihre Hypothese in Betracht ziehen.

  • 17. Gertrud Kiefer-Volkert  |  14. Januar 2010 um 10:25 am

    Ansgar,

    mir wäre es lieb, wenn sich meine Gedanken als überinterpretiert herausstellen würden. Doch lesen Sie Bücher über Ulrike Meinhof, über ihre Pflegemutter Renate Riemeck, dann sind die von mir gemutmaßten Verbindungen nicht so abwegig.
    Dass das politische Spektrum innerhalb der anthroposopohischen Welt von linksautonom und -radikal bis rechtsextrem geht, ist erstens nicht zu leugnen, zweitens ergibt sich daraus eine mögliche Erklärung dafür, dass innerhalb dieser hermetisch abgeschlossenen Welt einiges an Verschwörungen möglich ist, die kaum zu durchschauen sind.
    Tut mir leid, aber ich habe da einiges erlebt.

    Antwort
  • 18. Barbara  |  24. Januar 2010 um 1:39 pm

    Lieber Ansgar,
    darf ich Dich auf ein Buch aufmerksam machen:
    Janos Darvas: „Gotteserfahrungen“ – Perspektiven der Einheit – Anthroposophie und der Dialog der Religionen,
    info3-Verlag, Ffm. 2009
    Janos Darvas hat im Buch „Anthroposophie und Judentum“ den Artikel „Spirituelle Praxis als Einigungsprozeß“ geschrieben.
    Viele Grüße, Barbara

    Antwort
    • 19. Gertrud Kiefer-Volkert  |  2. Februar 2010 um 1:13 pm

      Liebe Barbara,

      das empfohlene Buch von Janos Darvas habe ich zwar noch nicht gelesen, ich kenne nur die entsprechenden INFO 3 Artikel, und ich finde dieses Buch sehr gut, sehr ergreifend, sehr anrührend, man kann Janos Darvas ein intensives Gefühlsleben bescheinigen, von seinen sicher authentischen Erfahrungen kann man einiges lernen. Wenn es nur noch viel mehr solche Menschen gäbe, so wünscht man sich … die Welt wäre friedlicher.
      Wie bei so vielem in der „kleinen heilen Waldorfwelt“ fehlen ein paar Aspekte bei dem großen Thema „Gott, Einheit, Dialog der Religionen“.
      Ein absolutes Tabu bei Rudolf Steiner ist das Thema „Triebleben“ (dieser Begriff wird für andere und da vor allem pejorativ gebraucht s. Rassediskussion).
      Dabei unterscheidet man heutzutage (s. allgemeinbildendes Lexikon) Primär- und Sekundärtriebe.
      Primärtriebe werden diejenigen Antriebe genannt, die phylogenetisch angelegt und damit ererbte psychische Antriebe sind, die den erlernten, kulturell geprägten (v.a. sozialethisch und ästhetischen) Sekundärtrieben gegenüberstehen und – nach psychoanalytischer Auffassung – zur Vermeidung des neurotisierenden Triebkonflikts eine produktive Synthese mit diesen erfordern.
      Dass Rudolf Steiner die Psychoanalyse abwertete, hängt wohl damit zusammen, dass er selber in diesen Spiegel nicht schauen wollte, die Selbstreflektion auf diesem Gebiet mied. Die Funktion der Sexualität im Zusamenhang mit der Zivilisation wird in der Waldorfpädagogik unzureichend thematisiert,
      Leistung, die durchaus zur Zufriedenheit führen kann, wird nicht angestrebt.
      Antriebsstarke und leistungsfähige Menschen sind dort nicht so gerne gesehen – es ist halt eine Nischendasein.

  • 20. AnthroWatch  |  13. Februar 2010 um 12:10 pm

    @ Ansgar Martins

    Ich gebe den inzwischen gelöschten Diskussionsverlauf hier vollständig wieder, da er sehr gut die Haltung von Michael Eggert zu Rudolf Steiner dokumentiert:

    http://www.egoisten.de/files/hellinger.html

    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „Ingrid
    Lieber Tom,

    ich gebe Dir vollkommen recht darin, daß „Anhänger“, die aus Prinzip keinerlei Kritik ihrem „Guru“ gegenüber ertragen, geschweige denn näher anschauen können, der Kritik von außen die „moralische Hochebene“, „the moral high ground“, überlassen. Das hast Du sehr schön auf den Punkt gebracht!

    Zu
    „z.B. die Anthropopsophie ist ohne Zweifel mit einer rassistischen Lehre begründet. Punkt. End of story.“
    hätte ich eine Frage – sie ist vor längerer Zeit schon einmal in den Kommentaren hier angeklungen:
    Was verstehst Du, Tom, unter „Rassismus“, bzw „racism“? Könntest Du das bitte definieren?
    Und ich meine jetzt nicht „Rassismus bei Rudolf Steiner“ oder „anthroposophischer Rassismus“.
    Sondern ganz allgemein. Was genau bedeutet dieser Begriff nach Deinem Verständnis?

    Herzlichen Gruß!
    Ingrid
    Yesterday, 12:00:44
    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus

    aus der Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zu Rudolf Steiner, „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“, Zitat:

    “Nach § 18 Abs. 1 S. 2 JuSchG sind Medien jugendgefährdend, wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen.

    Der Inhalt des Buches [„Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“] ist nach Ansicht des 12er-Gremiums in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen.

    Der Begriff der zum Rassenhass anreizenden Medien konkretisiert das allgemeine verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG. Mithin ist der Begriff „Rasse“ weit auszulegen. Zum Rassenhass anreizende Träger- und Telemedien sind solche, die geeignet sind, eine gesteigerte, über die bloße Ablehnung oder Verachtung hinausgehende feindselige Haltung gegen eine durch ihre Nationalität, Religion oder ihr Volkstum bestimmte Gruppe zu erzeugen, welche zugleich bei Kindern und Jugendlichen einen geistigen Nährboden für die Bereitschaft zu Exzessen gegenüber diesen Gruppen schafft (Nikles, Roll, Spürck, Umbach; Jugendschutzrecht, 2. Auflage; § 18 Rn. 5). Ein Medium reizt mithin zum Rassenhass an, d.h. stellt Rassenhass als nachahmenswert dar, wenn darin Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Rasse, Nation, Glaubensgemeinschaft o.ä. als minderwertig und verächtlich dargestellt oder diskriminiert werden (Ukrow, Jugendschutzrecht, Rn. 284). Auch wenn ein Medium nicht direkt zum Rassenhass anreizt oder aufstachelt, fällt es dennoch unter § 18 Abs. 1 S. 1 JuSchG, wenn es das namentlich aus Art. 3 und 4 GG ersichtliche Toleranzgebot der Verfassung z.B. dadurch verletzt, dass es Kinder und Jugendliche dazu verleitet, andere zu missachten, die eine andere Hautfarbe, einen anderen Glauben und eine andere Weltanschauung haben (Ukrow; a.a.O.; Rn. 284).

    Nach Auffassung des Gremiums finden sich im Achtzehnten Vortrag vom 3.5.1909 (S. 277-294) Textpassagen, die aus heutiger Sicht als Rassen diskriminierend einzustufen sind, weil der Autor darin Menschen verschiedener ethnischer Herkunft aufgrund körperlicher Merkmale in unterschiedliche Wertungsstufen einteilt. Dort wird u.a. ausgeführt:
    Today, 12:42:03 MEZ“

    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus
    Was wäre nun geschehen, wenn nun keine Veränderung innerhalb der Erdentwickelung eingetreten wäre? Dann hätten überhaupt die besten der Seelen der polarischen Länder nicht hineinsteigen können in eine physische Körperlichkeit. Und auf der anderen Seite wäre sozusagen die Bevölkerung um den Äquator herum mehr oder weniger dem Untergange verfallen. Weil sie zu früh in eine physische Leiblichkeit hinuntergestiegen war, verfiel sie ja gerade in jene Laster und Untugenden, die zum Untergange von Lemurien geführt haben. Und die Folge war, dass der beste Teil der Bevölkerung auswanderte in jene Gegenden, die zwischen dem Äquator und den nördlichen Ländern lagen. Denn in den lemurischen Zeiten haben wir die zukunftssichersten Glieder der Menschheit in den Zwischenländern zwischen dem Äquator und dem Nordpol. Gerade am besten entwickelten sich die Menschenleiber, die dann wieder Träger werden konnten der besten Menschenseelen, in jenen Gegenden der alten Atlantis, die in der heute sogenannten gemäßigten Zone lagen. (S. 283)

    Today, 12:43:05 MEZ“

    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus
    Diejenigen Völker, bei denen der Ich-Trieb zu stark entwickelt war und von innen heraus den ganzen Menschen durchdrang und ihm die Ichheit, die Egoität aufprägte, die wanderten allmählich nach Westen, und das wurde die Bevölkerung, die in ihren letzten Resten auftritt als die indianische Bevölkerung Amerikas. Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden. Bis in die körperlichen Eigenschaften hinein tritt das zutage, wenn man die Dinge wirklich geisteswissenschaftlich betrachtet. Wenn der Mensch sein Inneres ganz ausprägt in seiner Physiognomie, in seiner Körperoberfläche, dann durchdringt das gleichsam mit der Farbe der Innerlichkeit sein Äußeres. Die Farbe der Egoität ist aber die rote, die kupferrote oder auch die gelblichbraune Farbe. Daher kann tatsächlich eine zu starke Egoität, die von irgendeinem gekränkten Ehrgefühl herrührt, auch heute noch den Menschen von innen heraus sozusagen gelb vor Ärger machen. Das sind Erscheinungen, die durchaus miteinander zusammenhängen: die Kupferfarbe derjenigen Völker, die nach Westen hinübergewandert waren, und das Gelb bei dem Menschen, dem die „Galle überläuft“, wie man sagt, dessen Inneres sich daher bis in seine Haut ausprägt. Diejenigen Menschen aber, die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die den Sonneneinwirkungen zu sehr ausgesetzt waren, sie waren wie Pflanzen: sie setzten unter ihrer Haut zuviel kohlenstoffartige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz. – So haben wir auf der einen Seite östlich von Atlantis in der schwarzen Negerbevölkerung, auf der andern Seite westlich von Atlantis in den kupferroten Völkern Überreste von solchen Menschen, die nicht in einem normalen Maße das Ich-Gefühl entwickelt hatten. Mit den Normalmenschen war am meisten zu machen. Sie wurden daher auch dazu ausersehen, von dem bekannten Orte in Asien aus die verschiedenen anderen Gebiete zu durchsetzen. (S. 286)

    Today, 12:43:34 MEZ“
    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus

    Diejenigen, die nach dem Osten hinüberwanderten und die schwarze Bevölkerung wurden, waren stark beeinflussbar durch die Außenwelt, besonders für die Sonnenwirkung, gerade weil sie ein geringes Ich-Gefühl hatten. Nun aber wanderten in dieselben Gegenden, wenigstens in dieser Richtung, Völkerschaften, die ein starkes Ich-Gefühl hatten. Das ist eine Bevölkerung, die sozusagen die östliche Richtung der westlichen vorgezogen hat. Diese hat gemildert die kupferrote Farbe, welche sie bekommen hätte, wenn sie nach Westen gezogen wäre. Und aus ihr entsprang jene Bevölkerung, die ein starkes Ich-Gefühl hatte, das sich die Waagschale hielt mit dem Hingegebensein an die Außenwelt. Das ist die Bevölkerung Europas, von der wir im letzten öffentlichen Vortrag sagen konnten, dass das starke Persönlichkeitsgefühl von Anfang an bei ihr das Wesentliche war. (S. 287)

    Today, 12:43:57 MEZ“
    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus
    Sehen Sie sich diese Farben an, von den Negern angefangen bis zu der gelben Bevölkerung hin, die in Asien zu finden ist. Daher haben Sie dort Leiber, die wiederum Hüllen der verschiedensten Seelen sind, von der ganz passiven Negerseele angefangen, die völlig der Umgebung, der äußeren Physis hingegeben ist, bis zu den anderen Stufen der passiven Seelen in den verschiedensten Gegenden Asiens. (…) So dass wir im Grunde genommen zwei Gruppen von Bevölkerungen haben, welche die verschiedenen Mischungsverhältnisse darstellen: auf europäischem Boden die einen, welche den Grundstock der weißen Bevölkerung bildeten, die das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet hatten, aber sich nicht dort hinwandten, wo das Persönlichkeitsgefühl den ganzen Leib durchdrang, sondern wo das Ich-Gefühl sich mehr verinnerlichte. Daher haben Sie in Westasien, zum Teil auch in den älteren Zeiten in Nordafrika und in den europäischen Gegenden eine Bevölkerung, die innerlich ein starkes Ich-Gefühl hat, aber äußerlich im Grunde genommen wenig sich verliert an die Umgebung, die innerlich starke und gefestigte Naturen sind, aber diesen inneren Charakter nicht der äußeren Leiblichkeit aufgeprägt haben. Dagegen haben wir in Asien Bevölkerungen, die passive, hingebende Naturen sind, bei denen gerade das Passive im höheren Grade zum Ausdruck kommt. (S. 288)
    Today, 12:44:14 MEZ“

    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „das ist Rassismus

    Wenn wir jetzt in die Zeiten zurückschauen, können wir sagen: Daran, dass gewisse Bevölkerungsteile der Erde nicht die Möglichkeit gefunden haben, richtig mit der Erdentwickelung Schritt zu halten in der Herausentwickelung ihres Ichs, daran können wir uns die Lehre nehmen, wie viel verfehlt werden kann in bezug auf die Entwickelung des höheren Ichs aus dem niederen Ich. (S. 291)

    Da gab es zum Beispiel in der alten Atlantis Völker, die dann zu Indianern geworden sind, die sich sozusagen verloren haben von der Erdenbevölkerung. (…) Und sie haben dieses Ich so stark entwickelt, dass es bei ihnen bis in die Hautfarbe gegangen ist: sie wurden eben kupferrot. Sie haben sich in der Dekadenz entwickelt. (S. 291/292)

    Das andere Extrem waren die, welche da sagten: Ach, das Ich ist nichts wert! Das Ich muss sich selber ganz verlieren, muss ganz und gar aufgehen, muss sich alles sagen lassen von außen! – In Wirklichkeit haben sie es nicht gesagt, denn sie reflektierten ja nicht so. Aber das sind die, welche so ihr Ich verleugnet haben, dass sie schwarz davon wurden, weil die äußeren Kräfte, die von der Sonne auf die Erde kommen, sie eben schwarz machten. Nur diejenigen, welche imstande waren, die Balance zu halten in bezug auf ihr Ich, das waren die, welche sich in die Zukunft hinein entwickeln konnten. (S. 292)

    Da gab es auch schon diese drei Teile unter den Menschen: Die einen, die ihr Ich wirklich entwickeln wollten, Neues und immer Neues aufnahmen und dadurch wirklich zu Trägern der nachatlantischen Kultur wurden. Es gab die anderen, die ihren Gottmenschen nur aus sich sprechen lassen wollten, und ihr Ich durchdrang sie mit der kupferroten Farbe. Und die dritten, welche nur nach außen hin den Sinn wandten, und dieser Teil wurde schwarz. (S. 294)”

    Today, 12:44:21 MEZ“

    . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _ . _

    „weitere Rassismus-Definition
    @ Ingrid

    Anthroposophen fragen IMMER nach einer Definition für „Rassismus“, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass Rudolf Steiner ein Rassist war. Eine andere Rassismus-Definition gibt es in den Kommentaren zum Artikel:

    “Rudolf Steiners Rassenlehre – Wie der „Bund der Freien Waldorfschulen“ Steiners Rassismus vertuscht

    von Ansgar Martins [Waldorfschüler]

    (…) Statt Aufarbeitung und sachlicher Distanzierung von Steiners rassistischem Unfug geht es den Autoren [Lorenzo Ravagli und Hans-Jürgen Bader] und dem Herausgeber „Bund der Freien Waldorfschulen“ nur um Abwehr und Apologie (…).”

    http://www.ruhrbarone.de/rudolf-steiners-rassenlehre/

    Antwort
  • […] “pundit” Ken Wilber, dem auch ich selbst recht zugeneigt bin, lästert (Steiner =Jesus). Irgendwann bin ich mehr zufällig in das Internetarchiv dieser Zeitschrift gestolpert und war […]

    Antwort
  • […] Und damit wären wir auch schon beim sehr umfangreichen und ausgestalteten Kunstunterricht an Waldorfschulen (vgl. dazu v.a. Michael Martin (Hg.): Der künstlerisch-handwerkliche Unterricht in der Waldorfschule, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1991), der in der ersten Klasse mit Aquarellmalen und Plastizieren bis zum Umfallen beginnt und oft (zB in Mainz) mit einer spektakulären mehrwöchigen „Kunstfahrt“ durch historisch bedeutende Orte endet (in meinem Fall von Paestum über Rom, die Toskana und der Tarotgarten von de St Phalle zur Bienale nach Venedig). Viele WaldorfschülerInnen blicken gerne und dankbar auf die kreativen Freiräume und interessanten Projekte zurück, die Waldorfschulen im Bereich der Kunst durchaus bieten. Dazu kann auch ich mich wie gesagt zählen. Andere erleb(t)en auch in diesen Bereichen anthroposophische Versteinerungsritualien, die v.a. in den erwähnten obligatorischen Aquarellmalstunden der „Unterstufe“ (Klasse 1-4) zuschlägt. Etwa der Info3-Redakteur und Blogger Sebastian Gronbach (vgl. Steiner = Jesus): […]

    Antwort
  • […] das würde jedenfalls die Wahl des Namens „Johannes Thomasius“ erklären (vgl. auch Steiner = Jesus). Aber auch der Professor Capesius der Mysteriendramen, der sich, wie Steiner einmal […]

    Antwort
  • 24. freelight  |  28. Dezember 2012 um 4:59 pm

    Meister Jesus (den nur manche Anthros als eine der vorherigen Inkarnationen Steiners vermuten) soll etwa 100 Jahre vor Jesus als spiritueller Wegbereiter gelebt haben und nicht mit einem der beiden Jesusknaben identisch sein.
    Selbst wenn man glaubte, dass Meister Jesus mit Rudolf Steiner auf geistiger Ebene persönlich etwas zu tun habe, hieße das trotzdem nicht, dass man glaubte Jesus sei Steiner.

    Antwort

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Hallo allerseits,
Ich bin Ansgar Martins, geb. 1991 und war bis Juni 2010 Schüler an der FWS Mainz. Inzwischen studiere ich Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt a. M. Dieser Blog ( dessen "Leitbild" ganz oben rechts ) ist mein persönliches Projekt, um die oft einseitigen und selbstgerechten Pro- und Contra-Positionen in der Debatte um die Waldorfpädagogik und Anthroposophie kritisch zu kommentieren. Ich hoffe, das gelingt, und freue mich über Rückmeldungen jeder Art!

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Jeder Artikel kann kommentiert werden. Da ich aber bei Internetdiskussionen zu diesem Thema schon einiges an widerlichen Unterstellungen und Beleidigungen von pro- wie antianthroposophischen Seite gelesen habe, werden die Kommentare aber vor ihrer Veröffentlichung geprüft und ich behalte mir vor, sie ggf. zu kürzen oder nicht freizuschalten. Ich will damit niemanden "zensieren", sondern versuchen, eine faire und möglichst sachliche Diskussionskultur zu schaffen.

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Da ich dieses Risiko gerade bei den bekannten Verstiegenheiten anthroposophischer Websites nicht eingehen will, distanziere ich, Ansgar Martins, mich hiermit vorsorglich von ausnahmslos allen Gestaltungen und Inhalten sämtlicher fremder Internetseiten, auch wenn von meiner Seite ein Link auf besagte Internetseite(n) gesetzt wurde.

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